Kritischer Artikel zum Thema Crowdfunding in der Wirtschaftswoche

Crowdfunding WirtschaftswocheHeute lag die neue Wirtschaftswoche im Briefkasten und auf den Seiten 100-102 ist unter der Überschrift “Crowd und Rüben” ein interessanter Artikel von Marcus Pfeil zum Thema Crowdfunding zu lesen. Schon im Vorspann wird festgestellt, dass der “Anfangszauber” des Crowdfundings verflogen sei und die Investoren nun realisieren, dass sie als “Gläubiger, nicht Eigentümer” “kaum Rechte haben”.

Gleich zum Start des Beitrages ist zu erfahren, dass mit dem Startup Lifeaction ein weiteres Startup (finanziert via Seedmatch) einer ungewissen Zukunft bevorsteht. Offenbar bettelte (meine Interpretation der auszugsweise zitierten Mail an die Crowd) das Startup die Crowd um weiteres Geld zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen an. Die Wiwo zitiert darüber hinaus einen Crowdinvestor mit dem geänderten Namen Edgar Schreiner, der weitere Pleitekandidaten (vier von sechs Beteiligungen) im Portfolio haben will. Es sind also weitere Pleiten zu erwarten.

Pleiten an sich noch nichts besonderes

Mit Pleiten muss im Bereich der Startup-Finanzierung gerechnet werden, erreichen doch bis zu 90% der Startups nicht die in sie gesetzten Ziele.

In der Wirtschaftwoche werden vier wesentliche Kritikpunkte an der aktuellen Crowdfunding-Praxis in Deutschland laut:

– fehlende Regulierung
– Anleger sind “Gläubiger, nicht Eigentümer”
– zu geringe Partizipation an der Steigerung des Unternehmenswertes bzw. Exiterlösen
– mangelnde Transparenz des Marktes

Besonders kritisch ist langfristig sicherlich der Punkt drei. Da es noch keinen Beleg dafür gibt, dass Startups, die durch die Crowd finanziert werden, erfolgreicher sind als anders finanzierte Unternehmen, könnte es durchaus sein, dass bei einer normalen Insolvenzquote auf der einen Seite und zu geringer Gewinne im Erfolgsfall, die Gesamtrendite dieser Anlageform zu niedrig ausfällt.

Insbesondere die Plattformen sollten die Kritik ernst nehmen und sich proaktiv Gedanken machen, ob man sich nicht einer sinnvollen Regulierung unterstellen kann. Ferner ist es eine wichtige Aufgabe zu eruieren, ob es Wege gibt, die Anleger zu echten Eigentümer anstatt zu Gläubigern zu machen. Bei den vielen zu erwartenden Pleitefällen ist es also in den meisten Fällen unter dem Strich ohnehin egal, ob man Eigentümer oder Gläubiger ist. Warum also die Anleger nicht richtig beteiligen?

Ferner ist es angesichts dieser Presse ein wichtiges ToDo für die Plattformen alsbald eine echte “Success Story” zu produzieren…

Andernfalls werden die Crowdinvestoren den UK für sich entdecken. Dort werden die Plattformen reguliert und es gibt echtes Equity und bis dato auch weniger Pleitefälle.

P.S. Ich würde mich freuen, wenn „Edgar Schreiner“ einmal mit mir Kontakt aufnehmen würde.

[Update 07.05.: Reaktion von Seedmatch auf den Wiwo-Artikel]

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