Interview mit Dr. Christian Modl zum Start von Crowdcapital.at

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Klaus-Martin Meyer: Herr Dr. Modl, Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Dr. Modl Crowdcapital GmbH. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Dr. Christian Modl: Nach meinem Studium der Betriebswirtschaftslehre bin ich 20 Jahre im Bankenbereich tätig gewesen. Schon in den 1990er Jahren habe ich mich mit alternativen Finanzierungs-formen beschäftigt, über Venture Capital habe ich auch meine Doktorarbeit geschrieben. Seit 2006 arbeite ich viel mit Start-Up bzw. Jungunternehmen zusammen, dies bei der Erstellung von Business- und Finanzplänen, bei der Suche nach externem Eigenkapital usw. – bis 2011 nebenberuflich, seither hauptberuflich.

Problem: für kleinere Beträge gibt es keinen Markt. Das Großteil der Kapitalanfragen bewegt ich im Bereich um/unter € 200′, das ist für Investoren völlig uninteressant. Als ich dann das erste Mal von Crowdinvesting gelesen habe, habe ich sofort gewusst, das ist mein Missing link, das ich so viele Jahre gesucht habe.

Klaus-Martin Meyer: Der österreichische Markt ist nicht der größte, das Crowdfunding-Phänomen noch jung und es gibt bereits aktive Player im Markt. Was ist Ihr Plan, um sich in diesem Kontext eine hinreichende Marktrelevanz zu erarbeiten?

Dr. Christian Modl: Die Zahl der Kapital suchenden Unternehmen ist unüberschaubar groß. Hier gilt es, eine Top-Qualität zu suchen, damit die Anleger rasch Vertrauen in die Plattform aufbauen können. Der Engpass ist immer der Anleger, der Mikroinvestor. Den Kapitalgeber für diese Plattform und für diese präsentierten Ideen zu begeistern – das wird die Herausforderung werden!

Daher möchte ich immer wieder aktiv in die Öffentlichkeit gehen und dieses Thema verstärkt „unter die Leute bringen“. Die Mitbewerbersituation ist hier nicht so das Thema (noch dazu, wo ich eine gewisse regionale Fokussierung habe), denn im Endeffekt wollen wir ja alle gemeinsam dieses sehr junge Thema forcieren.

Klaus-Martin Meyer: Wie ist es gelungen, die erste Firma für ein Funding auf Crowdcapital.at zu überzeugen?

Dr. Christian Modl: Wir arbeiten bereits seit der Erstellung des Businessplanes zusammen. Da hatten wir auch Zeit, über die Eckpunkte der gemeinsamen Vorgehensweise zu sprechen. Robert Hörmann hat dann mit großem Interesse die Entwicklung der Plattform verfolgt und es war dann eigentlich ein gewisses Selbstverständnis, über dieses Projekt gemeinsam in die Öffentlichkeit zu gehen. Herr Hörmann hat ja seine Gründe, warum er auf die Plattform ging, in einen eigenen Punkt auch angesprochen! Aber ich denke, das wechselseitige Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Management ist ein ganz wesentlicher Punkt.

Klaus-Martin Meyer: Beim ersten Pitch geht es um den Markt für regenerative Energie. Mir scheint, dass die Österreicher für diese Thematiken noch afiner sind als die Deutschen? Gibt es aus dieser Richtung so etwas wie einen strategischen Wettbewerbsvorteil für österreichische Player?

Dr. Christian Modl: Kann ich nicht beurteilen, ich habe mir den Markt, aber vor allem das Modell genau angeschaut, ob es wirklich für Anleger „tauglich“ ist. Sprich: ist es wahrscheinlich, dass die geplanten Ansätze bei Umsätzen und Erträgen halten? Es war kein Kriterium, zu prüfen, ob wir Österreicher hier afiner sind oder die Deutschen. Denn ich stelle ein Projekt vor, von dem ich (nach kritischer Voranalyse) hoffe, dass die geplanten Punkte eintreten. Den Rest regelt der Markt.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss noch die Frage nach der Roadmap für 2014. Was ist dieses Jahr noch zu erwarten?

Dr. Christian Modl: Da muss/möchte ich noch vage bleiben. Ich habe gewisse Vorstellung hinsichtlich der Qualität des Managements, des professionellen Umfeldes, des Marktpotenzials usw. Wie viele Firmen diese Kriterien erfüllen, kann ich noch nicht abschätzen. Natürlich gibt es laufende Gespräche mit (durchaus interessanten) Unternehmern, aber wie viele dann letztendlich diese Qualitätskriterien erfüllen und dann auf die Plattform kommen, kann ich noch nicht abschätzen. Ich bin ja auch erst kurz am Markt.
Denn ich möchte Unternehmen promoten, wo ich als Investor einsteigen würde, hätte ich die angefragten Beträge. Die Anleger gehen ja auch ein wenig ins Vertrauen, das ist mir als Ex- Banker ein ganz wichtiges Kriterium (wenn nicht das Wichtigste).

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2 Responses to Interview mit Dr. Christian Modl zum Start von Crowdcapital.at

  1. Robert Koch sagt:

    Schön, einen neuen Player in Österreich zu haben.
    Leider ist es in unserem Land im Vergleich zu Deutschland nicht nur aufgrund der geringeren Anzahl potenzieller Mikroinvestoren schwierig, Crowdinvesting zu etablieren.
    Da spielen vor allem auch die Finanzmarktaufsicht (welche sich im Vergleich zur deutschen BaFin noch nicht konkret zu ihrer Einstellung zum Thema Crowdfunding/Crowdinvesting/Peer-to-Peer-Lending in die Karten blicken hat lassen), diverse politische Parteien aber in den letzten Tagen vor allem auch die Arbeiterkammer (siehe http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140320_OTS0054/ak-2-mehr-sicherheit-fuer-konsumenten-bei-crowdfunding-plattformen ; aber klar: wir stehen kurz vor den AK-Wahlen in Österreich, da sind solche „Aufdecker-Artikel“ natürlich beliebt) eine Rolle.
    Solange wir nicht wirklich eine gesetzliche Regelung haben, die einen wohlwollenden Konsens zwischen Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer (natürlich muss Verbraucherschutz sein) und Staat (politische Parteien, Finanzmarktaufsicht) darstellt, wird Crowdfunding (als Oberbegriff) nicht in Gänge kommen…

  2. Freut mich, Christian, dass ihr jetzt online seid. Bin gespannt, wie sich eure Plattform entwickelt. Viel Erfolg!