Interview mit Herr Prof. Dr. Ralf Beck zur zweiten Auflage von “Crowdinvesting – Die Investition der Vielen“

Klaus-Martin Meyer: Herr Prof. Dr. Beck, Sie haben gerade die zweite, überarbeitete Auflage Ihres Buches “Crowdinvesting – Die Investition der Vielen“ vorgelegt. Was hat sich seit Dezember 2012 getan, dass bereits jetzt eine zweite Auflage notwendig geworden ist?

Prof. Ralf Beck: Es ist schon ziemlich fahrlässig von mir, die 2. Auflage erst jetzt erscheinen zu lassen. Neue Erkenntnisse und erhebliche Veränderungen im Markt geboten eine Überarbeitung geradezu. Die neue Auflage ist 52 Seiten länger und er gibt kaum eine Seite aus der Erstauflage, die unverändert blieb. Zunächst: Das Umschwenken einiger Plattformen in Richtung auf partiarische Nachrangdarlehen, die ein Überspringen der 100.000-Euro-Hürde im Hinblick auf das Gesamtfinanzierungsvolumen je Projekt ermöglichen, war einschneidend. In 2013 gab es u.a. deshalb eine Reihe richtig großer Fundings. Auch die bislang immer noch äußerst geringe Versagensquote ist erklärungsbedürftig. Mich freut es sehr, dass die Schwarzmaler offensichtlich weit daneben liegen. Ich hatte seinerzeit schon prognostiziert, dass die Risiken des Crowdinvestings keinesfalls so hoch sein werden, wie mancher dies verkündete, lag mit meiner Einschätzung aber immer noch zu pessimistisch. Zwar bleibt uns bislang nur, in die Glaskugel zu schauen, wenn wir etwas über die Ausfallquote wissen möchte, aber es sieht ziemlich gut aus derzeit, denn der Ausfall liegt bei unter 1%. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die wenigsten der Startups genug Zeit hatten, um endgültig zu versagen. Denn: Noch keines der über ein Crowdinvesting finanzierten Unternehmen ist am Ende des Fundingzeitraumes angelangt, an dem die Mikroinvestoren erstmals aussteigen können.

Klaus-Martin Meyer: Wie lange müssen wir uns aus Ihrer Sicht noch gedulden, bis wir die ersten Exits von Crowd-finanzierten Startups erleben werden?

Prof. Ralf Beck: Am 31.12.2014 enden die ersten Mindestlaufzeiten, wovon meines Wissens aber nur 3 Projekte betroffen sind. Ein Jahr später werden sich erste halbwegs repräsentative Aussagen treffen lassen, denn Ende 2015 wird es bereits deutlich mehr Exits geben. Wir müssen uns also noch gedulden, um mehr über die realen Ausfallrisiken zu erfahren.

Klaus-Martin Meyer: Wie beurteilen Sie die bisher durchaus überschaubare Anzahl von Pleiten?

Prof. Ralf Beck: Die Crowdinvesting-Plattformen sind bisher äußerst vorsichtig hinsichtlich der Auswahl der Unternehmen, die auf die Plattform gesetzt werden. Man ist ganz offensichtlich sehr auf den eigenen Ruf bedacht und stellt kurzfristige Gewinninteressen hinten an. Eine sehr besonnenes Vorgehen! Gut, es ist garantiert schon das eine oder andere Projekt im Umlauf, das keine Zukunft hat. Aber ich denke, die Crowdinvestoren haben ohnehin nicht damit gerechnet, dass alle Projekte glatt durchlaufen werden. Ich habe intensiv über die Risikolage nachgedacht und nach Argumenten gesucht, die für und die gegen ein Scheitern von Projekten sprechen. Die positiven Argumente überwiegen. Ich selbst stecke in 6 Crowdinvesting-Projekten und gehe statistisch davon aus, dass eines davon zugrunde geht. Mit anderen Worten: Ich sehe die Ausfallquote in einer Größenordnung von 15% oder leicht darüber.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss würde mich interessieren, wie Sie Entwicklung in den USA beurteilen?

Prof. Ralf Beck: Vermutlich ab Mitte 2014 wird das Crowdinvesting oder Equity Crowdfunding in den USA nicht nur für „Millionäre“ sondern auch für den Normalverbraucher zugänglich sein, nachdem dann endlich die dafür erforderliche gesetzliche Grundlage in Kraft getreten sein wird. Anschließend wird man in den USA innerhalb kürzester Zeit vom Volumen her an uns vorbeiziehen. Davon gehe ich zumindest aus. Inzwischen gibt es schon mehr als 20 Plattformen in den USA, die ein Crowdinvesting anzubieten gedenken. Die US-Amerikaner sind unvorsichtiger als wir oder wie auch immer man das schnelle Aufgreifen neuer Entwicklungen nennen mag. Na ja, bei Geldanlagen verhalten wir uns hier in Deutschland breitflächig sehr konservativ. Ich selbst habe die (übermäßige) Vorsicht angesichts der lausigen Zinsen für sichere Geldanlagen inzwischen aufgegeben, wobei ich die Risiken bei etwas riskanteren Anlageformen jedoch mehr und mehr streue. An dieser Stelle muss ich allerdings noch mehr tun, denn sechs Crowdinvestings sind zu wenig für eine vernünftige Risikostreuung. Neben dem Crowdinvesting setze ich inzwischen auch in größerer Zahl auf Crowdlendings, also auf die Speisung von Krediten als Investor. Das geht in Richtung von Peer-to-Peer-Krediten, wie sie beispielsweise die Plattform auxmoney vermittelt. Die Risiken sind dabei sicherlich spürbar geringer als beim Crowdinvesting, allerdings auch die Gewinnchancen. Das Crowdinvesting belässt uns die Hoffnung auf den einen richtig großen Durchbruch. Über rechtliche Knebelungen, wie bisher in den USA, lassen sich die Risiken zwar fast ausschalten, es gibt aber im Gegenzug dann auch keine wirklichen Chancen mehr. Genau diese Problematik hat man in den USA inzwischen erkannt und nach langem Zögern steht nun die Bereinigung dieser misslichen Situation bevor. Bei uns gibt es bisher kein vergleichbares rechtliches Korsett für das Crowdinvesting, wenngleich die Schaffung eines solchen – in Unkenntnis der Gesamtzusammenhänge – durchaus im Hintergrund diskutiert wird. Es könnte also schlechter werden, für (fast) alle Beteiligten. Momentan läuft aber alles glatt. Über das Crowdinvesting gelingt es hier fast störungsfrei, zusätzliche Startups zu finanzieren und die Investoren an deren Erfolg teilhaben zu lassen.

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