„Crowdfunding ist gut und wichtig.“ – Interview mit Julian Riedlbauer (GP Bullhound)

Julian Riedlbauer

Klaus-Martin Meyer: Julian, Du bis Partner bei GP Bullhound und leitest die deutsche Niederlassung von Berlin aus. Was genau machst Du und was macht eine „technology investment banking group“?

Julian Riedlbauer: Wir sind als Investmentbank auf die Branchen Internet, Digital Media, Software und Clean Tech spezialisiert. Wir beraten erfolgreiche Firmen aus diesen Sektoren bei Wachstumsfinanzierungsrunden in späteren Phasen (keine Start-ups) und bei Firmenverkäufen. Dabei übernehmen wir für den Mandanten sowohl die Erstellung der Verkaufsunterlagen, die Überarbeitung des Business Plans, die Ansprache der möglichen Investoren bzw. Käufer und die Verhandlungen. Dabei greifen wir sehr stark auf unsere Kollegen in San Francisco, aber auch in London und Stockholm zurück, weil diese sehr erfahrenen lokalen Teams natürlich die ortsansässigen Finanzinvestoren und strategischen Käufer besonders gut kennen. Insgesamt beschäftigen wir rund 50 Mitarbeiter in San Francisco, London, Stockholm und Berlin.

Klaus-Martin Meyer: In den letzten zwei Jahren ist dank Firmen wie Seedmatch, Companisto und Innovestment das Phänomen (equity based) Crowdfunding in Deutschland recht populär geworden. Wie beurteilst Du von Deiner Warte aus – wo es ja in der Regel um größere Investments geht – die Schwarmfinanzierungen von vielen Crowdinvestoren in kleine Startups?

Julian Riedlbauer: Crowdfunding ist gut und wichtig. Deutschland ist in Bezug auf die vorhandenen Möglichkeiten für Gründer, ihr Unternehmen in einer frühen Phase zu finanzieren, noch weit hinter anderen Ländern, besonders natürlich den USA, zurück. Die Popularität von Crowdfunding ist somit der richtige Trend und es hilft, die Finanzierungslücken zu schließen. Ausreichend sind in Deutschland auch mit Crowdfunding die Finanzierungsmöglichkeiten noch nicht. Wir brauchen in Deutschland noch viel mehr Finanzierungsoptionen für Unternehmen.

Klaus-Martin Meyer: Vor einigen Wochen musste mit betandsleep das erste Crowdfinanzierte Startup seine Segel streichen. Auf der anderen Seite lag die Rendite bei den ersten beiden kolportierten Exits bei nur jeweils 25 Prozent. Wie groß schätzt Du die Chance ein, dass man mit einem Crowdinvestment so etwas wie einen „großen Wurf“ landen kann, der zumindest in der Lage ist, die weiteren zu erwartenden Totalverluste in einem Crowdfunding-Portfolio zu decken?

Julian Riedlbauer: Kein Investment auf dieser Welt bietet eine hohe Rendite ohne Risiko. Investoren sollten grundsätzlich sehr aufmerksam, intelligent und eher breit gestreut investieren. Dies gilt insbesondere für Investments in frühen Unternehmensphasen. Es ist noch viel zu früh, eine Renditehöhe von Crowdfunding in Deutschland vorherzusagen. Insofern sollte es nur eine Beimischung zu anderen, risikoärmeren Investments sein. Die Chance „auf einen großen Wurf“ oder einige gute Investments besteht – ebenso wie das Risiko, dass sich einige Investments zu Totalverlusten entwickeln werden.

Klaus-Martin Meyer: Anfang November wurden auf Bergfürst Aktien von Urbanara plaziert. Werden frei handelbare Aktien den Crowdfunding-Trend weiter befeuern und könnte Bergfürst ferner auch den Wirtschaftsminister glücklich machen, der ja einen Neuen Markt 2.0 wünscht?

Julian Riedlbauer: Bergfürst ist eine sehr gute Ergänzung des Marktes für Firmen-Finanzierungen und den Handel von Unternehmensanteilen an jungen Firmen. Bergfürst kann aber nur eine Ergänzung für kleinere Firmen darstellen, ein professionelles Tech-Segment für größere Unternehmen wie damals der „Neue Markt“ oder wie seit jeher die NASDAQ sind nicht zu ersetzen. Für Hedge-Funds, Pensionsfonds, Family Offices, finanzstarke Privatanleger etc. ist die Liquidität von Firmenanteilen auf Bergfürst zu gering. Wie sollen die denn auf Bergfürst hunderte von Millionen Euro investieren?

Markiert mit , .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Schreibe einen Kommentar