Einsatzmöglichkeiten von Crowdfunding in Unternehmen

GastbeitragGastbeitrag von Simon Radeck

Crowdfunding ist nicht nur etwas für einzelne kreative Projekte oder innovative Produkte, die auf spezifisch dafür angelegten Plattformen wie Kickstarter oder indiegogo finanziert werden können. Auch immer mehr Unternehmen bedienen sich in verschiedenster Weise der Crowdfunding-Technologie. Dieser Beitrag soll einen Überblick darüber geben, in welcher Form Unternehmen sowohl im externen als auch im internen Bereich bereits Crowdfunding-Technologie einsetzen.

Extern: Crowdfunding im Banken-Sektor

Der Bankensektor hat Crowdfunding bereits seit einer Weile für sich entdeckt. Immer mehr Banken beschäftigen sich mit dem Thema und nutzen bereits die Crowdfunding-Technologie, um eigene Plattformen zu betreiben. Im Folgenden eine kleine Auswahl:

• Die Volksbanken haben mit “Viele schaffen mehr” regional eigene Crowdfunding-Plattformen umgesetzt, die bereits Zuspruch von mehreren Tausend Projektunterstützern erhalten haben. Jeder kann hierbei Projektideen aus der Region vorstellen oder Ideen von anderen unterstützen, um diesen zur Umsetzung zu verhelfen.
• Auch die BW Bank hat eine eigene Crowdfunding-Plattform: “bw crowd”. Mit dem Slogan “Für Projektstarter und Unterstützer. Für Macher und Anpacker.” spricht die BW Bank ihre Kunden in Baden-Württemberg an, Projekte einzustellen und zu unterstützen.
• Die Kölner Bank hat ebenfalls eine Crowdfunding-Plattform gelauncht, die sich “all zesamme” nennt. Einrichtungen und Vereine aus Köln können Projektideen einreichen und die Kölner können ihre Lieblingsprojekte unterstützen.

Andere Banken kooperieren in besonderem Maße mit Crowdfunding-Plattformen wie beispielsweise die Fidor Bank. Ob es sich um die Finanzierung von kreativen Projekten handelt, um die Investition in Unternehmen oder Kredite an Kommunen – über das Fidor Smart Girokonto hat der Nutzer auf eine Vielzahl von Plattformen Zugriff.

Intern: Prozesse optimieren und Mitarbeiter einbinden

Andere Unternehmen nutzen die Crowdfunding-Technologie intern, um Prozesse zu optimieren und Institute oder Mitarbeiter verstärkt einzubinden. Produktiver und transparenter arbeiten – das sind die Hauptziele, die erreicht werden sollen. Innovative Vorhaben können auf einer unternehmensinternen Plattform diskutiert und finanziert werden – und jedes Institut oder sogar jeder einzelne Mitarbeiter kann dazu mit einem Be(i)trag teilnehmen.

Für welche Unternehmen ist eine interne Crowdfunding-Plattform geeignet?

Prinzipiell ist eine interne Crowdfunding-Plattform für eine Vielzahl von Unternehmen und Banken vorstellbar. Gerade auch für größere Unternehmen, die dezentral aufgestellt sind und eine hohe Mitarbeiterzahl haben, bietet sich eine derartige Plattform an, vor allem wenn abteilungs- oder sogar institutübergreifend über eine Projektfinanzierung abgestimmt werden muss. Die Abwicklung der internen Budgetverwaltung kann mit mit einer internen Crowdfunding-Plattform so um einiges erleichtert werden.

Im Folgenden werden zwei Beispiele aufgeführt, wie Unternehmen bereits interne Crowdfunding-Plattformen nutzen.

Beispiel 1: IBM
IBM hat eine interne Crowdfunding-Plattform geschaffen, bei der jeder Mitarbeiter ein virtuelles Budget zugeschrieben bekam, das er für innovative Projektideen seiner Kollegen ausgeben durfte, die diese zuvor auf der internen Plattform vorgestellt hatten. So erhielten die Projektideen eine konkrete Wertigkeit und es kristallisierten sich vielversprechende Ideen heraus. Gleichzeitig wurde mit dem virtuellen Geld auch der Gamification-Faktor der Mitarbeiter angeregt und diese setzten sich viel intensiver als zuvor mit den innovativen Ideen Ihrer Kollegen auseinander.

Auch die Ergebnisse der Studie belegten den Erfolg der Plattform: durch Crowdfunding verbesserte sich das Betriebsklima und die Beteiligung der Mitarbeiter lag bei 45%, was einen vergleichbar hohen Wert darstellt. Die Vermutung, dass die Projektideen von Mitarbeitern, die einen höheren Einfluss im Unternehmen ausüben, auch schneller finanziert werden, wurde widerlegt.

Beispiel 2: Sparkasse
Die Sparkasse besitzt mit der Ideenfabrik ein internes Crowdfunding-Portal, das von der TABLE OF VISIONS GmbH umgesetzt wurde, die sich auf Crowdfunding-Software im B2B-Bereich spezialisiert hat. Die Ideenfabrik ist in das Intranet der Finanzgruppe integriert und dient dazu, interne Abstimmungs- und Finanzierungsprozesse steuerbarer und transparenter zu machen. Verantwortliche der verschiedenen Sparkassen-Institute erhalten somit eine Übersicht über aktuelle Ideen in der Finanzgruppe und können diese über die Plattform gemeinsam finanzieren.

Alexander Woletz, Projektmanager Zentrale Portale des Sparkassen-Finanzportals und verantwortlich für die Ideenfabrik sagt, dass die Plattform die verschiedenen Institute aktiver als zuvor in die Marketing- und Vertriebsprozesse einbindet. Außerdem biete sie die Möglichkeit, neue innovative Ideen zu diskutieren und zu auch gemeinsam zu finanzieren. “Somit steigern wir unsere Effizienz und Transparenz, sparen wertvolle Zeit und vereinfachen den Finanzierungsprozess.“, so der Projektmanager.

Die Zentralisierung von Marketing- und Vertriebsprozessen sowie Steigerung der Effizienz und Transparenz wird selbstredend von vielen Organisationen angestrebt. Oft mangelt es jedoch an den passenden Tools für Umsetzung. Hierfür bietet sich die Crowdfunding-Technologie wie anhand von zwei Beispielen aus der Praxis aufgezeigt, hervorragend an. Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten für den Einsatz von Crowdfunding-Technologie in den verschiedensten Bereichen. Denkbar wären beispielsweise Behörden, Stiftungen, Tourismus-Einrichtungen oder auch Institutionen der Aus- und Weiterbildung. Vereinzelte Crowdfunding-Ansätze sind in diesen Bereichen bereits vorhanden, lassen sich aber noch ausbauen. Vielleicht können wir an dieser Stelle eine Übersicht von Unternehmen zusammenstellen, die auf verschiedene Art und Weise Crowdfunding-Technologie einsetzen.

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