Crowdfunding im Fußball wird ein riesen Business!

Crowdfunding VFL Osnabrück

Kann mit Hilfe eines Crowdfundings die Lizenz gesichert werden? – Ja!

Der VFL Osnabrück dürfte für die Aussage in der Überschrift den Proof of Concept erbracht haben, auch wenn jetzt noch gezittert wird, ob die notwendigen 400.000 Euro rechtzeitig auf das Treuhand-Konto überwiesen werden.
Das ist aber aus der Sicht der Crowdfunding-Branche letztendlich nur eine technische Petitesse. Der Osnabrücker Verein hat als erster Club im deutschen Profifußball den Beleg erbracht, dass man mit Hilfe von Crowdfunding bei seinen Fans, durchaus große Summen in kurzer Zeit akquirieren kann.

516.723,00 €: Eigentlich wenig überraschend

Da Fußballvereine im Profibereich mehr als alle anderen bereits über eine emotional engagierte Crowd – nämlich die eigenen Fans – verfügen, ist der wichtigste strategische Erfolgsfaktor für ein erfolgreiches Crowdfunding bereits gegeben. Das belegt das Funding des VFL im mindestens zweierlei Hinsicht. Die Schwarmfinanzierung hat sensationelle Zusagen in Höhe von 516.723,00 € in wenigen Tagen erhalten. Das Geld kam zusammen, obwohl der Pitch mit heißer Nadel gestrickt wurde und es bis zum Schluss nicht einmal interessante zusätzliche Prämien gab, sieht man einmal davon ab, dass alle Investoren an einem Preisausschreiben teilnehmen werden, wenn die Lizenz gesichert ist. Trotz Zeitdruck und einem eher lieblosen Pitch hat man also das Funding-Ziel von 400.000 Euro deutlich und leicht überschritten. Diese Dynamik belegt, dass Crowdfunding im Fußball ein interessantes Finanzinstrument sein können. Hier kann man den Verantwortlichen des Vereins – egal wie es letztlich ausgeht – nur für ihr visionäres Handeln danken.

Crowdfunding in all seinen Ausprägungen wird Rolle im Fußball spielen

Die Crowdstreet-Redaktion wagt einmal die Prognose, dass Crowdfunding in all seinen Ausprägungen:

– lending based Crowdfunding
– equity based Crowdfunding
– reward based Crowdfunding
– donation based Crowdfunding

in Zukunft seinen Anteil an der Finanzierung des Profifußballs spielen wird. Hinweise darauf gibt es genug. Der VFL Osnabrück dürfte zukünftig als Lehrbuchbeispiel dafür dienen, dass Crowdlending genutzt werden kann, um große Darlehnssummen zu akquirieren. Das gilt umso mehr, als dass in diesem Jahr vermutlich durch Lending Club ein erster Börsengang in diesem Segment realisiert wird, der international sehr viel Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken wird. Aktuell sind die Zinsen sehr niedrig, aber warum sollte nicht auch der FC Bayern seine Fans um ein (noch) günstigeres Darlehen bitten, damit die Allianz-Arena noch billiger finanziert wird, weil man die laufenden Darlehen mit Hilfe der Fans günstiger ablöst?

Auf Crowdcube gab es 2012 ein (erfolgloses) Crowdfunding, dass zum Ziel hatte, einen insolventen Fußballverein zu kaufen. Die Crowdinvestoren investierten in Equity. Freilich wird diese Variante im deutschen Fußball eher die Ausnahme bleiben, aber warum sollte nicht auch ein Verein über eine Crowdfunding-Plattform wie Bergfürst Minderheitsanteile verkaufen und Aktien an die eigenen Fans ausgeben? Borussia Dortmund hat diesen Ansatz über die Börse realisiert und der FC Bayern außerbörslich an Großaktionäre.

Myfootballclub.co.uk Ownershirt

Der Autor im myfootballclub.co.uk „Owner Shirt“

Auch Beispiele für reward based Crowdfundings hat es im UK – dem Mutterland des Fußballs – bereits gegeben, wo mit Hilfe der Community myfootballclub.co.uk ein Fußballverein gekauft wurde, auch wenn dieser hinterher nicht der Crowd sondern der Firma gehörte, die die Community managte. Ein Reward war die Teilnahme an der Community und die damit verbundene Mitbestimmung im Verein (Entscheidung über Spielerkäufe etc.). Natürlich gab es auch ein Owners Shirt, wenn man mind. 25 Pfund investierte.

Donation based Crowdfundings hat es vom Prinzip her bereits immer gegeben. Auf Fairplaid sind in der Form, wie man donation based Crowdfunding heute versteht, regelmäßig solche Fundings umgesetzt. Da dieses Posting als Aufhänger den VFL Osnabrück aufgriff, bleiben wir mit einem weiteren Beispiel im Osnabrücker Land. Der TUS Glane finanzierte vor Jahren seinen Kunstrasenplatz u.a. durch einen symbolischen quadratmeterweisen “Verkauf” des Platzes. Für eine Spende von zehn Euro konnte man einen Quadratmeter des Platzes “erwerben”. Als Reward erhielt man eine Urkunde, die den “Besitzer” auswies. Exponierte Flächen, wie der Elfmeterpunkt waren teurer.

Mit dem VFL Funding gelangt das Thema Fußball ins Visier der Plattformen

Crowdrange hat sich mit Hilfe des VFL Crowdfundings praktisch von null auf 100 in die erste Liga derjenigen Plattformen katapultiert, die Fundings in der 500.000 Euro Größenordnung realisiert haben. Das zeigt, dass der Markt in Bewegung ist und die Felle keinesfalls bereits verteilt sind. Das dürfte Player wie Seedmatch, Companisto aber auch startnext neugierig auf den Fußball machen. Angesichts der Geschäftstüchtigkeit im Fußball-Business ist es sicherlich auch vorstellbar, dass der DFB als Dienstleister für die Vereine das Thema entdeckt uns seinerseits eine gewissermaßen “offizielle” Fußball-Crowdfunding-Plattform aufsetzt.

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