„Auch wenn wir nicht zu den ersten Crowdinvesting Anbietern gehören, sind wir dennoch keine Kopie.“ – Interview mit Jörn Kunst (Welcome Investment)

Welcome Investment

Klaus-Martin Meyer: Herr Kunst, mit Welcome Investment wollen Sie eine neue Crowdfunding-Plattform auf die Schiene stellen. Was machen Sie anders und warum wird Ihre Plattform das Angebot bereichern?

Jörn Kunst: Aktuell sehe ich drei Richtungen, die für mich als Unternehmensgründer bei anderen Crowdinvesting Plattformen falsch laufen.

1) Viele sehr gute Startups fallen derzeit noch durch das Auswahlverfahren der Crowdinvesting-Plattformen. Es entscheiden nur 1-2 Personen darüber, ob ein Konzept „gut genug“ für ein Crowdinvesting ist. Wir machen das nicht, sondern lassen die Menschen entscheiden, die später auch das Portemonnaie öffnen sollen. Wir möchten nicht der Julius Cäsar sein, der im oder gegen das Startup stimmt. Daher sagen wir „Crowdinvesting für alle Startups“.

2) Es scheint ein Trend zu sein, immer das max. Mögliche an Kapital abzuschöpfen. Schaut natürlich gut aus, wenn 300-500% des eigentlichen Kapitalbedarfes mehr eingenommen werden. Aber macht es wirklich Sinn? Wir denken nicht. Oft macht mehr Geld ein Startup auch nicht erfolgreicher, bringt nur mehr enttäuschte Investoren zutage. Bei uns muss ein Startup genau definieren, wie hoch der Kapitalbedarf ist (Kapitalbedarf zw. 5.000€ – 2Mio. € sind möglich). Das sind dann 100% und die müssen erreicht werden. Wird weiteres Kapital benötigt, kann zeitnah eine weitere Kapitalrunde über uns stattfinden. Diese dann ohne Voting-Phase, zu einer besseren Unternehmensbewertung, zu noch günstigeren Provisionskonditionen und mit der direkten Einbeziehung der Altgesellschafter.

3) Bei uns sind Investments ab 1€ möglich. Konsequenter geht es nicht. Nur so kann man möglichst viele Menschen für das Thema Crowdinvesting begeistern.

Klaus-Martin Meyer: Es gibt eine aktuell wenige erfolgreiche Plattformen und sehr viel mehr kleine Marktplätze, wo man den Eindruck hat, diese haben keine nachhaltige Reichweite, um mittelfristig zu überleben. Gleichzeitig kommen ausländische Plattformen auf den deutschen Markt. Mit Hilfe welcher Resourcen wollen Sie sich „einen Platz an der Sonne“ erobern?

Jörn Kunst: Auch wenn wir nicht zu den ersten Crowdinvesting Anbietern gehören, sind wir dennoch keine Kopie. Unsere Sichtweise ist immer die der Gründer und ich denke, das ist eine unserer Stärken. Immer im Sinne unserer Hauptkunden, der Startups, zu handeln, ist die wichtigste Basis. Hinzu kommt aber noch eine solide Kapitaldecke, ein gutes Team, sehr viel Herzblut für die Sache, weitreichende und solide Pläne. Der eigentliche Markt liegt nicht hier in Deutschland, es ist der internationale Markt. Und da ist extrem viel Potential enthalten. Die Sonne scheint ja auch nicht nur auf Deutschland, sondern auf die ganze Welt, um auf Ihre Frage zurück zu kommen.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell haben wir die erste kleine Häufung von Crowdfunding-Problemfällen (aufgrund von Zuschriften, die ich bekomme, sind weitere zu befürchten). Wie günstig oder ungünstig beurteilen Sie die Großwetterlage beim Crowdfunding in Bezug auf den Start von Welcome Investment.

Jörn Kunst: Was macht das Crowdinvesting so interessant für die Startups und Gesellschaft? Es werden viel mehr spannende Konzepte finanziert als vorher! Durch das Kapital konnte überhaupt getestet werden, ob das Unternehmen so funktioniert wie geplant. Und dabei ist es normal, dass es viele schaffen (die vielleicht ohne Crowdinvesting gar nicht da wären) und dass es einige nicht schaffen. Ich glaube, dass wir mit Welcome Investment vielen Gründern eine Chance für das Business geben werden. Crowdinvesting wird generell die Investitionskultur immer mehr beeinflussen. Eine dunkle Wolke für das Crowdinvesting sehe ich persönlich nicht, auch wenn die durch einige gerne gesehen wird.

Klaus-Martin Meyer: Welche Startup-Zielgruppen sehen Sie vor allem auf Ihrer neuen Plattform, die bei den bisherigen Akteuren noch nicht bedient wurden?

Jörn Kunst: Ich sehe bei uns alle Startups, die sich nicht durch einen Bewerbungs-und Auswahlprozess bevormunden lassen wollen und die ein kostengünstiges Crowdinvesting durchführen möchten. Rechtlich sind wir auf dem gleichen Stand wie die anderen Crowdinvesting Anbieter, konzeptionell den Startups jedoch viel näher. Ich sehe hier also keinen Unterschied bei den Startups. Im Gegenteil, bei uns bekommen auch die Startups eine Chance, die generell nicht in die Zielgruppe der anderen Anbieter passen, egal wie qualitativ das Businesskonzept ist..

Klaus-Martin Meyer: Zum Schluss interessiert die Leser sicher noch ein kleiner Ausblick. Wo steht Welcome Investment am Ende des Jahres?

Jörn Kunst: Unsere Planung sieht vor, dass wir erst einmal funktionieren und bis zum Ende des Jahres als einer der wichtigen Player wahrgenommen werden.

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