Interview mit Manuel Heß zum Start der Crowdfunding-Plattform IPO.GO

IPO.go

Klaus-Martin Meyer: Herr Heß, Sie sind Head of Operations der IPO.GO AG. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Manuel Heß: Mein Name ist Manuel Heß, ich bin 29 Jahre alt und gebürtig aus Konstanz. Mit der IPO.GO AG bin ich bereits länger verbunden, aber erst seit knapp zwei Jahren operativ tätig. Zuvor habe ich in meinem Studium einen Schwerpunkt auf International Ventures und Entrepreneurship gelegt und diesen in insgesamt vier Jahren Auslandserfahrung vertieft. Nach Stationen auf dem EU Parkett in Brüssel und bei einem großen mittelständischen Software Unternehmen in der Finanzabteilung, war für mich schnell klar, dass ich in die spannende Welt der Startups zurück möchte. Die IPO.GO AG ist quasi selbst noch ein stückweit Startup, denn sie existiert in ihrer jetzigen Form erst seit 2011. Bereits damals gab es erste Ansätze das Crowdfunding-Prinzip mit aufzunehmen, denn das Geschäftsmodell der IPO.GO AG bewegt sich im Bereich der öffentlichen Finanzierung, genauer im Bereich der Wertpapier- und Vermögensanlagen-Verkaufsprospekterstellung sowie der Betreuung von Börsenlistings kleiner und mittelständischer Kapitalgesellschaften. Ein Initial Public Offering (IPO), der Börsengang, ist vom Prinzip letztlich nicht anders als ein Crowdfunding, denn es werden öffentlich Beteiligungen an einem Unternehmen ausgegeben. Daher kommt übrigens auch unser Name. Mit der Umstrukturierung der Börsensegmente in Deutschland und der Verschärfung der Bedingungen ist diese Form der Finanzierung für kleinere Kapitalgesellschaften aber leider Ende 2012 weggebrochen. Seither haben wir verstärkt den Aufbau einer Crowdfunding-Plattform vorangetrieben. Als Head of Operations bin ich dafür zuständig, dass Netzwerk auszubauen, interessante Startups kennen zu lernen, über das Crowdfunding-Prinzip in Vorträgen zu informieren und eben die operative Tätigkeit, auch in den anderen Geschäftsbereichen voranzubringen. Im Umfeld der oft schwierigen Regularien seitens der Aufsichtsbehörden im Bezug auf öffentliche Finanzierungsformen bringen wir also bereits eine gewisse Erfahrung mit.

Klaus-Martin Meyer: Angesichts der vielen Crowdfunding-Plattformen auf dem deutschen Markt gehören Sie eher zu den Spätstartern. Womit wollen Sie die Plattform-Landschaft bereichern?

Manuel Heß: Die Crowdfunding-Branche für Startups existiert in Deutschland seit ca. Ende 2011. Bisher wurden nach unseren Recherchen auf diese Weise etwa 16,5 Millionen Euro für Startups eingesammelt. Ein Großteil hiervon in 2013. Das heißt, die Branche wächst enorm und wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Neben der reinen Crowdfunding-Plattform für Startups, geht es uns vor allem auch um ein Abwägen der Finanzierungsformen und des richtigen Finanzierungsmixes. Von der Wahl der richtigen Unternehmens- und Beteiligungsform bis zur Erstellung von Verkaufsprospekten können wir Unternehmen unterstützen. Mit zunehmendem Wachstum der Branche werden sich unserer Meinung nach die Regularien verschärfen. Derzeit ermöglicht nur eine Finanzierungsform, das partiarische Nachrangdarlehen, Gelder ohne Prospekt jenseits der Grenze von 100.000 Euro öffentlich einzusammeln. Wir gehen davon aus, dass sich früher oder später prinzipiell eine Art Prospektpflicht auch für Startups etablieren wird, im Gegenzug dafür sich aber die Grenze von 100.000 Euro anhebt. Ein weiterer Punkt der uns von anderen Plattformen abgrenzt ist, dass wir nicht nur auf das große Exitereignis in Form des Unternehmensverkaufs bauen, sondern in unseren Beteiligungsverträgen schon dafür sorgen, weitere Exit-Optionen in Betracht ziehen zu können, die erneut eine Win-Win Situation entstehen lassen. Zudem hat jedes Unternehmen bei uns die Möglichkeit, sich in seinem eigenen Design und seiner Corporate Identity auf unserer Projektseite darzustellen, was den Marketing- und Werbeeffekt eines Fundings erhöhen sollte. Insgesamt können wir also ein Gesamtpaket an Leistungen anbieten, das über ein gewöhnliches Crowdfunding hinausgeht und mit zunehmender Entwicklung der Branche nicht nur für Startups interessant sein wird.

Klaus-Martin Meyer: Sie Startup-Szene findet sich eher in Berlin, Hamburg und München. Die führenden Crowdfunding-Plattformen agieren eher von Berlin und Dresden. Sie agieren von Reichenau aus.
Für wie relevant halten Sie den Standort eines Crowdfunding-Marktplatzes?

Manuel Heß: Für die Crowdfunding-Kampagne selbst halte ich den Standort des Marktplatzes für nicht relevant. Das wäre ein Widerspruch in sich, denn erst das Internet ermöglicht den Erfolg dieser Finanzierungsform. Bei der Suche nach passenden Projekten für eine Kampagne spielt der Standort jedoch eine wichtigere Rolle, da zumindest uns der persönliche Kontakt wichtig ist. Wir sind im süddeutschen Raum, insbesondere in Baden-Württemberg bereits gut vernetzt, wollen dies aber weiter ausbauen. Wir freuen uns auch darüber, dass sich in unserem Umkreis bereits die Startup Szene weiter sensibilisiert und wächst, auch wenn natürlich nicht in der Größe wie beispielsweise in Berlin. Finden wir interessante Unternehmen außerhalb unserer Region, bedeutet das letztlich einen höheren Reiseaufwand oder ein „Treffen in der Mitte“. Das sollte aber kein Hindernis sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Klaus-Martin Meyer: Sie haben die Gesellschaftsform einer AG. Wird die Crowd auch Aktien an Ihrer Gesellschaft kaufen können?

Manuel Heß: Derzeit ist nicht geplant neue Aktien auszugeben, soll aber für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen sein. Wir hatten uns ja bereits selbst über ein IPO finanziert. Momentan liegt der Schwerpunkt auf der operativen Tätigkeit. Wir würden aber gerne auch Aktien anderer Unternehmen über ein Crowdfunding anbieten. Wir halten die Aktie hierfür als ausgesprochen gut geeignet, da sie sehr einfach zu übertragen ist und ein mit Stimmrechten ausgestatteten Eigenkapitalanteil am Unternehmen darstellt. Leider ist uns dies derzeit noch nicht möglich, da wir hierzu entweder eine aufwendige Zulassung der BaFin oder das Haftungsdach einer Bank benötigen. Es ist aber ein Geschäftszweig, den wir im Auge behalten.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell haben Sie mit Mauz & Wauz das erste Startup auf der Plattform. Wie haben Sie die Firma überzeugen können, das Premierenfunding mit Ihnen umzusetzen?

Manuel Heß: Wir haben uns Zeit gelassen, bis wir ein erstes für uns passendes Projekt gefunden haben. Mauz & Wauz hatte uns im Oktober kontaktiert und ihre Unterlagen zugesandt. Nach einem ersten Treffen war schnell klar, dass beide Parteien ein Crowdfunding als Finanzierungsform miteinander favorisieren. Das Startup ist zwar im September 2013 in einen schon gut besetzten Markt gestartet, konnte jedoch durch sein Gründerteam, das sympathische Produkt und vor allem durch erste Erfolge und die im Vergleich zu aktuellen Mitbewerbern enorm gute Organisation und Struktur des Geschäfts überzeugen. Mauz & Wauz ist sehr skalierbar und gut vernetzt. Die Zielgruppe und der Markt des Heimtierbedarfs für Hunde und Katzen sind stabil, klar definiert und groß. Wir sind vom Erfolg der Kampagne überzeugt.

Klaus-Martin Meyer: Nun wird es darauf ankommen, eine schlagkräftige Crowd zu mobilisieren. Wie wollen Sie dabei vorgehen?

Manuel Heß: Hier liegt ganz klar ein großes Stück Arbeit noch vor uns, die IPO.GO Plattform und unser erstes Projekt bekannt zu machen. Wir wissen zwar aus der Erfahrung anderer heraus, dass bis zu einem Drittel der Crowdinvestitionen aus dem Umfeld des Startups kommen und dort generiert werden, aber hier sind wir natürlich mehr als nur unterstützend tätig. Neben verschiedenen Werbe- und Marketingmaßnahmen online werden wir hierzu auch besonders unser lokales Netzwerk nutzen und offline für unser erstes Startup werben und dieses vorstellen.

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