Was machen deutsche Crowdfunding-Plattformen besser als diverse internationale Player?

KommentarNachdem auf Crowdstreet bereits diverse Male insbesondere den britischen Plattformen Lob gezollt wurde, muss an dieser Stelle auch einmal Erwähnung finden, was in Deutschland einfach besser gemacht wird. Dies ist das Thema Mindestinvest. Mehr oder weniger alle Plattformen haben einen Mindestinvest, mit dem auch kleine Crowdinvestoren leben können. Seedmatch und Bergfürst haben die Einstiegsmarke auf 250 Euro gesetzt, bei Companisto geht es mit fünf Euro los. Wer aktuell bei Fundsters loslegen will, ist mit einem (!) Euro dabei. Das sind Summen, mit denen man auch dann hantieren kann, wenn man nur ein kleines Portemonnaie hat und dennoch das Erfordernis der Portfoliobildung erkannt hat.

Einige internationale Plattformen/Startups verhalten sich so wie Banken früher

Was auf einigen internationalen Plattformen auffällt, ist das Phänomen, dass man – wie z.B. auf Crowdcube – bei einer ersten Finanzierungsrunde durchaus mit kleinen Einsätzen zum Zuge kommt, dass bei Folgefinanzierungen dann aber plötzlich ganz andere Summen gefordert werden. Bei Crowdcubes Eigenfundings traf dies z.B. in besonderer Weise zu. Zum Start konnte man mit 10 GBP dabei sein, bei den Runden zwei und drei, wurden aber bereits jeweils 1000 GBP gefordert. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch sah es bei den ersten beiden Runden zur Selbstfinanzierung von FundetByMe aus.

Hohe Mindestinvests unglücklich für die internationale Crowd

Wenn bei einem ersten Fundings kleines Geld reicht, bei der Folgefinanzierung von den Startups höhere Investments gefordert werden, dann kann das durchaus als eine Art Geringschätzung der eigenen Crowd interpretiert werden. Besonders für Bestandinvestoren sollte man hier umdenken. Hohe Mindestinvests sind aber vor allem für internationale Investoren unglücklich, da diese in der Regel das Risiko auf ausländischen Plattformen höher einschätzen.

Unglückliches Beispiel: eureeca

Das wahrgenommene Risiko dürfte bei den Crowdinvestoren besonders hoch sein, wenn ein Investments außerhalb der Europäischen Union platziert werden sollen. Zu Testzwecken hat die Redaktion einmal 100 US-Dollar an die Plattform eureeca transferiert. Das Geld lungert dort seit Wochen rum und konnte noch nicht investiert werden, weil alle aktuellen Finanzierungen ein Mindestinvest einforderten, was oberhalb der 100 Dollar lag, was vorher so nicht auf Anhieb einsehbar war und wovor bei der Kontoaufladung auch nicht gewarnt wurde.

Der Fintech-Sektor sollte es eigentlich besser wissen und können!

Die Crowdfunding-Plattformen fühlen sich selbst in der Regel dem Fintech-Sektor zugehörig, wo man oft mit einer gewissen Geringschätzung auf den Bankensektor herabblickt. Dort sind aber z.B. bei Fondsparplänen (wenn auch monatliche) Mindestinvestments von nur 50 Euro in der Regel klein Problem. Technologisch hochgerüstete Plattformen und Startups sollten im 21. Jahrhundert auch mit den Investments von Kleinstinvestoren kein Problem haben. Es besteht also keine Notwendigkeit hinter die Gepflogenheiten des Bankensektors zurückzufallen.

Welche Vorteile bieten kleine Einstiege für die Plattformen?

Kleine Einstiegssummen bieten insbesondere für die Plattformen selber den Vorteil, dass mehr Leute auch ein Portfolio aufbauen und somit die Kundenbindung verbessert wird. Auch Einmalinvestoren, die ursprünglich vielleicht nur ein Startup aus dem Bereich “Friends & Family” unterstützen wollten, lassen sich dann vielleicht eher zu Folgeinvestments anstecken.

Fazit: Gerade um internationales Publikum anzulocken, sollten die Plattformen ein möglichst kundenorientiertes (niedriges) Mindesinvest festlegen.

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