Interview mit Linette Heimrich (IHK München) zum „Zertifikatskurs „Crowdfunding Manager/-in IHK“

IHK München - CrowdfundingKlaus-Martin Meyer: Frau Heimrich, die IHK München bietet einen „Zertifikatskurs „Crowdfunding Manager/-in IHK“ an. Das Themenfeld ist noch recht jung. Warum sind Sie überzeugt, dass der Bedarf für ein solches Angebot bereits existiert?

Linette Heimrich: Die thematische Bandbreite und die steigende Zahl der schwarm-finanzierten Projekte zeigen, wie flexibel diese neue Art der Finanzierung ist und welches Potenzial in ihr steckt. Obwohl der Markt noch sehr jung ist, denken wir, dass Crowdfunding zukünftig eine ernstzunehmende Finanzierungsalternative sowohl für junge als auch für mittelständische Unternehmen sein kann. Immerhin verweist die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag auf Crowdfunding als mögliches Finanzierungsinstrument und auch von der EU-Kommission aus Brüssel kommen positive Signale.
Mit dem neuen Zertifizierungskurs, der in Zusammenarbeit mit der IHK Berlin und dem German Crowdfunding Network konzipiert wurde, wollen wir dazu beitragen, dass sich im Crowdfunding-Bereich ein Qualitätsstandard etabliert. Crowdfunding boomt, doch damit sich der Markt gesund entwickeln kann, braucht es Standards. Die Seminarreihe mit IHK-Zertifikat vermittelt fundiertes Wissen zu vielen wichtigen Facetten des Crowdfundings. Das Zertifikat Crowdfunding Manager/in IHK soll auf dem stark differenzierten Crowdfunding-Markt Orientierung geben und Vertrauen schaffen.

Klaus-Martin Meyer: Welche Zielgruppen wollen Sie mit dem Zertifikatskurs konkret ansprechen?

Linette Heimrich: Der Kurs richtet sich grundsätzlich an alle, die sich intensiver mit Crowdfunding beschäftigen möchten und auch beruflich mit dem Thema in Berührung kommen. Das können sowohl Berater aus dem Gründungs-, Rechts- oder Finanzbereich sein, aber auch öffentliche Träger, Stiftungen und gemeinnützige Einrichtungen sowie Vertreter mittelständischer Unternehmen, die neuen Finanzierungsformen aufgeschlossen gegenüberstehen. Auch für den Bankenbereich ist der Crowdfunding Manager IHK spannend. Die ersten Banken, wie die Berliner Volksbank oder die Volksbank Brühl haben Crowdfunding bereits für das eigene Geschäft entdeckt. Ko-Finanzierungsmodelle, die Crowdfunding mit klassischen Finanzierungsinstrumenten kombinieren, haben Zukunftspotenzial.

Klaus-Martin Meyer: Was genau sind die Lerninhalte und wie aufwändig ist es „Crowdfunding Manager/-in IHK“ zu werden?

Linette Heimrich: Der acht-tägige Kurs beleuchtet alle Facetten, die nötig sind, eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich umzusetzen. Neben dem Grundwissen über moderne Medien- und Kampagnen-Arbeit befassen sich die Teilnehmer mit rechtlichen Rahmenbedingungen und der Frage, wie sich Crowdfunding sinnvoll in die Unternehmensstrategie von jungen und etablierten Unternehmen integrieren lässt. Methodisch ist diese Weiterbildung ein abwechslungsreicher Mix aus Theorievermittlung, Experten-Vorträgen und praxisorientierter Gruppenarbeit. So ist auch die Prüfung am Ende eine Kombination aus theoretischem Wissenstest und der Vorstellung eines Praxisprojekts. Der Kurs gliedert sich in vier Module, die berufsbegleitend an den Wochenenden absolviert werden können.

Klaus-Martin Meyer: Bei neuen Themen ist es nicht selbstverständlich, hinreichend kompetente Referenten vor Ort zu gewinnen. Wie ist das gelungen?

Linette Heimrich: Die Zusammenarbeit mit dem German Crowdfunding Network hat sich hier als sehr wertvoll erwiesen. Auch die beiden Crowdfunding-Experten, Karsten Wenzlaff und Dr. Michael Gebert, die neben anderen an der Konzeption des Lehrgangs beteiligt waren und diesen als Trainer leiten werden, sind in der Crowdfunding-Szene sehr gut vernetzt. Die Teilnehmer des Lehrgangs profitieren so nicht nur vom Expertenwissen der Praxisreferenten, sondern können im Seminar auch spannende Kontakte knüpfen.

Klaus-Martin Meyer: Vielleicht können Sie abschließend noch kurz etwas zum allgemeinen Stellenwert von IHK-Zertifikaten sagen?

Aus Rückmeldungen wissen wir, dass bei vielen Entscheidungsträgern und Personalverantwortlichen ein IHK-Zertifikat einen höheren Stellenwert hat als Zertifikate von privaten oder unbekannten Weiterbildungsanbietern. Es gibt bundesweit bei den IHKs Qualitätsstandards für IHK-Zertifikate. Die Zertifikatsangebote haben einen Mindestumfang von 50 Unterrichtsstunden und enden mit einem IHK-Test.

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