London sieht sich als Crowdfunding-Hauptstadt der Welt

UK-NewsLondon macht auf dicke Hose und sieht sich selbst als “The World’s Crowdfunding Capital”. Die Politik brüllte das in Person des Finanzministers George Osborne in der letzten Woche geradezu heraus:

“We stand at the dawn of a new era of innovative finance. Setting the objective of the UK leading the world, London has become the world capital of crowdfunding. The technologies being developed today will revolutionize the way we bank, the way we invest, the way companies raise money. It will lead to new products, new services, new lenders.”

Auch die Daten scheinen die These, dass London eine Welthaupstadt in Sachen Crowdfunding sein könnte, zu bestätigen. Nach Angaben von The Crowdfunding Centre ist London die Stadt, von der die meiste Crowdfunding-Aktivität ausgehe. Ausgewertet wurden demnach 250.000 Crowdfunding-Kampagnen in diesem Jahr. Gemeint sind wohl reward based-Pitches.

London hat in der Tat einige gewichtige Standortfaktoren

London ist bekanntlich “The City” und nach New York die zweitgrößte Finanzmetropole der Welt. Dazu kommt, dass London gleichzeitig eines der weltweit relevantesten Startup-Hubs ist. Sehr relevante Player aus der Crowdfunding-Szene im UK haben ihren Sitz in London:

Zopa, laut Wikipedia die weltweit älteste und gleichzeitig Europas größte p2p-Lendingplattform, hat ihren Sitz in London. Gleiches gilt für Funding Circle und ratesetter.

Seedrs, die Nummer zwei im Bereich equity based Crowdfunding wurde ebenfalls in London gegründet. Die Nummer eins Crowdcube hat ein immerhin inzwischen ein Büro in London eröffnet.

– Nur die Nummer eins bei den lokalen reward based Crowdfunding-Plattformen crowdfunder.co.uk sitzt nicht in London.

Fazit: Da entsteht eine perfektes Ökosystem rund um das gesamte Crowdfunding-Thema.

Die Politik im UK spielt mit

Anders als in anderen Ländern unterstützt die Politik aktiv das Entstehen und das Prosperieren des neuen Zweiges innerhalb der Finanzindustrie. Da gibt es z.B. ein Business Finance Partnership, das aufgesetzt wurde, um 1,2 Milliarden GBP in den Bereich zu spülen. Ein Teilbereich davon sind Steueranreize für Investments in Startups, die die Schmerzen bei Verlusten deutlich abmildern. Diese Subventionen sind natürlich eine große Hilfe für den Erfolg von Crowdcube und Seedrs.

Von zentraler Bedeutung ist darüber hinaus, eine Crowdfunding-freundliche Regulierung, die sicher noch wichtiger ist als die genannte monetäre Unterstützung.

Wie sieht die Landschaft verglichen damit in Deutschland aus

Wie üblich ist das Leben und auch das Wirtschaftsleben in Deutschland eher dezentral organisiert. Die Finanzmetropole ist Frankfurt. Die wichtigste Startup-Destination ist mit Abstand Berlin. Sie Plattform-Pioniere, die eine Markt führende Stellung innehaben sitzen mit Startnext und Seedmatch in Dresden, was reward based und equity based Crowdfunding betrifft. Auxmoney, die Nummer eins beim p2p-Lending sitzt in Düsseldorf. Das wichtigste Crowdfunding-Medium gar in Bad Iburg, im Osnabrücker Land ;-).

Darüber hinaus “zickt” die Politik rum. Sie hat bis dato nicht so ein günstiges Crowdfunding-Umfeld geschaffen wie im UK. Darüber hinaus wurde ein neuer, sub-optimaler Regulierungsvorschlag unterbreitet, der – umgesetzt in der jetzigen Form – die deutschen Player motivieren würde, nach London umzuziehen, um von dort aus den deutschen Markt besser bedienen zu können als vom Heimatmarkt.

Problematisch ist sicherlich “nur” der Punkt mit dem regulatorischen Rahmen, den die Politik verantwortet. Auch die USA sind ein relevanter Standort beim Crowdfunding. Kickstarter sitzt sogar zufällig auch in New York, dem wichtigsten globalen Finanzplatz. Lending Club, Primus beim p2p-Lending hat sich aber in San Francisco angesiedelt, also eher im Startup-Kontext.

Von London lernen, heißt siegen lernen

Diese provokative Überschrift gilt für die Politik. Niemand muss seinen Firmensitz verlegen. Weder muss auxmoney nach Berlin ziehen noch Seedmatch. Auch braucht die Bankenwelt nicht Frankfurt hinter sich lassen.

Aber die Politik muss einen regulatorischen Rahmen schaffen, so dass man sich als Startup ohne einen teuren Prospekt unterhalb von fünf Millionen Euro Kapital beschaffen kann. Der Investor solle in der Lage sein, einfach über das Internet relevante kleine bis größere Summen zu investieren, ohne mit weltfremden Papierkram behelligt zu werden. Wenn er dann für sein Geld noch echtes Equity bekommt und nicht nur “Krückendarlehen”, die aus der Mottenkiste geholt wurden, um die Regulierung zu unterfliegen, dann ist das toll.

Wenn dann noch Investments in Startups – wie im UK – die Steuerlast reduzieren könnten, dass wäre das noch großartiger und könnte helfen, auch Städte wie Berlin, Dresden oder von mir aus auch Düsseldorf zu großen lokalen Crowdfunding-Leuchttürmen zu machen. Es muss ja nicht immer gleich eine Welthauptstadt sein. Aber es wäre schade, wenn sich deutsche Startups in Zukunft ihr Startkapital in London abholen müssen, weil die hiesige Politik es vermasselt.

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