Wo machen Crowdfunding-Fonds inhaltlich Sinn?

Crowdinvestor Relations Manager

Das Thema Crowdfunding-Fonds wurde auch hier im Blog bereits ansatzweise diskutiert. Die Argumente gegen Fonds sind die gleichen, wie sie gegen das Pooling von Crowdfunding-Investments, wie es bei Companisto oder Seedrs praktiziert wird, hervorgebracht werden. Der am deutlichsten artikulierte Punkt gegen Fonds ist vermutlich, dass der direkte Draht zum Startup abhanden kommt und damit der Sinn von Crowdfundings verwässert werden könnte.

Argumente für die Auflegung von Crowdfunding-Fonds

Plausible Gründe für die Auflegung von Crowdfunding-Fonds gibt es in mindestens diesen drei Fällen.

  • Hohe Mindestinvestments
  • Erlangung von Equity mit mehr Rechten
  • Überwindung nationaler Grenzen

Gestern wurde im Beitrag zu Israel erwähnt, dass auf OurCrowd nur akkreditierte Investoren zugelassen sind, die für ein “Ticket” in ein Startup mindestens 10.000 Dollar mitbringen müssen. Wer also in interessante israelische Startups investieren will und dabei ggf. einem Portfolio-Ansatz folgen will, der stößt im Normalfall schnell an seine Grenzen. Hier macht ein Fond folglich durchaus Sinn, um die Höhe der Investment-Hürden zu reduzieren.

Sieht am sich die Crowdfundings bei Crowdcube oder auch das aktuelle Eigenfunding von Banktothefuture an, stellt man fest, dass man für die kleineren Investments lediglich B-Aktien bekommt. Hier könnte ein Fond-Vehikel ergo ebenfalls seine Berechtigung haben, um für ein gleich hohes – wenn auch indirektes – Investment eine bessere Qualität an Equity in Form von A-Aktien mit allen Stimmrechten zu bekommen.

Natürlich wird man auch Fälle finden, wo ausländischen Investoren der Zugang zu einem Investment versperrt ist. So können beispielsweise ausländische Investoren ohne deutsches Bankkonto bei Seedmatch nicht aktiv werden. Solche Unzulänglichkeiten des Marktes könnten mit Hilfe von Fondgesellschaften gelöst werden.

Was steht der Gründung solcher Fonds entgegen?

Soviel zur Theorie. Die Praxis ist natürlich komplexer. Zwei wesentliche Punkte stehen Fondkonzepten im Regelfall (noch) im Weg:

  • Transaktionskosten
  • Größe des Marktes

Fonds sind auch in Märkten, wo diese eine Selbstverständlichkeit sind mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden. Der Crowdfunding-Markt ist aktuell offensichtlich noch zu klein, dass es sich lohnen könnte, solche Fonds aufzulegen. Beides ist aber nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt. Der Crowdfunding-Markt wächst rasant. Das Wachstum wird sich beschleunigen, wenn die Amis erstmal im Equity-Segment aus ihrem Tiefschlaf erwachen. Ferner sei die Lektüre des Beitrages “Digitales Banking” in der aktuellen Ausgabe des Kapitals (ab S. 170) empfohlen, der einen Eindruck von einer Zukunft gibt, in der Bankprodukte zu reinen Commodities werden und Technologie und disruptive Innovationen dabei helfen, Kosten im Banking zu drücken.

Ein Beispiel, das eine Ahnung davon gibt, wohin die Reise gehen könnte, ist “the first ever crowdfunding fund”, der sich via Seedrs finanziert hat, um in zehn Startups zu investieren.

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