Wie sieht die “Mutter aller Crowdfunding-Plattformen” aus?

Mutter aller Crowdfunding-PlattformenEs wird aktuell in der Crowdfunding-Szene unter Investoren durchaus kritisch diskutiert, dass Crowdfunding-Plattformen Startups zu potentiell zu hohen Bewertungen platzieren und dass Startups danach ausgewählt werden, ob das Funding gewissermaßen “abgeht” oder auch nicht. Beide Sachverhalte sind zusammen mit anderen nicht zwingend im Interesse der Crowd. Ausgehend von diesem Aufhänger hat sich die Crowdstreet-Redaktion einmal die Frage gestellt, ob es eine Plattform-Konstruktion gibt, die gewissermaßen die beste aller Crowdfunding-Welten in sich vereinigt. Ein Blick in die große weite Crowdfunding-Welt zeigt Ansätze, die helfen können. Alle Plattformen sollten sich durchaus Gedanken machen, ob es Sinn macht, alle oder auch nur einzelne dieser Elemente (ggf. auch nur Fallweise) zu implementieren.

Allgemeine Vorraussetzungen einer “Über-Plattform”

Die ideale Plattform weist die folgenden allgemeinen Kriterien aus:

– eine riesige Crowd
– ständig eine große Anzahl an Crowdfundings, die eine breite auch inhaltliche Risikostreuung ermöglicht
– Angebot unterschiedlicher Assetklassen: Startup-Finanzierung, Crowdlending, Immobilien
– Gute Kommunikationskanäle, um Austausch von und mit der Crowd zu stimulieren
– Plattform untersteht der Regulierung des jeweiligen Landes

Ansätze, um Interessenverteilung aller beteiligten Stakeholder zu erreichen

Um einen bestmöglichen Interessenaustausch zwischen allen Beteiligten Stakeholdern beim equity based Crowdfunding zu erreichen, werden an dieser Stelle Praxisbeispiele von Plattformkonstruktionen vorgestellt, die spezielle Elemente aufweisen, die im Hinblick auf den Interessenausgleich aus Sicht der Redaktion Vorbildcharakter haben. Eine Plattform, die alle genannten Elemente aufweist, gibt es freilich leider nicht.

Plattform verdient auch am Exit und nicht “nur” an der Platzierung

Verdient eine Plattform ausschließlich Provisionen für die Platzierung eines Crowdfundings, dann besteht das Risiko, dass der Marktplatz solche Finanzierungen bevorzugt, die gerade “fliegen” bzw. die gerade in Mode sind. Hier könnte es von Vorteil sein, sofern die Plattform im Gegenzug für niedrigere Gebühren (im Interesse von Startup und daher auch von Investoren) an Exiterlösen beteiligt wird. Dies gibt den Anreiz bei Due Diligence und Auswahl der Startups besser hinzugucken.

Beispiel für eine Plattform, die so verfährt: Seedrs

Wie kann eine Plattform glaubhaft machen, dass diese tatsächlich an die Erfolgsträchtigkeit eines Startup glaubt?

Der beste Beleg dafür, dass eine Crowdfunding-Plattform wirklich an ein Startup glaubt, ist wenn diese selber wie ein VC agiert und selbst in die auf der eigenen Plattform präsentierten Firmen investiert (im Interesse der Startups und der Investoren).

Beispiel für eine Plattform, die so verfährt: OurCrowd

Weitere Form der Validierung der Erfolgsträchtigkeit eines Startups: Co-Investoren

Eine weiteres Signal dafür, dass das Investment in ein Startup besonders lukrativ sein könnte, sind erfahrene Co-Investoren, die bereit sind, mit der Crowd gemeinsam signifikant ins Risko zu gehen. Ideale Co-Investoren sind z.B. engagierte Business Angels mit Branchenerfahrungen oder strategische Investoren aus einer Branche wie z.B. traditionelle Player in einem ähnlichen Geschäftsfeld. Hier sind insbesonders Firmen gemeint. Sind solche privaten und/oder institutionellen Investoren da, die mittels größerer Investments ihr Commitment validieren, wird das auch Einfluss auf das empfundene Sicherheitsbedürfnis der Kleinanleger haben. Außerdem haben die Co-Investoren, die mit größeren Summen einsteigen ein besonderes Interesse das Startup auch als Mentor zu unterstützen. Darüber hinaus haben solche Investoren tendenziell mehr Verhandlungsmacht beim Ringen um eine faire und realistische Bewertung.

Beispiele für Plattformen, die so verfahren: MyMicroInvest, AngelsDen

Pooling von Anteilen

Das Pooling von Anteilen ist vor allem ein Vorteil für das Startup, weil dieses erfolgreich verhindert, dass die Investorenseite “atomisiert”. Dies kann den Einstieg weiterer Investoren vereinfachen. Im Falle von Seedrs im UK wird das Pooling der Anteile auch mit einer erhöhten Verhandlungsmacht gegenüber dem Startup kombiniert. Denn im Pool werden immer nur Aktien mit vollen Stimmrechten gehalten (Im Gegensatz zu Crowdcube, wo man in der Regel nur für sehr große Investments A Aktien erhält).
Der wesentliche Vorteil ist jedoch der erstgenannte, den sich das Startup ggf. aber mit einer besseren Verhandlungsposition der Gegenseite “erkauft”.

Beispiele für Plattformen mit Pooling-Ansatz: Seedrs, Companisto, Fundsters

Sekundärmarkt

Ein Sekundärmarkt ist ein weiterer Baustein für eine “Eierlegendewollmilchsau” unter den Crowdfunding-Plattform. Diese ist natürlich in aller erster Linie für Investoren wichtig, die zwischenzeitlich ein- oder aussteigen wollen. Indirekt ist ein solcher Markt infolgedessen natürlich auch ein Vorteil für das Startup, da ein Funding leichter zu platzieren ist, wenn ein Investor auch aussteigen kann, ohne jahrelang auf einen Exit warten zu müssen. Aber ein Startup kann mit Hilfe eines Sekundärmarktes natürlich auch Anteile wieder zurückkaufen.

Zu guter letzt bietet ein Sekundärmarkt auch die Möglichkeit für die Plattform über Platzierungsfees hinaus Erlöse zu generieren. Wie man hört, haben auf Bergfürst bereits sehr viele Urbanara-Anteile den Besitzer gewechselt. Je nach Höhe der Erlöse aus dem Zweitmarkt hat eine Plattform mehr Spielraum, um mit niedrigen Fees um die besten Startups auf dem eigenen Marktplatz zu konkurrieren.

Fazit: Co-Investoren unter denen sich idealerweise auch die Plattform selber befindet sowie eine Beteiligung der Plattform an Exiterlösen könnten wesentliche Treiber sein, dass es bei den Bewertungen nicht zu Übertreibungen kommt. Poolt die Plattform zudem noch die Anteile der Crowd, kann dies zur Verbesserung der Verhandlungsposition beitragen, aber auch den Startups das Leben vereinfachen. Einnahmen aus dem Handel von Anteilen führen zu Vorteilen auf der Ertragsseite, die helfen könnten, die Gebühren niedrig zu halten.

Aus Sicht der Redaktion sind alle genannten Einzelelemente einer perfekten Plattform strategische Wettbewerbsvorteile gegenüber Plattformen, die die genannten Eigenschaften nicht implementiert haben.

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