Was Fußballfans über das Crowdfunding wissen sollten

Crowdfunding VFL OsnabrückUm die symbolträchtigen Uhrzeit 15:30 Uhr startete heute auf Crowdrage das Crowdfunding des VFL Osnabrück. Das Interesse an diesem Thema ist ganz offenkundig riesig, denn die Besucherzahlen auf Crowdstreet.de sind heute bereits mehr als doppelt so hoch als am bisherigen Rekordtag und der Tag ist noch nicht um. Viele Fans stehen ganz sicher vor der Frage, ob sie das Crowdfunding des Vereins unterstützen wollen bzw. sollten.

Was muss man über ein partiarisches Nachrangdarlehen wissen?

Bevor der engagierte VFL-Fan sich auch finanziell engagiert, muss er sich jedoch darüber klar sein, in was für ein Finanzprodukt er investiert. Bei den in Deutschland praktizierten Crowdfundings werden in der Regel partiarische Nachrangdarlehen (siehe auch Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Partiarisches_Darlehen
) angeboten. Diese haben aus der Sicht der Kapitalsuchenden vor allen den Vorteil, dass man große Summen akquirieren kann, ohne dass man der Kapitalmarktregulierung unterliegt. Im Gegensatz zu einer Fananleihe in Höhe von 400.000 Euro (Summe, die der VFL Osnabrück beschaffen will) braucht man keinen Wertpapierprospekt erstellen. Daher kann man mit dem partiarischen Nachrangdarlehen viel Geld und Zeit sparen.

Aus der Sicht des Anleger gibt es dagegen verglichen mit einer Fananleihe gewisse Nachteile. Da kein Wertpapierprospekt erstellt wird, kann man auch keine Ansprüche aus der Prospekthaftung ableiten. Der wichtigste Nachteil bei einem Nachrangdarlehn ist, dass Forderungen aus dem Darlehen im Falle einer Insolvenz nachrangig bedient werden. Der Insolvenzverwalter wird also erst die Schulden bei Banken, der Stadt, Sponsoren etc. bedienen. Für den Crowdinvestor gilt daher die Regel: “Den letzten beißen die Hunde”.

Fazit: In eine solche Anlageform sollte man nur investieren, wenn man zur Not auf die gesamte angelegte Summe verzichten kann!

Übrigens informiert der VFL in vorbildlicher Form über die Risiken, was bei Crowdfundings nicht immer selbstverständlich ist: „Es ist mir wichtig, vorweg zu schicken, dass es sich bei dem Lizenz-Darlehen um ein qualitativ nachrangiges Darlehen* handelt. Das Geld ist an dieser Stelle nicht abgesichert. Im Falle einer Insolvenz tritt dieses Nachrangdarlehen* hinter andere Forderungen gegenüber dem VfL zurück und wird somit nachrangig bedient. Ich möchte damit keine Angst verbreiten, wir sind ja schließlich angetreten, um genau dieses Szenario zu vermeiden. Wenn wir uns allerdings von unseren Fans Geld leihen, dann müssen die bestehenden Risiken offen kommuniziert werden. Das gehört zu einem fairen Umgang miteinander dazu. Bei aller Leidenschaft für den VfL sollten bitte nur diejenigen den Club finanziell unterstützen, die es sich auch wirklich leisten können“, richtet sich Jürgen Wehlend, Geschäftsführer des VfL Osnabrück, an die Osnabrücker Fans.

Freilich muss man nicht schwarz sehen, denn der VFL hat sicherlich schon immer die wesentlichen Anstrengungen unternommen, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. Ein Darlehen, das man von den eigenen Fans bekommt, wird das Management hoffentlich doppelt und dreifach motivieren, sich noch mehr anzustrengen, allen Verpflichtungen nachzukommen. Das gilt umso mehr, wenn sich das Management selbst am Crowdfunding beteiligen sollte.

Ein zweiter Nachteil eines Darlehns gegenüber einer Fananleihe ist, dass es für diese keinen Börsenhandel gibt. Will man vor dem Ende der Laufzeit aussteigen, müsste man einen Käufer suchen, der einem seinen Anteil abkauft. Wie mühsam das ist, kann man hier nachlesen.

Wie beteiligt man sich am Crowdfunding?

Die Teilnahme ist wirklich trivial, man geht einfach auf die Plattform, wo das Funding durchgeführt wird und durchläuft den dortigen Prozess. Das ist ähnlich einfach, wie ein Online-Kauf bei Hertie. Der Mindesteinsatz liegt bei 50 Euro.

Fazit: Die Entscheidung für das Crowdfuning des VFL ist ganz klar eine emotionale Entscheidung für den Lizenzerhalt des Vereins. Die drei Prozent Zinsen bzw. die fünf Prozent im Aufstiegsfall sind kein Grund, sein Geld zu investieren. Denn unter Renditegesichtspunkten gibt es ganz sicher interessantere Crowdfundings. Dennoch sei gesagt, dass Dritt- und Zweitliga-Fußball hier in der Region auch eine Form des Ertrages sein können aus dem Kapital der Crowd!

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