Companisto sorgt sich um geplante Regulierung

 

Kommentar

In einem ausführlichen Blogbeitrag (“Crowdinvesting durch Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes bedroht”) formuliert Companisto seine Sorgen bezüglich eines Regierungsentwurf zum Kleinanlegerschutz. Noch ist es nur ein Entwurf, der nicht in Stein gemeißelt ist, dennoch muss man solche Entwürfe ernst nehmen.

Wie immer wenn Politiker am Werke sind, noch dazu, wenn eine Regierung eine satte, selbstzufriedene Mehrheit hat, dann sollten alle Beteiligten wachsam sein und überprüfen, ob die Politik ihre Hausaufgaben gemacht hat, auch handwerklich.

Companisto sieht im Wesentlichen drei Kritikpunkte, die das bisherige (equity based) Crowdfunding in Deutschland in seiner bisherigen Form gefährden würden:

1.) Wer mehr als 250 Euro investiert, soll ein Informationsblatt unterschreiben.

Ein solches Papier wird ganz sicher viele Investoren vor Verlusten schützen. Nicht aber, weil das Informationsblatt besser als eine Risikoaufklärung im Internet für eine bessere Risikoeinschätzung sorgt, sondern einzig und allein, weil viele Anleger zu faul oder zu vergesslich sein werden, um das unterschriebene Formblatt rechtzeitig zur Post zu bringen. Nicht zeitgemäß.

Fazit: Ein Formblatt ist ein Conversion-Killer aber kein Anlegerschutz.

2.) Vorgesehene Investment-Obergrenzen im europäischen Vergleich zu niedrig

Geht der Gesetzentwurf ohne Änderung durch, dürften pro Crowdfunding nur noch eine Millionen ohne Prospekt eingesammelt werden. Über die Sinnhaftigkeit der Grenze kann man sicher streiten, auch im Hinblick auf den Wettbewerb der einheimischen Plattformen mit denen z.B. aus dem UK. Sinnig wäre es einmal darüber nachzudenken, warum die Erstellung eines Prospektes mit Kosten von 30.000 bis 50.000 Euro verbunden sein muss. Das muss einfach günstiger zu machen sein. Hier könnte der Gesetzgeber standardisierte Formen vorgeben, die die Kosten drastisch senken. Der Neue Markt hat belegt, dass auch Prospekte nicht vor Totalverlusten schützen. Gelesen werden diese in der Regel ohnehin nicht, oder nur, wenn es schon zu spät ist.

3.) Die EU hat sich für eine wirtschaftsfreundliche Regulierung ausgesprochen und ausdrücklich vor Übertreibungen gewarnt.

Aus Sicht der Crowdstreet-Redaktion sollten möglichst viele Anleger an dieser Umfrage von Companisto teilnehmen, um Druck gegenüber dem Gesetzgeber aufzubauen. Denn bleibt der Gesetzgeber bei seinem Entwurf, könnten die Plattformen einfach Gesellschaften im UK gründen, sich sogar der dortigen Regulierung unterstellen und einfach weitermachen wie bisher, nur eben vom UK aus. Das würde dann sicher den Finanzmarkt London stärken, aber die Absichten des Anlegerschutzes ad absurdum führen…

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One Response to Companisto sorgt sich um geplante Regulierung

  1. Leider werden die gravierenden Auswirkungen des vorgesehenen Kleinanlegerschutzgesetzes erst bei näherem Nachdenken in ihren tatsächlichen Auswirkungen deutlich. Besonders gravierend ist das Werbeverbot und die Verpflichtung, künftig das unterschriebene Vermögensanlagen-Informationsblatt unterschrieben per Post (!) zurückzusenden.

    Das Werbeverbot und die Verpflichtung zur postalischen Rücksendung treffen alle Crowdfinanzierungen (sofern nicht alle Anleger weniger als Euro 250 investieren).
    Sowohl das Werbeverbot als auch die Rücksendeverpflichtung mit ihrem Medienbruch werden massiv-schädliche Auswirkungen für die Erfolgschancen von Crowdfinanzierungen haben (Medienbruch führt zu einem deutlichen Rückgang der Konversionsraten) und einem deutlichen Anstieg des Aufwands der Finanzierungsplattformen.(Näher hierzu http://blog.lightfin.de/)

    Im Ergebnis wird das Gesetz die Finanzierungsmöglichkeiten von jungen Unternehmen/Unternehmern weiter einschränken – volks- wie betriebswirtschaftlich katastrophal!

    Beide Maßnahmen sind für das eigentlich verfolgte und allseits begrüßte Ziel (Stärkung des Schutzes von Kleinanlegern) denkbar ungeeignet. Es wird das Gegenteil des tatsächlich Gewollten erreicht: Kleinanleger verlieren den Zugang zur Assetklasse „Private Equity / Venture Capital“ und eine Möglichkeit, ihre Anlagen zu diversifizieren. Im übrigen: weder das Werbeverbot noch die Rücksendungverpflichtung findet sonst im eCommerce irgendein Vorbild. Warum hier?

    P.S.: Ab wann wird eigentlich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, Anleger auf das massive Verlustrisiko aufmerksam zu machen, das Zeichner von Bundesanleihen im Falle von Zinserhöhungen haben ?