Interview mit Sebastian Rüther vom VFL Osnabrück zum erfolgreichen Crowdfunding

Crowdfunding VFL OsnabrückKlaus-Martin Meyer: Herr Rüther, zunächst herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Crowdfunding des VFL. Wie kam der Verein auf die Idee, diese innovative Finanzierungsform überhaupt in Betracht zu ziehen.

Sebastian Rüther: Die Lizenzerteilung ist für die meisten Vereine in der 3. Liga eine Herkulesaufgabe, so auch für den VfL Osnabrück. Die nach der ersten Entscheidung vom Deutschen Fußball-Bund festgelegte Liquiditätsreserve hat uns überrascht. Wir standen vor der Herausforderungen innerhalb kürzester Zeit 960.000 Euro dafür bereitzustellen. Themen, wie beispielsweise eine Fan-Anleihe, sind im Zuge der Ausgliederung bereits diskutiert worden. Durch diese Überlegungen und durch den bestehenden Kontakt zu Dr. Markus Kern als Spezialist in Sachen „Finanzierungsmaßnahmen von Fußballclubs“ ist die Idee des Crowdfundings entstanden.

Klaus-Martin Meyer: Welche Fragen hat der Verein im Vorhinein z.B. mit dem DFB geklärt?

Sebastian Rüther: Während der gesamten Lizenzierungsphase standen wir als Club in engem Austausch mit dem DFB, natürlich auch bezüglich des Crowdfundings. Es war deutlich zu vernehmen, dass der DFB durchaus aufgeschlossen gegenüber dieser innovativen Form der Finanzierung war. Entsprechend haben wir stets aktuelle Themen oder auch Problematiken direkt mit den verantwortlichen Personen besprochen und konnten diese schließlich alle lösen. Hierbei ging es unter anderem um die Art und Weise der faktischen Bereitstellung des Geldes, die in der Satzung des DFB eindeutig festgelegt ist. An dieser Stelle haben alle Beteiligten exzellent und lösungsorientiert zusammengearbeitet, dies gilt für die Crowdfunding-Plattform, das Kreditinstitut, den Treuhänder und natürlich auch für den DFB.

Klaus-Martin Meyer: Haben Sie mit der Dynamik des Fundings gerechnet und was waren aus Ihrer Sicht die wichtigen Erfolgsfaktoren, dass sich diese Dynamik entwickeln konnte?

Sebastian Rüther: Es gab im Vorfeld unseres Crowdfundings keinerlei belastbare Zahlen, die uns ansatzweise eine Vorstellung darüber haben liefern können, wie diese Finanzierungsmöglichkeit wahr- und angenommen wird. In der Tat waren wir von der Dynamik des Fundings positiv überrascht, damit war, vor allem aufgrund der Kurzfristigkeit, nicht zu rechnen. Ein entscheidender Erfolgsfaktor war sicherlich die Möglichkeit, die gezeichnete Summe online live zu verfolgen. Das förderte die Motivation ungemein. Dazu ging es beim Funding des VfL um ein emotionales Produkt für eine sehr klar definierte Zielgruppe. Für die Fans des VfL Osnabrück war es die bisher erste Möglichkeit, sich so direkt an der Lizenzsicherung zu beteiligen. Entsprechend können wir alle gemeinsam sehr stolz auf das Ergebnis sein. Immerhin gehört das Funding des VfL nach Ihren Angaben zu den acht Fundings deutschlandweit mit dem größten Investitionsvolumen.

Klaus-Martin Meyer: Welche Empfehlungen würden Sie anderen Vereinen geben, sofern Sie dem VFL nacheifern wollen?

Sebastian Rüther: Das VfL-Funding für die Lizenzsicherung ist ein Novum im deutschen Profifußball. Die Unterschiede zu einem klassischen Funding und die Maßgaben beim Lizenzierungsverfahren des DFB mussten in Einklang gebracht werden. Teilweise haben sich Problemstellungen erst während des Prozesses ergeben. Als Vorreiter besteht nicht die Möglichkeit, die Erfahrungen anderer zu nutzen. Diesen Vorteil haben nun Clubs, die eventuell auch eines Tages ein Funding einsetzen möchten. An dieser Stelle muss das Rad sicher nicht neu erfunden werden. So würde ich den potenziellen Clubs sicherlich den Kontakt zu unseren Dienstleistern empfehlen, die auf die gesammelten Erfahrungen zurückgreifen und in sämtlichen Belangen Hilfestellungen geben können.

Klaus-Martin Meyer: Wie hat die Zusammenarbeit mit Crowdrange geklappt?

Sebastian Rüther: Crowdrange ist eine junge Plattform, die ein Funding mit diesem Volumen bis dato nicht abgebildet hatte. Die Zusammenarbeit mit Philipp Dunkerbeck und Nikdad Nasseh von der Crowdrange AG war sehr professionell und stets zielorientiert – und letztlich sehr erfolgreich. Für beide Parteien war dies Projekt eine neue Erfahrung, beide sind mit unglaublicher Leidenschaft und Motivation an die Aufgabenstellung herangegangen. Das Übertreffen der formulierten Fundingsumme ist das Ergebnis leidenschaftlicher Arbeit und hoch motivierten Engagements aller Beteiligten.

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