„Ich denke, wir haben Seedmatch vor allem mit unserem Produkt und unseren Plänen für die weitere Entwicklung des Businessmodels überzeugt.“ – Im Gespräch mit Lukas-C. Fischer (fraisr)

fraisr

Klaus-Martin Meyer: Lukas, Du bist Co-Founder und Geschäftsführer der Fraisr GmbH. Würdest Du dich und Fraisr bitte kurz vorstellen?

Lukas-C. Fischer: Mein Name ist Lukas-Christian Fischer und ich bin einer der drei Gründer von fraisr. Ich bin gebürtiger Berliner, 37 Jahre alt und habe nach ersten journalistischen Flugversuchen während des Publizistikstudiums vor allem in PR- und Werbeagenturen gearbeitet. Als sich die Idee für fraisr konkretisierte, war schnell klar, wo mein Tätigkeitsbereich liegen wird: Produkt und Kommunikation, da ich mich schon früh mit Webtools beschäftigt und ich bereits viel Startup-PR auf Agenturseite gemacht habe. Mit fraisr möchten wir generell Konsum und Spenden miteinander verknüpfen. Aktuell bieten hierfür einen eigenen Marktplatz unter www.fraisr.com und ein Shopplugin – mit beiden können Verkäufer ihre Artikel zu Spendenprodukten machen und emotional aufladen. Wird ein fraisr-Produkt verkauft, spendet der Verkäufer zwischen 5% und 100% seines Erlöses ein gemeinnütziges Projekt seiner Wahl. Hierfür arbeiten wir mit zahlreichen renommierten Spendenorganisationen zusammen und sorgen auch dafür, dass das Geld bei den Organisationen ankommt. Bei uns können sowohl gewerbliche Händler als auch private Verkäufer verkaufen und treffen auf eine Käuferschaft, die mit ihrem Einkauf auch etwas Gutes tun wollen. Grundsätzlich ist hier ein wesentlicher Wandel zu bemerken: Es geht zunehmend auch in Deutschland nicht mehr primär darum, etwas so günstig wie möglich zu kaufen. Der soziale Fussabdruck von Händlern und Produkten wird immer wichtiger. Auch online.

Klaus-Martin Meyer: In meiner Wahrnehmung seit Ihr in der Startup-Szene ganz gut verdrahtet. Auf jeden Fall habe ich schon des Öferen von Fraisr gehört. Wie wichtig war Euer bisheriger track record für Seedmatch, Euch auf die Plattform zu nehmen?

Lukas-C. Fischer: Ich denke, wir haben Seedmatch vor allem mit unserem Produkt und unseren Plänen für die weitere Entwicklung des Businessmodels überzeugt. Aber die viele gute Presse hat bestimmt geholfen, uns von anderen Startups zu differenzieren und die Entscheidung zu unseren Gunsten zu treffen. Journalisten sind letztlich ja vor allem auch sehr kritische Menschen, die sich ihrer Funktion als Gatekeeper sehr bewusst sind und nicht alles einfach durchwinken oder hypen, was nur auf den ersten Blick Sinn macht. Insofern freue ich mich natürlich über jeden weiteren guten Bericht über uns, weil es zeigt, dass wir auch nach dem zweiten und dritten Blick überzeugen können.

Klaus-Martin Meyer: Sicher habt Ihr schon eine größere Anzahl von Usern und Händlern auf der Plattform. Sind diese beiden Zielgruppen auch dafür interessant, um diese zu Investoren „zu konvertieren“. Wenn ja, wie geht Ihr die Ansprache an?

Lukas-C. Fischer: Wir haben mit unseren Usern ja vor allem eine bestehende Geschäftsbeziehung und wollen, dass diese langfristig bei uns aktiv sind. Gleichzeitig sind fraisr-User natürlich auch sehr wertvolle Investoren, da sie das Produkt bereits in- und auswendig kennen und uns wertvolles Feedback geben können. Insofern würden wir natürlich gerne möglichst viele von ihnen auch überzeugen, bei Seedmatch in uns zu investieren. Wichtig ist aber in der Kommunikation, dass wir keinen übereifrig überrollen und in den nächsten 60 Tagen von nichts anderem mehr sprechen. Wir versuchen einen guten Kommunikationsmix hinzukriegen, in dem wir auf unserer Facebook-Seite und bei Twitter regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen des Crowdfundings sprechen und natürlich auch alle anderen Neuigkeiten hier veröffentlichen – aber das machen wir auch sonst so. Gestern haben wir ein sehr persönlich gestaltetes Mailing an unsere Nutzer verschickt, in dem wir über den Kampagnenstart am Donnerstag berichtet haben. In den nächsten Tagen folgt dazu auch noch ein Blogbeitrag. Aber trotz Crowdfunding ist jetzt einfach auch Weihnachtszeit und wir möchten natürlich auch, dass alle erfolgreich ihre Produkte verkaufen oder Weihnachtsgeschenke mit Spende bei uns einkaufen.

Klaus-Martin Meyer: Einen Marktplatz zu etablieren, ist aus meiner Sicht die große Kunst im Online-Business. Wie schätzt Du Euren mittelfristigen Kapitalbedarf ein?

Lukas-C. Fischer: Durch die Dezentralisierung von fraisr durch die Entwicklung von weiteren Shopplugins und den strukturierten Vertrieb dieser Lösungen ist unser Kapitalbedarf für die Traffic-Besorgung gar nicht so hoch, weil wir hier nur begrenzt Kosten haben. Ganz nach dem Prinzip „Gehe dorthin, wo Traffic ist“ ist unser Plugin eine Lösung für Shops, die sich durch fraisr-Spendenprodukte differenzieren wollen und ihren Kunden einen emotionalen Mehrwert beim Einkaufen geben möchten. Durch die Zusammenarbeit mit uns können Händler sehr aktiv über ihre Partnerschaft mit unseren Spendenpartnern sprechen und sich so deutlich von den Mitbewerbern abheben. Gleichzeitig wollen wir natürlich auch den Marktplatz voran bringen und als zusätzlichen Sales-Aggregator für unsere Verkäufer etablieren. Hierfür haben wir bereits durch einen unserer Business Angels einen guten Draht zu einer auf E-Commerce spezialisierten Agentur, mit der wir ein kosteneffizientes Affiliateprogramm aufsetzen werden. Gleichzeitig bekommen wir über unsere Spendenorganisationen regelmäßig Unterstützer auf unser Angebot geleitet, die die Organisation unterstützen möchten – sei es als Käufer oder als Verkäufer. Das ist natürlich eine tolle Sache, die ein üblicher Marktplatz nicht bieten kann.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss noch eine Frage zum Thema Crowdfunding. Seht Ihr Euch selber aufgrund des Spendenapektes des Geschäftsmodells als einen Teil der Crowdfunding-Szene?

Lukas-C. Fischer: Absolut! Bei uns können ja auch eigene, private Projekte angelegt und dann mit Verkäufen finanziert werden. Und viele Crowdfundingplattformen arbeiten ja auch mit konkreten Prämien, die man bei einer Investition erhält. Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei uns – nur das bei uns das Kaufen eines Produkts im Mittelpunkt steht. Denn letztlich kauft bei uns niemand aus Mitleid, sondern weil er vor allem vom Angebot überzeugt ist und dann die Spende ein kaufentscheidener Faktor ist. Wir sehen uns auch am Rand der Shareconomy, da wir bei uns auch ein Teil geteilt bzw. abgegeben wird.

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