„Insgesamt ist es einem deutschen High-Tech Start-up nur zu empfehlen, sich auf vielfältigster Weise zu finanzieren.“ – Interview mit Dr. Olaf Schröder zum Crowdfunding von Neuroproof

neuroproof

Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Schröder, Sie sind Direktor bei der Firma Neuroproof. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Olaf Schröder: Neuroproof ist das weltweit führende Unternehmen in der elektrophysiologischen Aufklärung der Funktionen des zentralen Nervensystems, also Gehirn und Rückenmark. Dieses Know-How ist essentiell, um neue Medikamente u.a. gegen Alzheimer, Epilepsie, Depressionen, Schmerz zu entwickeln.
Wir betreiben das sogenannte phenotypische Screening von Arzneimittelkandidaten für bekannte Pharmaunternehmen. Wir können mit Hilfe unserer Technologie bereits in der so g. Präklinik, bevor die Substanzen an Menschen erprobt werden, die unerwünschten Eigenschaften aber auch die besondere Wirksamkeit dieser Substanzen sehr gut vorhersagen.
Zusammen mit Frau Dr. Alexandra Voss leite ich das Unternehmen, welches wir gemeinsam 2007 gründeten. Vom Hause aus bin ich Mathematiker, was unserer Technologie sehr geholfen hat, da wir enorme Daten mit eigenen Algorithmen auswerten. Alexandra und unser Mitgründer Prof. Dieter Weiss brachten die zellbiologische Expertise mit in das Unternehmen ein: wie man lebende Neuronen und spezifische Geweben, sogar humane Stammzellen auf einem Chip entwickelt. Dies ist ein weiterer Grund für unseren Wettbewerbsvorsprung.

Klaus-Martin Meyer: Können Sie etwas dazu sagen, wie das Umfeld zur Finanzierung von Forschungsfirmen im Allgemeinen aussieht? Welche Möglichkeiten gibt es da grundsätzlich?

Olaf Schröder: Leider ist es weiterhin sehr schwierig für ein deutsches Life-Science Unternehmen ausreichend Eigenkapital zu bekommen. In Deutschland gibt es kaum private Venture Capital Investoren.
Die öffentliche Hand investiert nur, wenn auch Private investieren und schafft mit ihren Förderprogrammen damit ein zusätzliches Henne-Ei-Problem. Banken bekommen derzeit riesige Mengen an Kapital von der Zentralbank geschenkt,
aber vergeben Kredite nur zu sehr hohen Zinsen an junge Unternehmen und dies auch nur wenn Umsätze vorhanden sind.
Insgesamt ist es einem deutschen High-Tech Start-up nur zu empfehlen, sich auf vielfältigster Weise zu finanzieren. Unbedingt sollte das Crowdfunding in diesem Finanzierungs-Cocktail mit einbezogen werden.

Klaus-Martin Meyer: Sie haben sich für ein Crowdfunding entschieden? Welche Argumente waren da ausschlaggebend?

Olaf Schröder: Unser Konzept war von Anfang an, verschiedene Finanzierungsformen im Unternehmen zu kombinieren. Dies ist uns mit Crowdfunding als letztem Puzzle-Teil gelungen. Die Gründer brachten das Anfangskapital zusammen mit einem Seed Capital Fonds ein. Wir haben Banken, die uns Mezzanine Kapital sowie Kredite geben, da wir bereits Umsätze erwirtschaften. Nun fehlte nur noch das Crowdfunding, welches neben den finanziellen Aspekten auch weitere Vorteile für uns bietet.
Interessant für uns ist vor allem, dass wir durch das Crowdfunding die Möglichkeit haben unser Unternehmen für eine Vielzahl von Anlegern bekannt zu machen. Sie lernen uns kennen, erhalten eine gute Rendite und leisten ihren wertvollen Beitrag, Innovationen zu ermöglichen. Das alleine ist nicht wenig.
Gleichzeitig hoffen wir, dass diese Anleger uns auf unserem Wachstumspfad lange begleiten: von der Initiierung internationaler Aktivitäten bis hin zum Börsengang haben wir viel vor.

Klaus-Martin Meyer: Nach welchen Kriterien haben Sie sich für die Crowdfunding-Plattform entschieden?

Olaf Schröder: Wir wollten eine Plattform, die Unternehmen und hier insbesondere Start-ups im Fokus hat. Es gibt nicht viele Crowdfunding-Plattformen in Deutschland mit diesem Profil. Crowdfunding wird häufiger zur Finanzierung von kleinen Projekten, wie Kurzfilmen und Kleinserien von Produkten genutzt. Dafür gibt es mehrere Anbieter.
Wir haben auch auf die Historie der erfolgreich durchgeführten Crowdinvestments geachtet. Ebenso ist uns die Unterstützung durch ein professionelles Team auf Seiten des Plattform-Anbieters wichtig. Als kleine Firma wollten wir ein Partner, der uns bei dem gesamten Handling darunter Vertragswerk, Reporting und Bekanntmachung unterstützt.
Die Deutsche Mikroinvest vereint all diese Eigenschaften und daher fühlen wir uns hier sehr gut aufgehoben.

Klaus-Martin Meyer: Warum ist ein Investment aus Ihrer Sicht für die Investoren eine gute Idee? Wie sieht es mit der Bewertung aus: Schnäppchen oder anspruchsvolles Niveau?

Olaf Schröder: Aus unserer Sicht ist diese Investition ideal für Anleger, die Deutschland zu mehr Innovationen verhelfen wollen, unabhängig von der Summe, die man investieren möchte. Mit dem Geld der Anleger wird es in unserem Fall möglich sein bessere ZNS-Medikamente zu entwickelt und gleichzeitig den Anteil von Tierexperimenten in der Entwicklungsphase drastisch zu senken. Im Grunde genommen erhalten engagierte Anleger eine gute Verzinsung und tun auch etwas Gutes dabei.
Darüber hinaus begleiten uns die Anleger auf die nächsten Etappen dieser spannenden Reise. Als nächstes möchten wir an unserem Standort weiter wachsen und vor allem unsere Laborinfrastruktur erweitern. Danach steht die Internationalisierung unserer Aktivitäten bevor, so sprechen wir bereits mit englischen und amerikanischen Partnern. Mittelfristig schließen wir auch einen Börsengang nicht aus.
An der Börse gelistete Firmen wie Organovo und Cellular Dynamics, welche im Zellbereich tätig sind, sowie Evotec, eine Firma deren Geschäftsfeld im Screening und Entwickeln von Substanzen liegt, haben bereits diesen Weg beschritten und setzen somit Maßstäbe in Punkto Bewertung. Da wollen wir auch hin.
Bei jedem dieser Schritte werden wir dafür Sorge tragen, dass unsere Anleger, welche mit uns diesen Weg gegangen sind, auch an unserem Erfolg partizipieren.

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