Änderungen über die Crowdfunding-Plattformen nachdenken sollten … (Klappe, die dritte)

Kommentar

Bisher schaffen es aus meiner Sicht eigentlich alle Crowdfunding-Plattformen nicht, so etwas wie eine soziale Community aufzubauen. Einzige Ausnahme, die man nennen muss, ist Kiva. Dort können sich Gruppen organisieren und – noch wichtiger – das findet auch in erheblichen Umfang statt. Es gibt eine große Auswahl an thematischen oder lokalen Gruppen so genannten “Lending Teams“, die sich zusammenfinden und Pitches bewerben oder auch diskutieren, wie man kiva.org selber weiter nach vorne bringt. Stand heute gibt es 27.259 (!!!) Lending Groups von denen die größte über 27.000 Mitglieder hat und den Namen “Atheists, Agnostics, Skeptics, Freethinkers, Secular Humanists and the Non-Religious“ trägt.

Crowdfunding-Plattformen sollten wie kiva werden!

Den equity based Plattformen gelingt so etwas aus meiner Sicht bisher ganz und gar nicht (sollte es Ausnahmen von der Regel geben, freue ich mich über Hinweise!). Zwar wird überall so etwas geboten wie ein Newsfeed, der auch Kommentare erlaubt. Die Nutzung ist aber mehr als peinlich. Auf Crowdcube gibt es Startups, bei denen existiert im Newsfeed nichts als ein Dankesposting für das erfolgreiche Funding. Auch wenn die Startups regelmäßige Newsletter schicken, es ist zweifelsohne zielführender, wenn die Crowd die Möglichkeit hat zu kommentieren und sich gegebenenfalls über so ein Board zusammenfindet, um das Startup zu unterstützen. Die aggregierte Kreativität wird weitere Anstöße geben. Ein gut gemeinter Ansatz sollte die Innovationsbox bei Compansito sein. Die Nutzung ist – so weit die Crowdstreet-Redaktion das einsehen kann – eine Enttäuschung.

Ein Investment in ein Startup dürfte aber allen Beteiligten sehr viel mehr Spaß machen, wenn man sich auf einer Plattform wie Companisto als User auch deshalb einfindet, um zu sehen, wie andere dem Startup helfen und wie man sich ggf. selber einbringen kann, um im Kollektiv neue Ärzte für Doxter zu finden, neue Anwender und Anwendungen für ePortrait zu erschließen oder die Userbase von tame zu erweitern. In der beschriebenen Form findet das alles nicht statt.

Langfristig muss Crowdfunding besser sein als alternative Investmentformen

In den zahlreichen Interviews wurde von den Startups immer wieder artikuliert, dass man sich durch das Funding auch positive Werbeeffekte erhofft und neue, nützliche Kontakte. Dieser Effekt wird aus meiner Sicht aber bisher überschätzt, auch wenn es durchaus Startups gibt, die ein Folgefunding umsetzen und das vorangegangene Engagement der Crowd loben. Dennoch werden diese Effekte im Zeitablauf und bei einem immer größer werdenden Portfolio in Bezug auf das einzelne Startup erlahmen. Deshalb müssen sich die Plattformen zur Decke strecken und sich überleben, wie diese Nebenziele von Crowdfundings erfolgreich stimuliert werden können. Fabian Westerheider hat im Oktober in einem ausführlichen Blogbeitrag darauf verwiesen, dass ein Crowdfunding durchaus mit Kosten verbunden ist. Diese müssen durch die Plattformen und die Crowd gerechtfertigt werden.

Eine Community kann sicher auch das Crowdfunding an sich nach vorne bringen

Mit einer aktiven Community wird es sehr viel leichter werden, die genannten Nebenziele zu erreichen. Wenn eine Plattform “social” wird, steigert das die Bindung der Investoren zu ihrem Marktplatz. Und wenn mehr Leute offensichtlich ihr Startup nach Kräften unterstützen und dies auch für alle transparent wird, dann motiviert das stärker mitzumachen. Hat diese Hilfe anschließend auch positive Effekte, dann wird dies in der Folge auch zu weiteren Investments führen und die Liquidität erhöhen.

Ich bin sehr gespannt, was die Plattformen in der Zukunft tun, um “social” zu werden. Ich empfehle wie oben erwähnt, sich einmal kiva.org anzusehen und im kommenden Jahr auch Crowd-Racing im UK wegen des emotionalen Investmentthemas Reitsport.

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2 Responses to Änderungen über die Crowdfunding-Plattformen nachdenken sollten … (Klappe, die dritte)

  1. Hallo Klaus-Martin,

    spannender Beitrag. Ich gebe Dir Recht, daß dies ein sehr interessanter Aspekt ist. Ich glaube neben den technischen Herausforderungen ist es in Deutschland auch ein „Mentalitätsproblem“. Der Lending-Bereich kam bisher nicht richtig in Fahrt, weil es immer noch tabuisiert ist sich „offen“ Geld zu verleihen.

    Viele Businessangels sind auch eher intransparent, man versucht seine Targets und seine Portfoliostrategie möglichst geheim zu halten. Das gilt auch für die „kleinen“ Angels auf den Crowdplattformen.

    Auch haben wir -in Bezug auf Communitys- hierzulande oft die Sorge, das es zu Shitstorms etc. kommt. Unser www-Diskussionskultur ist leider nicht so konstruktiv, wie das in den Kiva-Gruppen der Fall ist.

    Ein weiterer Punkt ist die recht umfangreiche Forenhaftung und unsere Regulierungsthemen, ich glaube es ist kritisch im Lending – Bereich sich gegenseitig offen zum Geld verleihen aufzufordern bzw. in Gruppen zu agieren, das verstößt imho gegen das KWG.

    Auf alle Fälle ein sehr spannendes Thema, insbesondere unter regulatorischer Sicht.

    Liebe Grüße
    Torsten

  2. klausmartin sagt:

    Hi Torsten, ich denke, dass man die genannten Probleme gelöst bekommt. Es spricht nichts dagegen mit „Alias-Profilen“ zu arbeiten. Natürlich können und sollen die Foren auf die Investoren beschränkt bleiben. Wenn man sich dann verabredet als Crowd aktiv werblich tätig zu werden, um z.B. eine Kunden zu gewinnen oder Blogger für PR und SEO anszusprechen, sollten man das hinbekommen, ohne Angst vor Forenhaftung zu bekommen. Mir ist eigentlich die Zeit nach dem Funding wichtiger als dass man zum Investieren aufruft. Letztendlich wäre es natürlich auch aus Sicht der Startups sinning, wenn diese sich mehr ins Zeug legen würden, solche Prozesse zu stimulieren. grusz klm