Interview mit Dr. Markus Kern (FooBiz Consulting) zum Crowdfunding des VFL Osnabrück

foobizKlaus-Martin Meyer: Herr Dr. Kern, Sie sind Geschäftsführer der Firma FooBiz Consulting. Könnten Sie sich und Ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Dr. Markus Kern: Nachdem ich meine ersten beruflichen Erfahrungen im Bankensektor gesammelt habe, bin ich seit ca. zehn Jahren ununterbrochen im Profi-Fußball tätig, davon zwischen 2006 und 2011 in leitenden Funktionen bei Schalke 04 und 1860 München. Im August 2011 habe ich dann FooBiz Consulting gegründet – eine Corporate Finance Beratung für den Mittelstand, insbesondere auch für Unternehmen / Clubs des Profi-Fußballs bzw. des Profi-Sports allgemein. Man kann sagen, dass ich mir die Branche zunächst sieben Jahre „von innen“ angeschaut habe und nun meine Expertise als externer Berater einbringe.

Klaus-Martin Meyer: Kürzlich haben Sie den VFL Osnabrück bei einem Crowdfunding unterstützt. Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für das Crowdfunding z.B. im Vergleich zur Auflage einer Fananleihe?

Dr. Markus Kern: Ein Crowdfunding kann im Fußball nur für ganz bestimmte Projekte eingesetzt werden, u.a. wie im vorliegenden Fall zur Lizenzsicherung in der letzten Phase des Lizenzierungsverfahrens. Wichtige Kriterien hierbei sind eine schnelle und kostengünstige Umsetzbarkeit. Bei einer Fananleihe muss z.B. ein Wertpapierprospekt verfasst und gebilligt werden, das kostet Zeit und Geld.

Da es eine solche Maßnahme im deutschen Profi-Fußball noch nie gab, war natürlich auch die enge Abstimmung mit dem DFB von großer Bedeutung. Das Crowdfunding konnte perfekt auf die Bedürfnisse des VfL Osnabrück im abgeschlossenen Lizenzierungsverfahren angepasst werden.

Schließlich war die „Erfolgsbedingung“ – typisch für das Crowdfunding – ein entscheidender Faktor: Die Fans bzw. Anleger konnten sich sicher sein, dass sie das Geld vom Treuhänder zurückbekommen, wenn die Lizenzerteilung gescheitert wäre. In der aktuellen Situation war das Crowdfunding die perfekte und überaus erfolgreiche Maßnahme für den VfL Osnabrück.

Klaus-Martin Meyer: Warum ist Crowdrange die richtige Plattform für den VfL Osnabrück? Und warum hat der Verein nicht bei den bekannten marktführenden Plattformen – die über eine große Crowd verfügen – angefragt?

Dr. Markus Kern: Für den Erfolg der Maßnahme war die Größe der „plattformeigenen“ Crowd nicht entscheidend. Die Fans bzw. Investoren, die ein Fußball-Club erreichen muss, erreicht er von alleine, wenn er alle Kommunikationswege ausnutzt. Zudem war das mediale Echo so groß, dass auch „neutrale Crowdfunder“ von dem Funding erfahren haben dürften.
Wichtiger war, dass uns Crowdrange vom ersten Gespräch an überzeugt hat. Nicht nur, weil sie schon Projekte im Sport realisiert hatten, sondern weil sie äußerst kompetent und engagiert an das VfL-Projekt rangegangen sind. Es war uns klar, dass wir für so ein innovatives Projekt ein gutes und effizientes Zusammenspiel von FooBiz-Consulting, Crowdrange und dem Treuhänder brauchen.
So konnten wir dem VfL Osnabrück und auch anderen Clubs ein fertiges und zwischen allen benötigten Parteien abgestimmtes Instrumentarium anbieten.

Klaus-Martin Meyer: Welche Rolle könnte das Crowdfunding im Profifußball aus Ihrer Sicht spielen, auch im Vergleich zur Emission von Anleihen oder Aktien?

Dr. Markus Kern: Eine bedeutende Rolle. Es gibt viele denkbare Anwendungsfälle, in denen ein Crowdfunding passen kann. Neben der Lizenzsicherung könnten es auch spezielle Investitionsvorhaben eines Clubs sein, für die sonst aktuell kein Geld zur Verfügung stünde. Die Fans würden dann mit „einem Mausklick“ darüber abstimmen, ob das Vorhaben realisiert werden kann oder nicht. Aber auch für Co-Fundings kann ein Crowdfunding der richtige Weg sein – es könnte so festgestellt werden, ob die Fans bspw. bereit wären, 30% eines Projekts zu finanzieren, die anderen 70% würden dann automatisch von dem Club und/oder der Kommune gestellt werden etc.
Wir sind auch bereits in Gesprächen mit anderen Profi-Clubs zu potentiellen weiteren Crowdfunding-Projekten. Zudem werden wir das Thema „Crowdfunding“ auf unserem Lizenzierungsworkshop 2015 im Januar vorstellen, zu dem wieder die deutschen Profi-Fußball-Clubs von der Bundesliga bis zur 3. Liga eingeladen werden.

Klaus-Martin Meyer: Könnte ein Crowdfunding über das Finanzielle hinaus eine neue Dynamik im Verein auslösen?

Dr. Markus Kern: Absolut. Man braucht nur mal das Fanforum des VfL Osnabrück lesen. Die Dynamik, die das erfolgreiche Crowdfunding ausgelöst hat, war unglaublich. Die Fans „hingen“ buchstäblich an dem Real-Time-Ticker, der das wachsende Funding-Volumen angezeigt hat. Der Ticker war sogar „live“ in die Homepage der Neuen Osnabrücker Zeitung eingebunden. Nachdem über 500.000 Euro eingeworben werden konnten, waren die Fans unglaublich stolz auf sich selbst. Die Maßnahme stärkte signifikant das „Wir-Gefühl“, das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Identifikation mit dem Verein. Die Fans haben erheblich dazu beigetragen, die Lizenz für die neue Saison in der 3. Liga zu erhalten und können sich nun umso mehr auf diese freuen.

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