Welches (equity based) Crowdfunding-Modell ist für den Anleger das Optimale?

Wie hier bereits angedeutet, hält es die Crowdstreet-Redaktion für zielführend, wenn man sich in Bezug auf das Thema Crowdfunding immer zuerst den UK-Markt ansieht. Dies gilt auch für die Fragestellung, welches Crowdfunding-Modell für den Anleger das sinnvollste ist. Beim equity based Crowdfunding haben sich weltweit drei verschiedene Modelle herauskristallisiert, welche allesamt auf dem britischen Markt vertreten sind.

Das klassische Modell

crowdcube

Der Pionier in Sachen Crowdfunding nämlich Crowdcube ist sicherlich der Vertreter der “reinen” Lehre. Hier kann die Crowd direkt und mit kleinem Einsatz in Startups investieren. Crowdcube ist lediglich der Marktplatz auf dem Angebot und Nachfrage zusammengebracht werden. Kritisch ist zu sehen, dass Anleger, die mit kleinen Summen in den Markt gehen, in der Regel nur mit B-Aktien abgespeist werden, während bei größeren Summen A-Aktien ausgegeben werden mit vollen Stimmrechten. In Deutschland wird das klassische Modell z.B. bei Seedmatch umgesetzt.

Das Pooling Modell

SeedrsDie Plattform Seedrs setzt im Gegensatz zu Crowdcube auf das Pooling der Anteile. Seedrs stellt dabei sicher, dass alle Crowdinvestoren “voting shares” – also Aktien mit vollem Stimmerecht – erhalten. Die Stimmrechte werden allerdings von Seedrs, dem Nominee, ausgeübt. Dies wird als Vorteil im Hinblick auf Venture Capital Verträglichkeit der Seedrs-Beteiligung verkauft. Interessanter Weise wird im Wikipedia-Beitrag zu Seedrs auf die Probleme des über Seedmatch finanzierten Startups Smarchive verwiesen, wo es aufgrund der nicht vorhandenen Nominee-Strukturierung der Beteiligung zu Problemen bei der VC-Finanzierung gekommen sei. Das Nominee-Modell ermöglicht Seedrs übrigens, dass die Plattform bei einem Exit auch bei den Investoren noch mal eine Prämie abkassieren kann. Das aggregierte Gebührenniveau (für Startup und Investoren) ist bei Seedrs also höher als beim klassischen Modell. Dem kann entgegen gehalten werden, dass die Plattform mehr Anreiz hat, bei der Platzierung eines Crowdfundings auf eine faire Bewertung zu drängen, weil man zwei mal die Möglichkeit hat, die Hand aufzuhalten.
Ein Pooling-Ansatz wird auf dem deutschen Markt von Companisto verfolgt.

Das Hybrid-Modell

Syndicate RoomAuf Syndicate Room hat die Crowd die Möglichkeit, gemeinsam mit professionellen Investoren und Business Angels in Startups zu investieren. Hierbei verhandeln die Profis die Konditionen hinsichtlich der Bewertung mit den Startups aus und die Crowd kann zu gleichen Bedingungen investieren. In der Tendenz sollen die Bewertungen auch bei diesem Modell niedriger sein als beim klassischen Ansatz. Die Crowdinvestoren können bei Syndicate Room allerdings erst ab einer Summe von 500 GBP einsteigen und nicht schon ab 10 GBP wie bei der Mehrheit der Pitches auf Crowdcube oder Seedrs. Der Redaktion ist in Deutschland keine Plattform bekannt, die ein solches Hybrid-Modell umsetzt. Bei unseren Nachbarn in Belgien wird ein Hybrid-Modell von der Plattform MyMicroInvest erfolgreich umgesetzt.

Ganz sicher haben alle drei Modelle ihre Vorzüge. In Bezug auf die Bewertung von Startups sollten die Investoren beim Pooling- und beim Hybrid-Modell besser fahren, während Startups möglicherweise den Anreiz haben im Hinblick auf dieses Kriterium auf Plattformen zu pitchen, die nach dem klassischen Ansatz verfahren. Es spricht einiges dafür, dass die Liquidität beim Hybrid-Modell am größten ist und insbesondere große Finanzierungen schneller bereitgestellt werden, wenn neben der Crowd auch noch Profiinvestoren mit an Bord sind. Es würde die deutsche Crowdfunding-Szene ganz sicher bereichern, sofern auch eine hiesige Plattform ein Hybrid-Modell umsetzen würde. Da Innovestment mit Chocri erstmals vom klassischen Crowdfunding-Modell abgerückt ist und einem “Business Angel Club” zum Engagement einlädt, ist es denkbar, dass bei der Berliner Plattform am ehesten die Phantasie da ist, in Richtung eines Hybrid-Modells zu denken. Grundsätzlich könnte natürlich jede Plattform einen solchen Ansatz – auch Fallweise – umsetzen. Es muss ja nicht zwingend einen deutschen “Syndicate Room” geben. Wenn die Regulierung in den USA eines Tages soweit ist, dürfte AngelList sicher sofort die bekannteste und erfolgreichste Syndicate Room-Entsprechung sein.

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