German Crowdfunding Network zu den Vorwürfen der österreichischen Arbeiterkammern gegen das Crowdfunding

GCN

Berlin, 25. März 2014 – Wer auf eine Studie zum Verbraucherschutz im Crowdfunding wartet, braucht weiterhin Geduld. Die von den österreichischen Arbeiterkammern zu diesem Thema vorgelegte Untersuchung ist unbrauchbar. Sie offenbart eine eklatante Unkenntnis des Crowdfunding, verletzt die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens und ist nachlässig formuliert.
Schon der erste Halbsatz lässt Schlimmes ahnen: „Ziel dieser Studie war es, jeweils vier internetbasierte Crowdfunding-Plattformen in Österreich (6) zu untersuchen.“ Die Fortsetzung dieses Satzes lässt den Leser vollends ratlos zurück: „… und jeweils vier in Deutschland, Schweiz und Großbritannien (insgesamt 18 Plattformen)“.

Fehlerhafter Aufbau
Die österreichischen Arbeiterkammern haben „Crowdfunding unter dem Aspekt des Verbraucherschutzes“ analysiert. Die Studie sollte zeigen, in welchem Maße Konsumenten davor geschützt sind, ihre Geldanlagen zu verlieren. Allerdings sind in diese Untersuchung auch Plattformen einbezogen, bei denen Kreativprojekte, kulturelle oder soziale Zwecke gefördert werden, ohne für das gespendete Geld eine Rendite zu versprechen. Wer Gutes tut, geht kein Vermögensrisiko ein. Eine Spende ist keine Geldanlage.

Unwissenschaftlicher Ablauf
In den vom Autor der Studie betrachteten Ländern Österreich, Schweiz, Deutschland und Großbritannien sind 146 Crowdfunding-Plattformen online. Davon haben die Arbeiterkammern 18 unter die Lupe genommen. Für eine dem Verbraucherschutz nützende Prüfung ist der Umfang dieser Stichprobe viel zu gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konsument auf eine nicht von der Studie erfasste Plattform trifft, beträgt 8:1. Unter wissenschaftlichen Aspekten sind die Aussagen dieser Studie deshalb von vornherein wertlos.

Diffamierung von Plattform-Betreibern

Die Arbeiterkammern ziehen aus ihrer Studie folgenden Schluss:
„Es fehlen einheitliche Standards für die prägnante Risikodarstellung, die Darstellung von Kosten und Veranlagungsprodukten, die Angabe von Rücktrittsrechten und Kündigungsmodalitäten. Auch ist es nicht selbstverständlich, Geschäftsbedingungen oder Impressen samt Gewerbeberechtigungen vorzufinden.“
Auch ohne einen gesetzlich geregelten Standard ist die Risikodarstellung der Crowdinvesting-Betreiber überaus deutlich. Bei 1000×1000.at:
„Das Risikokapital kann im schlimmsten Fall zur Gänze verloren gehen (Totalverlust). Daher sollte die Entscheidungsgrundlage für ein Investment der persönlich leistbare Verlust sein. Wir empfehlen eine Streuung des verfügbaren Kapitals auf mehrere Projekte, um das persönliche Risiko zu senken. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass alle Projekte schief gehen. Jeder Investor kann auch am Erfolg des jeweiligen Projekts mit wenig Aufwand freiwillig mitwirken (z.B. über Kommunikation von Leistungen) und bekommt laufend Berichte über die Unternehmensentwicklung.“

Ebenso falsch ist die Schlussfolgerung der Studie, wonach auf den Plattformen keine Einzelheiten zu den Veranlagungsprodukten erhältlich sind. Vielmehr stehen jedem Investor die individuellen Beteiligungsverträge uneingeschränkt zur Verfügung. Aber ein Genussrecht ist eben anders geregelt als ein Beteiligungsdarlehen und dieses wiederum anders als eine stille Beteiligung oder gar eine Aktie. Selbstverständlich erfüllen die angebotenen Verträge die einschlägigen juristischen Standards und enthalten alle relevanten Bestimmungen, auch Kosten und Kündigungsmodalitäten.

Regelrecht diffamierend ist die Behauptung der Arbeiterkammern, es sei nicht selbstverständlich, Allgemeine Geschäftsbedingungen und Impressen vorzufinden. Für die in Österreich, der Schweiz und Deutschland ansässigen Crowdfunding-Plattformen ist diese Aussage schlicht unwahr. Falls mit dieser Kritik Großbritannien gemeint ist: Dort muss nicht ein aus der deutschen Sprache linear übersetztes „Imprint“ verwendet werden. Die gesetzlichen Pflichtangaben stehen bei allen vier britischen Betreibern unter „Contact“. Und die Geschäftsbedingungen heißen dort „Terms of Use“ oder „Terms of Conditions“. Für Österreicher, Deutsche und Schweizer haben die britischen Crowdinvesting-Betreiber noch eine Info parat: „Funders outside of the UK can not contribute!“
Fazit
Crowdfunding braucht Regeln. Deshalb begrüßt das German Crowdfunding Network Vorschläge zum Schutz von Spendern, Unterstützern und Investoren. Diesem Anspruch wird die vorliegende Studie der österreichischen Arbeiterkammern jedoch nicht gerecht. Crowdfunding umfasst gemeinnützige Spenden ohne Gegenleistung, die Unterstützung von sozialen, kulturellen und kreativen Projekten, wofür es ein Dankeschön gibt,
Mikro-Beteiligungen an Unternehmen, für die eine Rendite erwartet wird, Darlehen von Person zu Person.
Diese Ausprägungen des Crowdfunding erfordern eine differenzierte Betrachtung. Zugleich kritisieren wir methodische Fehler sowie sprachliche Verallgemeinerungen, die bei vernünftiger Analyse nicht gerechtfertigt sind. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass in der Studie politische Interessen schwerer wiegen als sachliche Argumente. Das ist bedauerlich, denn dies ist in der Sache kontraproduktiv. Crowdfunding ermöglicht es vielen Menschen, Ideen zu finanzieren, die ansonsten unrealisierbar sind. Wir möchten die Diskussion auf eine sachliche Ebene heben. Dazu bieten wir uns als Gesprächspartner an.

Das German Crowdfunding Network (GCN)
vertritt die Interessen jener Personen und Unternehmen, die sich mit den Themen Crowdfunding beschäftigen oder Dienstleistungen anbieten. Wir betreuen Menschen, Unternehmen und Organisationen aus Deutschland, Schweiz und Österreich – Plattformbetreiber, Berater, Wissenschaftler, Kampagnenprojekte, StartUps und Kapitalanbieter.
Das GCN will Crowdfunding als effizientes Finanzierungs- und Marketingtool im deutschsprachigen Raum etablieren. Unser Verband fördert die Weiterentwicklung dieser Finanzierungsmöglichkeiten von Produkten, Projekten und Unternehmensinvestitionen im Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Recht, Politik und Gesellschaft.

Weitere Informationen für Journalisten:
http://www.germancrowdfunding.net/

Journalistenfragen beantworten:

Karsten Wenzlaff (Koordinator des German Crowdfunding Network – GCN) – Telefon: 01512 – 5369083 Email: info@germancrowdfunding.net
Torsten Schreiber (Koordinator des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit im GCN) – torsten.schreiber@crowdsourcingverband.de
Reinhard Willfort (GCN-Mitglied und Initiator des Austrian Crowdfunding Network) – reinhard.willfort@innovation.at +43 664 2220468
Wolfgang Gumpelmaier (Koordination des Arbeitskreises GCN in Österreich) – wolfgang@gumpelmaier.net

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