Interview mit Thomas Matzke zum Start von microseeds24 einer neuen Plattform für Crowdfunding und Crowdinvesting

microseeds24

Klaus-Martin Meyer: Herr Matzke, Sie sind Gründer und Geschäftsfüher der Firma microseeds24.de. Könnten Sie sich und Ihre Plattform bitte kurz vorstellen?

Thomas Matzke: Die microseeds24 UG (www.microseeds24.com, www.microseeds24.de) ist eine Tochtergesellschaft der profito consulting (www.profito-consulting.de), einer international tätigen Beratungsgesellschaft.

microseeds24 ist seit 01.11.2013 operativ mit einem ersten Online-Angebot tätig und bietet aktuell drei innovative Startup-Unternehmen (Beteiligung an microseeds24 selbst, Happy Time GmbH sowie Deichkater UG / Projekt FANBUSSE) im Crowdfinancing (Crowdinvesting, d.h. Unternehmensbeteiligung) sowie alternativ in der Privatplatzierung an. Das Leistungsangebot des Unternehmens umfasst sowohl das Crowdfunding (Projektfinanzierung) als auch das Crowdinvesting (Beteiligungsangebote) für Startups und Wachstumsunternehmen. Zusätzlich gibt es eine Reihe weiterer Dienstleistungen, etwa die Direktplatzierung von Beteiligungen über Private Equity-Investoren (Direkt-Beteiligung) oder vielseitige Angebote von Netzwerk-Partnern.

Als langjährig erfolgreicher Unternehmer mit fundiertem Finanz- und Kapitalmarkt-Background, international tätiger Berater und selbst auch (Startup-)Investor bin ich sicherlich kein typischer (Neu-)Gründer, der etwa als Student oder Absolvent der Hochschule erstmalig eine webbasierte Plattform erstellt und sich damit in den Crowdfinancing-Bereich bewegt. Ich besitze langjährige Erfahrungen u.a. im Banking-, Brokerage- und Beteiligungsgeschäft, seit den 1990er-Jahren und habe etwa die Phase des Direkt-Brokerage über Direktbanken (BANK24 AG als Tochtergesellschaft des Deutsche Bank AG-Konzern) sowie des Neuen Marktes als erstem deutschen Börsensegment im (Wagniskapital-)Venture-Markt aktiv miterlebt und selbst auch mitgestaltet.

Die Neugründung von microseeds24 ist aus meiner Sicht eine logische Konsequenz aus den aktuellen Marktentwicklungen – einerseits hinsichtlich der Tendenzen im (internationalen) Consulting-Business sowie andererseits aufgrund der sich in Deutschland dramatisch verschlechternden Finanzierungssituation von Existenzgründern / Startups, über klassische Geschäftsbanken bzw. traditionelle Finanzintermediäre erforderliche Mittel für die Realisierung innovativer Geschäftsmodelle bzw. die Umsetzung von Wachstums- oder Erweiterungsvorhaben einzuwerben. Ein aus meiner Sicht unhaltbarer Zustand, der sich negativ auf die sog. deutsche Real-Wirtschaft auswirkt und den selbst der Chef-Volkswirt der KfW Bankengruppe deutlich beklagt (KfW-Pressemitteilung vom 30.09.2013).

Klaus-Martin Meyer: International sprießen die CF-Plattformen förmlich aus dem Boden. Im Crowd-Lending Segment erreichen Firmen wie Lending Club bereits Milliardenbewertungen, ohne dass die Banken als Investoren auftreten. Warum tun sich die Banken mit der disruptiven Innovation Crowdfunding aus Ihrer Sicht so schwer?

Thomas Matzke: Die aktuellen internationalen Marktentwicklungen rund um das Crowdfunding in seinen vielseitigen Facetten ist durchaus typisch für die – teilweise undifferenzierte – Entwicklung eines neuen, dynamisch wachsenden Marktsegmentes, von dem man sich künftig als Unternehmer oder Investor profitable Ergebnisse (überdurchschnittliche Renditen) erwartet. Viele gut gemeinte und selbst auch (technisch) gut gemachte Ansätze werden wohl im Zeitverlauf wieder aus dem Markt ausscheiden müssen. Der entscheidende Punkt dabei ist aus meiner Sicht die Sicherstellung einer langfristigen Qualität der Startups (Crowdinvesting) bzw. Attraktivität der Projekte (Crowdfunding) und nicht die kurzfristig erfolgreiche Social Media- oder Online-Vermarktung bzw. eine reine Bereitstellung einer State-of-the-art-Technologie. Außerdem ist aus meiner Sicht ein ausschließliches Provisionsmodell für eine Plattform nicht langfristig wirtschaftlich tragfähig.

Die aktuellen Bewertungen sind sicherlich der großen Phantasie der Investoren geschuldet, die teilweise selbst als Private Equity-Investoren oder Venture Capital-Gesellschaften in manchen Startups zu hohen Preisen investiert sind und schon in Richtung des eigenen Exits – z.B. durch ein IPO – planen. Die hohen Erwartungen werden in Deutschland aus meiner Sicht schon sehr bald einer marktkonformen und damit deutlich niedrigeren Bewertung weichen.

Für Banken besteht nach meiner Einschätzung einerseits – zumindest derzeit noch – ein gewisses Kannibalisierungsproblem, d.h., man hat offensichtlich kein Interesse, eine Konkurrenz zu kapitalisieren, die in einem eigenen Geschäftsfeld möglicherweise als langfristiger Konkurrent auftritt (das Crowdinvesting zielt perspektivisch sowohl auf das Kreditgeschäft der Banken mit kleinen und mittleren Unternehmen als auch auf Teile des Corporate Finance-Geschäfts). Zudem erlebe ich in persönlichen Gesprächen, dass man die jeweiligen Ansätze und die bereits realisierten Erfolge des Marktsegmentes seit 2011 eher noch milde belächelt und noch nicht wirklich ernst nimmt – eine Haltung, die sich im Zeitverlauf möglicherweise als fatale Fehleinschätzung herausstellen könnte.

Andererseits ist der klassische Seed-Bereich für Banken in der aktuellen Verfassung der Finanzmärkte sowie der Institute selbst aufgrund der Risikostrukturen nicht sehr interessant – man bevorzugt derzeit überwiegend ein risikoarmes Geschäft wie etwa die Vergabe teurer Dispositionskredite an Privatkunden.

Schließlich dürfte auch die aktuelle Bewertung der angebotenen Startups sowie die Qualität und Nachhaltigkeit der jeweiligen Geschäftsmodelle aus Bankensicht in Verbindung mit den handelnden Personen der jeweiligen Unternehmen nach meiner Einschätzung möglicherweise ein Investment der Banken derzeit (noch) ausschließen oder zumindest erschweren.

Klaus-Martin Meyer: In Deutschland gibt es bereits eine große Zahl an CF-Plattformen. Womit werden Sie diesen Markt bereichern?

Thomas Matzke: Mein persönlicher Fokus liegt in erster Linie auf den jeweiligen Kunden sowie deren konkreter Bedarfssituation und nicht so sehr auf dem Marktsegment. Das bedeutet, dass microseeds24 sich primär als Problemlöser der Startups und Wachstumsunternehmen im Umfeld der alternativen Kapitalbeschaffung (Crowdinvesting) bzw. Projektfinanzierung (Crowdfunding) über das Medium Internet (Plattform-Nutzung) versteht und weniger als reine Online-Platzierungsplattform in einem bestimmten Marktsegment.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Anbietern aus meiner Sicht ist zudem die nicht ausschließliche Fokussierung auf Startups (Seed-Phase), sondern perspektivisch die zusätzliche Einbindung von Wachstumsunternehmen sowie das optionale und individuell unterschiedliche Angebot zusätzlicher Services und Dienstleistungen rund um das jeweilige Unternehmen über die verschiedenen Netzwerk-Partner.

Außerdem werden bei microseeds24 grundsätzlich keine Geschäftsmodelle in das Crowdinvesting aufgenommen, die lediglich und ersichtlich einen kurzfristigen Marketing-Hype auslösen, sondern der Fokus der Vorab-Prüfung durch unsere Netzwerk-Partner vor Bereitstellung des Nutzungsangebotes bei microseeds24 liegt eindeutig in der Prüfung einer Langfristigkeit, Nachhaltigkeit, Tragfähigkeit und Solidität des jeweiligen Unternehmens. Da dies möglicherweise nicht alle Marktteilnehmer so sehen, steht dem Marktsegment ggf. eine gewisse Belastungsprobe – vergleichbar dem damaligen Neuen Markt – noch bevor.

Somit ist microseeds24 im Unterschied zu anderen Geschäftsmodellen auch nicht dazu verdammt, als reine Plattform im Zeitverlauf immer höhere Provisionserlöse mit immer mehr Unternehmen und ständig höheren Beteiligungssummen zu generieren, sondern entscheidend ist das vielseitige Angebot einer Möglichkeit für Unternehmen über Dritte, eine nachhaltige und erfolgreiche Alternativfinanzierung zu generieren. Die jeweiligen Zusatzangebote der microseeds24-Netzwerk-Partner sorgen somit bereits zum Start des Unternehmens für entsprechende (zusätzlich zur reinen Platzierungsprovision anfallende) Umsatzerlöse – dabei steht aber Qualität immer vor Quantität.

Weitere – künftige USPs – liegen insbesondere in der Sicherstellung eines attraktiven Deal-Flows für die microseeds24-Mitglieder über die Netzwerk-Partner, im Bereich der beabsichtigten Internationalisierung über microseeds24.com sowie die vorgesehene Etablierung einer Tauschbörse fuer Seed- und Unternehmens-Beteiligungen.

Klaus-Martin Meyer: Es gibt nicht so viele Gelegenheiten in Crowdfunding-Plattformen zu investieren. Was macht ein Investment in microseeds24.de besonders interessant?

Thomas Matzke: Aus den voran beschriebenen Fokussierungen, Geschäftstätigkeiten und USPs von microseeds24 ist eine private Anleger- bzw. Investoren-Beteiligung dann besonders interessant, wenn sich der jeweilige Investor an einem vielseitigen Geschäftsmodell in einem dynamisch wachsenden Marktsegment und attraktiven Rendite-Chancen nachhaltig engagieren möchte. Die Ausrichtung des Unternehmens zielt dabei tendenziell auf die langjährig erfahrenen, überwiegend vermögenden und risikobewussten Privatanleger sowie klassische Private Equity-Investoren oder Business Angels und weniger auf den am Markt oft agierenden, typischen 5-Euro-Klein-Investor (Mindestbeteiligungsbetrag microseeds24 UG: 500 Euro) ab.
Dies soll nicht etwa diskriminierend verstanden werden, sondern ist alleine dem Umstand geschuldet, dass microseeds24 sich als Unternehmen über das vorhandenen Finanz-Know How innerhalb der Unternehmenszielgruppen in einer entsprechenden Anleger-/Investorengruppe sieht und sich zielgruppenspezifisch als Qualitäts-Anbieter definiert.
Kurz vor Ablauf der Funding-Phase am 20.12.2013 deutet alles darauf hin, dass dieser Ansatz auch vom Markt entsprechend gesehen, bewertet und nachgefragt wird.

Für alle anderen Unternehmen, die den Crowdfinancing-Service von microseeds24 derzeit nutzen, besteht im Übrigen auch für andere Anleger-Gruppen bereits ab 50 Euro Mindestanlagebetrag eine attraktive und chancenreiche Beteiligungsmöglichkeit.

Klaus-Martin Meyer: Das Jahr 2013 ist fast vorbei. Was können wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?

Thomas Matzke: Zunächst bin ich erleichtert, dass es mir nach langer Vorbereitungszeit seit 2012 in 2013 persönlich gelungen ist, vor dem Hintergrund meiner vielseitigen unternehmerischen Aktivitäten microseeds24 als eigenständiges Angebot in einer ersten Stufe zu realisieren und hoffe, bis zum Jahresende die ersten drei Startups erfolgreich über das Crowdinvesting-Angebot im Markt zu positionieren.

Für 2014 stehen bereits weitere interessante und attraktive Unternehmen bei microseeds24 in den Startlöchern, darunter auch eine Reihe von mittelständischen Wachstumsunternehmen mit überzeugenden Expansionsvorhaben. Ich wünsche mir zudem natürlich auch für 2014, dass sich innovative Startups und attraktive Wachstumsunternehmen weiterhin bei microseeds24 registrieren und unser vielseitiges Angebot aktiv nutzen wollen.

microseeds24 wird in 2014 entsprechend der aktuellen Geschäftsplanung nach erfolgreichem eigenem Crowfinancing in Höhe von mindestens 50.000 Euro zunächst den eigenen Internet-Auftritt in Deutschland technisch optimieren und sich dann der Steigerung des eigenen inländischen Bekanntheitsgrades widmen (z.B. stärkere Medienpräsenz, weiterer Aufbau der Mitglieder-Basis etc.). Zudem sind erste Schritte zum weiteren qualitativen Ausbau des Partner-Netzwerkes sowie in Richtung Internationalisierung vorgesehen.

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