Interview mit Jan Henric Buettner zum Crowdfunding für das Resort Weissenhaus

Team Weissenhaus

von links nach rechts: Gerald Hennigsen, Geschäftsführer Hotel, Jan Henric Buettner, Beate Maruccia, Geschäftsführerin Finanzen, Alexander Dehn, Geschäftsführer Gastronomie

Klaus-Martin Meyer: Herr Buettner, Sie sind Initiator des Resorts Weissenhaus. Könnten Sie sich und das Projekt bitte kurz vorstellen?

Jan Henric Buettner: Gerne, ich stehe zwischenzeitlich kurz davor, 50 Jahre zu werden und habe in meinem Leben nach anfänglichen Managementpositionen im Axel-Springer Verlag immer als Unternehmer neue Dinge aufgebaut. Eine wichtige Station war AOL Europe, noch wichtiger aber mein Schritt in die USA, um die heute global agierende Venture Capital-Gruppe BV Capital / e.Ventures aufzubauen, über die wir in den letzten Jahren gut 1 Milliarde US-Dollar an Kapital verwaltet und investiert haben, Exits an Yahoo, eBay und Co hatten, was natürlich einige priviligierte Einblicke gibt, wie Finanzierungen und Wertsteigerung funktioniert.
Neben dieser Tätigkeit, die mich auch heute noch viel zwischen Kalifornien und Deutschland pendeln lässt, bin ich als Business Angel privat tätig und habe vor neun Jahren – damals eher aus dem Bauch heraus – Schloss Weissenhaus, bzw. besser das ganze Dorf Weissenhaus direkt an der Ostsee mit 75 Hektar Grund, Wiesen, Wäldern, 40 historischen Gebäuden und 3km einsamen Strand, ca. 100km nördlich von Hamburg, gekauft. Im Laufe der ersten Jahre wurde mir dann klar, dass WEISSENHAUS ein echtes Potential hat, da es in Norddeutschland absolut keine vergleichbare Anlage gibt, aber nur, wenn man intensiv investiert und auch die alte Substanz von Grund auf renoviert, viele Gebäude waren damals bereits verfallen. So habe ich dann, in enger Abstimmung mit der Kommune, dem Land, der lokalen Bevölkerung, Denkmal- und Naturschutz im Laufe der Zeit zusammen mit meinen Partnern über 60 Millionen EUR investiert, ein tolles Team mit über 100 Mitarbeitern aufgebaut, 2012 die ersten Zimmer und das Strandrestaurant „Bootshaus“ eröffnet und jetzt im Juli 2014 den Vollbetrieb mit Schloss, SPA und 60 Zimmern und Suiten aufgenommen.

Klaus-Martin Meyer: Sie haben sich entschieden, einen Teil der nowendigen finanziellen Mittel für das Immobilien-Projekt über ein Crowdfunding-Projekt zu finanzieren. Warum dies? Wäre eine Finanzierung über die Hausbank aktuell nicht günstiger?

Jan Henric Buettner: Natürlich spielen Banken – auch bei uns – weiterhin eine Rolle und ich gehe auch nicht davon aus, dass wir selbst bei exzellentem Verlauf des Crowdfundings morgen unsere Bankbeziehungen aufkündigen. Crowdfunding ist auch bei uns nur ein Teil eines größeren Finanzierungsmixes, der primär durch Eigenkapital von mir und meinem Co-Investor aufgebracht wird. Und wir investieren auch beide weiter.
Aber wir wollten Crowdfunding auch schlichtweg einmal ausprobieren. Denn als ich 1997 mit der Idee, Venture Capitalist zu werden, in die USA ging, war Venture Capital in Deutschland noch ziemliches Neuland, und heute ist es doch nicht mehr wegzudenken und ein Motor von Innovation und Arbeitsplätzen. Das gleiche gilt aus meiner Sicht auch für Crowdfunding bzw. Crowdinvesting. Was heute noch ein zartes Pflänzchen ist, kann schnell zu einer ernstzunehmenden Finanzierungssäule sowohl für Firmen als auch Projekte werden und wenn wir da mit unserem Projekt einen Leuchtturm schaffen, dann wäre das ein großer Erfolg.
Weiterhin ist WEISSENHAUS ein Projekt mit Herz & Seele und soll es auch bleiben. Ich präferiere also absolut Mitinhaber, die auch emotional hinter dem Thema stehen, z.B. auch mal gerne nach WEISSENHAUS fahren und uns auch Anregungen geben und nicht anonyme Geldgeber.

Klaus-Martin Meyer: Das Funding findet über Companisto statt, wo man bis dato noch keine Expertise auf dem Immobiliensektor hat. Warum die Entscheidung für Companisto, waren weitere Plattformen in der Auswahl?

Jan Henric Buettner: Ich habe in einer anderen Rolle – und zwar als Business Angel – bereits einmal gute Erfahrung mit Companisto gemacht, das war bei der Firma BiteBox, bei der ich privat investiert war, bevor das Projekt auf Companisto sehr gut lief. Da kam der initiale Kontakt zustande. Und zusammen mit meinem Family Office, das mich auch in anderen Investmentthemen unterstützt, haben wir uns dann zu einem späteren Zeitpunkt überlegt: „Gibt es nicht auch ein Kickstarter für Immobilien in Deutschland?“. Und dann den Markt analysiert. Da es – nach unserer Kenntnis – vergleichbare Projekte schlichtweg noch nicht gab, mussten wir die Plattform ein bisschen miterfinden und dabei fiel die Wahl auf das Team, mit dem wir zum einen schon gute Erfahrungen hatten, zum anderen haben die Companisto-Gründer die Idee von Anfang an sehr gut unterstützt, und als Volljuristen sind sie sicherlich auch generell eine gute Wahl für die anspruchsvolleren Themen. Wir mussten ja auch bei Verträgen und Co in gewisser Form Neuland betreten, vor uns hat das schlichtweg noch keiner gemacht. Copy & Paste war also keine Option.

Klaus-Martin Meyer: Wie groß schätzen Sie den möglichen Marketing-Effekt ein und wird dieser ggf. durch geeignete Prämien für die Investoren weiter stimmuliert?

Jan Henric Buettner: Wie gesagt suchen wir keine rein wirtschaftlich getriebenen Investoren, sondern „Menschen“, die unsere Begeisterung für dieses traumhaft schönen Fleckchen Erde teilen. Das ganze nicht zwingend aus Marketinggründen, sondern weil wir authentisch bleiben wollen, das ist mir ganz wichtig. Deswegen haben wir uns z.B. auch – hoffentlich sichtbar – sehr viel Mühe mit unseren für Crowdfunding ungewöhnlich langen Videos und Texten gemacht, damit wir möglichst viel rüberbringen können abseits von der Marketingdenke, schnell und knackig eine Message wie in einem Werbeclip zu platzieren. Entsprechend kann auch eine Prämie nur ein nettes Goodie sein, aber sollte sicherlich nicht der primäre Grund für eine Teilnahme an Crowdfunding sein. Da muss schon eine fundiertere Anlageentscheidung am besten mit Bauch und Hirn dahinterstehen.

Klaus-Martin Meyer: Warum ist ein Invest in Weissenhaus zusammenfassend für die Crowdinvestoren eine gute Idee?

Jan Henric Buettner: Das ist ganz einfach die gleiche Antwort wie: warum war es und ist es noch für mich oder meinen Co-Investor eine gute Idee, in WEISSENHAUS auch weiterhin zu investieren? Weil es heutzutage schwerer denn je ist, eine vernünftige Vermögensanlage zu finden, auf der man 4% p.a. – wenn es gut läuft auch noch einiges mehr – laufende Verzinsung bekommt, die nicht jeder Marktschwankung hinterher läuft, einen nachhaltigen Wert darstellt und auch noch eine emotionale Komponente hat. Ich kenne ja auch beruflich sehr viele Investoren rund um den Globus, im Prinzip sucht jeder, egal ob Milliardär aus Dubai oder Student aus Fulda da ziemlich das gleiche. Und diese Maschine haben wir mit WEISSENHAUS hingestellt, erstmal für uns selber. Ich kann nun nicht mehr, aber auch nicht weniger anbieten, als dass über Companisto nun jeder auf gleichem Level mit uns teilnimmt und würde mich natürlich im mehrfachen Sinne sehr über eine rege Beteiligung freuen.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss eine Frage zum Crowdfunding im Allgemeinen. Sie haben einen fundierten Venture Capital-Background. Welche Relevanz wird das Crowdfunding-Phänomen aus Ihrer Sicht in Zukunft erlangen?

Jan Henric Buettner: Ich würde erstmal sagen, in Deutschland aber auch den USA finden es Leute mit unterschiedlichstem Background und Budget erstmal wirklich spannend, dass sie selber und nicht ein Banker oder Fondsmanager, den sie in der Regel ja gar nicht kennen, Investments aussuchen und zwar, wenn man so will, im kostengünstigen Direktvertrieb. Das hat damals z.B. Dell mit den ersten über das Internet vertriebenen PCs so groß gemacht, der ganze Handel wurde ausgeschaltet, alle Zwischenschichten, die Geld kosten und teilweise nur bedingt Wert bringen, aus dem Prozess genommen. Crowdfunding ist also durchaus als Modell – wie man im VC-Sprech sagt – disruptiv in einer sonst eher innovationsarmen Finanzwelt. Da liegt schon ein Potential. Entscheidend wird nun aber, dass aus dem netten Klein-Klein auch eine nachhaltige Entwicklung wird. Wenn es Crowdfunding also schafft z.B. nicht nur Seed-Runden, sondern auch sogenannte A- oder B-Runden – also Finanzierungen mit 1-10 Mio EUR pro Projekt – zu stemmen und zugleich auch das Thema des Qualitätsmanagement professionalisiert wird, damit Missbrauch und Fettnäpfe möglichst ausgeschlossen werden, dann dürften auch Zweifler das Thema bald mehr und mehr Ernst nehmen. Ich persönlich empfinde solche Marktveränderungen erstmal als spannendes Spielfeld und nicht als Bedrohung für den Status Quo, vielleicht hat meine Zeit in Kalifornien da ein bisschen abgefärbt. Insofern ist sicher noch viel zu tun, aber würde ich eine Wette auf den mittelfristigen Erfolg von Crowdfunding an sich eingehen? Ja, ich denke, das wäre wohl nicht das schlechteste Investment meines Lebens.

 

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