„Crowdfunding Berlin ist das neue Überblicksportal über Crowdfunding und Crowdinvesting in Berlin.“ – Interview mit Jens Thomas

crowdfunding-BerlinKlaus-Martin Meyer: Jens, Du bist einer der Macher von crowdfunding-berlin.com. Könntest Du dich und die Plattform bitte kurz vorstellen?

Jens Thomas: Ich bin Jens Thomas und betreue seit 2012 redaktionell die Plattform www.creative-city-berlin.de und seit Anfang 2014 auch www.crowdfunding-berlin.com bei Kulturprojekte Berlin GmbH. Crowdfunding Berlin ist das neue Überblicksportal über Crowdfunding und Crowdinvesting in Berlin. Das Hauptaugenmerk liegt auf Berliner Projekten und auf der Vermittlung von Wissen: Dazu bilden wir aktuelle Berliner Crowdfunding-Projekte aus den kreativen Branchen, dem Medien- und IKT- Bereich und der Kulturellen Bildung ab, stellen relevante Portale und Akteure vor, vernetzen und vermitteln Wissen. Das Projekt wird von der Kulturprojekte Berlin GmbH auf Initiative der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung realisiert, entstanden ist das Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Partner-Portalen und Netzwerken.

Klaus-Martin Meyer: Die Aufzählung der beteiligten „Parteien“ liest sich wie ein Auszug eines Public-Private-Partnership. Wie kam diese Zusammenarbeit zu Stande? Kann man da eine Blaupause zeichnen, damit andere Städte Eurem Vorbild erfolgreich nacheifern können?

Jens Thomas: Am Anfang stand die Frage: Was kann das Land Berlin für die Crowdfunding-Szene Berlin tun? Sollte sie sich überhaupt in einen solches Feld der Selbstfinanzierung einmischen und wenn ja, wie? Dazu haben wir Anfang 2012 alle Stakeholder – die damaligen Netzwerke und Plattformen – befragt. Klar war schnell, dass sich die Szene kein weiteres Crowdfundig-Portal wünscht, das in Konkurrenz tritt zu den bereits bestehenden Portalen tritt. Gewünscht wurde eine Anlaufstelle, die Projekte, Portale und Netzwerke in der Stadt bündelt und Diskussionen zum Thema Crowdfunding ermöglicht. So ist Crowdfunding Berlin entstanden. Crowdfunding Berlin ist eine Art Crowdfunding-Aggregator für den Berliner Raum. Und so wie sich der Markt entwickelt, wird sich auch das Portal weiter entwickeln. Wenn andere Bundesländer nachziehen wollen, gerne. Erste Vorhaben sind ja bereits auf dem Weg mit http://crowdfunding-dresden.de.

Klaus-Martin Meyer: Wie ist die Resonanz aus der Berliner Szene in Bezug auf die Plattform?

Jens Thomas: Die Resonanz ist bislang sehr gut.

Klaus-Martin Meyer: Jens, was ist Dein Eindruck im Hinblick auf die Relevanz von Crowdfunding für die Berliner Kulturszene? Kann man das in irgendeiner Weise quantifizieren?

Jens Thomas: Konkrete Zahlen nur für den Berliner Raum gibt es nicht, man kann das dennoch einigermaßen quantifizieren. Sowohl Crowdfunding als Crowdinvesting sind ein wachsender Markt, das gilt auch für Berlin. Vergleicht man aber Crowdfunding, also den reward based Bereich, mit Crowdinvesting (equity based Crowdfunding), entwickelt sich der Bereich Crowdinvesting im Sinne reiner Wertschöpfung wesentlich dynamischer – gegenwärtig haben wir ein durchschnittliches Finanzierungsvolumen von rund 280.000 Euro pro Projekt/Unternehmen durch Crowdinvesting in Deutschland. Das Crowdinvesting ist aber nur für einen kleinen Teil kultureller Projekte interessant. Das Gros der Kulturprojekte sind keine Wachstumsunternehmen, die eine Rendite versprechen. Für sie ist vor allem das reward based Crowdfunding eine Möglichkeit zur Zusatzfinanzierung. Ich betone: zur Zusatzfinanzierung. Denn das Durchschnittsvolumen liegt pro erfolgreichem Projekt in Deutschland zwischen 6.000 – 8.000 Euro. Damit lässt sich in der Regel weder ein ganzes Projekt finanzieren noch ein einziger Arbeitsplatz sichern. Crowdfunding dient vor allem der Anschubs- und Zusatzfinanzierung oder um ein temporäres Projekt zu realisieren, es ersetzt keine der anderen Formen der Kulturförderung. Über Crowdfunding kann man seine Idee oder ein Produkt testen, um zu wissen, ob die Idee auf dem Markt funktioniert. Das Crowdfundung kann auch eine gute Medienkampagne sein, wenn man es richtig anstellt.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss die Frage nach Euren Plänen für crowdfunding-berlin.com. Was ist von Euch in diesem Jahr noch zu erwarten?

Jens Thomas: Wir bauen die Plattform redaktionell permanent aus und holen neue Partner und Plattformen mit ins Boot. Und weil immer mehr kulturelle Projekte, Träger und auch Institutionen Crowdfunding für sich entdecken, wollen wir die Crowdfunding-Szene mit der für die klassischen Formen der Kulturförderung und Kulturfinanzierung zuständigen Kulturverwaltung vernetzen. Einen Termin, zu dem auch Kulturstaatssekretär Tim Renner kommt, gibt es bereits. Wir sind gespannt, was dabei raus kommt.

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