Könnte Crowdfunding helfen, das Marktversagen auf dem Domainmarkt zu überwinden?

Crowdfunding für Domains?

Die in diesem Blogposting gestellte Frage unterstellt, dass es auf dem Domainmarkt ein (zumindest scheinbares) Marktversagen gibt. Dies soll kurz belegt werden.

– Für extrem viele Domains werden Mondpreise verlangt, die das Geld vermutlich nicht wert sind. Selbst vernünftige Angebote werden abgelehnt. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass die Grenzkosten der Lagerhaltung der Domains aktuell zu vernachlässigen sind. Domainer “blockieren” zum Teil abertausende Domains. Oft werden Domains lieber gar nicht verkauft, als das “Risiko” in Kauf zu nehmen, zu günstig zu verkaufen. Es besteht die Hoffnung, dass irgendwann mit einer aus vielleicht tausenden Domains eine hinreichend große Bonanza gemacht werden kann.

– Käufer haben auf der anderen Seite die Sorge, vermeintliche Mondpreise zu bezahlen und verzichten selbst dann auf den Kauf, wenn der Preis in Wirklichkeit vertretbar ist, wenngleich er optisch oder psychologisch hoch ist.

Was ist die Konsequenz? Auf dem Domainmarkt kommt es zu suboptimalen Marktergebnissen. Die Domainer sitzen auf zu vielen Domains, die sie nicht liquidieren, auch wenn dies möglich wäre. Anstatt auf den Domains Seiten zu projektieren (was schon in zeitlicher Hinsicht unrealistisch wäre) werden diese dann meist nur geparkt – in der Regel mit allenfalls homöopathischen Erträgen. Potentielle Interessenten weichen auf suboptimale Domains aus. Für die Betreiber von Plattformen hat das den Nachteil, dass sicherlich die Mehrheit von Verhandlungsprozessen nicht zu einem Handel führt.

Die Gesamtsituation auf dem Domainmarkt ist ergo nicht optimal. Die Ausgangsfrage war, ob ein Crowdfunding etwas an dieser Situation ändern könnte.

Die Idee ist, dass ein Interessent, der eine bestimmte Domain kaufen will, diesen Kauf gegebenenfalls mit Hilfe einer Crowd realisiert. Sofern das Risiko auf eine große Anzahl von Schultern verteilt wird, steigt ggf. die Motivation höhere Preise zu zahlen. Wird darüber hinaus die Kaufpreisvorstellung eines einzelnen Interessenten durch eine Crowd validiert, dann überzeugt das möglicherweise auch den Verkäufer von einem absurden Mondpreis abzurücken. Eine Crowd wäre ggf. in der Lage zum Projektierungserfolg der Domain positiv beizutragen.

Träfen all diese Hypothesen zu, dann würde mit Hilfe von Crowdfunding-Mechanismen die Zahl an Deals auf dem Domainmarkt in der Folge steigen. Gleichzeitig stiege die Anzahl an projektierten Domains. Auf der Ebene der Marktplatzbetreiber käme es zu einem Anstieg der Transaktionen.

Wie könnte ein solcher Crowd gestützter Handel organisiert werden?

Am einfachsten wäre es vermutlich, sofern Marktplatzbetreiber wie Sedo, eine Crowdfunding-Plattform in den eigenen Marktplatz implementieren würden. Ein solcher Schachzug wäre durchaus geeignet, die Aufmerksamkeit auf die “Asset-Klasse” Domains zu verstärken und könnte auch nicht-Domainer motivieren, Geld in Domains zu investieren. Domainer könnten sich mit ihren zusätzlichen Einnahmen natürlich ihrerseits als Crowdinvestoren an aussichtsreichen Domains beteiligen. Kurz gesagt: Der Domainhandel wird liquider und die Marktergebnisse verbessert.

Zu lösende Probleme:
Wie bei anderen Crowdfunding-Plattformen wären standardisierte Vertragswerke zu erarbeiten. Die Initiatoren von Projekten müssten schlüssige Konzepte vorlegen und Anreize in Form von z.B. Pachtzinsen (?) für die Nutzung der Domain ausloben, damit die Investoren ihre Beiträge leisten. Da Domains als Assets mit Immobilien vergleichbar sind, sollten die Crowdinvestoren echte Mitinhaber der Domain werden, so dass für das Invest eine reale Sicherheit existiert, nämlich ein dem Investment entsprechender Besitzanteil an der Internetadresse. Eine solche Konstellation würde auch einen Sekundärhandel an Anteilen ermöglichen, was dem Domainmarktplatz zusätzliche Einnahmemöglichkeiten erschließen könnte. Wie man das skizzierte Szenario am intelligentesten ausgestalten könnte, sollten Domainmarktplätze mit Domainern und Rechtsexperten diskutieren, denn dieser Blogpost ist als reine Anregung und Diskussionsgrundlage gedacht. Über Kommentare würde sich die Redaktion freuen.

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