Interview mit Martin Seißler zum startnext-Crowdfunding für Velogista

VelogistaKlaus-Martin Meyer: Martin, Du bist der Initiator, Gründer und Vorstand von Velogista. Kannst Du dich und dein Projekt kurz vorstellen?

Martin Seißler: Ja, gerne! Mein Name ist Martin Seißler, ich bin Wirtschaftssinologe und war als Energieberater tätig. Zusammen mit Sabine Föppl und Roland Naumann bin ich Vorstand der Genossenschaft Velogista, deren Gründungsprozess in den nächsten Monaten abgeschlossen sein dürfte. Wenn es soweit ist, sind wir die erste Genossenschaft, das erste Unternehmen überhaupt, das Schwertransporte (bis zu 250kg bzw. eine Euro-Palette) mit Elektro-Lastenrädern anbietet und damit effektiv konventionelle Lieferfahrzeuge in der Stadt ersetzen kann. Wir haben vor, die Entwicklung anzustoßen und mitzutragen, dass die Güter, die mit Lastenrädern transportiert werden können – und das sind mehr als die Hälfte des Gesamtaufkommens in der Stadt – in Zukunft auch mit Lastenrädern transportiert werden. Damit tragen wir durch die Reduzierung von Abgasen und Lärmemissionen zur Steigerung der Lebensqualität aller und zur Verkehrsentlastung in der Stadt bei.

Klaus-Martin Meyer: Das klingt nach einem ambitionierten Projekt. Bekommt Ihr da noch weitere Unterstützung in Form von „Manpower“?

Martin Seißler: Tatsächlich besteht unser Team aus zahlreichen Unterstützern und Unterstützerinnen, die momentan noch unentgeltlich für Velogista arbeiten. Momentan können nur die Fahrer auf Minijob-Basis nach Mindestlohn bezahlt werden. Weil wir als Genossenschaft organisiert sind und Mitbestimmung und Teilhabe in einem Unternehmen für zentrale Bestandteile halten, wollen wir keine Großfinanzierer, die renditeorientiert wirtschaften. Dies hätte zur Folge, dass sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und die Arbeitsbedingungen Renditezielen unterordnen müssen – wir sind der Ansicht, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss ohne dass die Umwelt dabei unnötig strapaziert wird.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht es denn dann mit Eurer Finanzierung aus, wenn konventionelle Finanzierungsmodelle wegfallen?

Martin Seißler: Zum einen finanzieren wir uns über Genossenschaftsanteile. Inzwischen sind wir bereits knapp 40 Genossen, die zusammen mit Darlehen 40.000€ aufgebracht haben. Mit diesem Geld konnten wir unter anderem zwei elektrisch unterstützte Lastenrad-Prototypen kaufen mit denen wir bereits Lieferungen für Gewerbe und Privatpersonen in Berlin vornehmen. Aktuell läuft bis zum 19. November auch eine Crowdfunding-Kampagne, bei der man uns durch den Kauf eines Dankeschöns unterstützen kann. Zu finden ist unser Projekt auf https://socialimpactfinance.startnext.de/velogista. Wir hoffen 20.000 Euro für den Kauf eines weiteren Prototypen und den Aufbau einer professionellen Werkstatt einsammeln zu können um so endlich die optimale Konfiguration für ein Elektro-Lastenrad zu finden, das allen noch so widrigen Straßenverhältnissen dauerhaft gewachsen ist. Wenn es richtig gut läuft und wir 45.000 Euro erreichen können, ist der Kauf eines weiteren Prototypen und die Weiterentwicklung unserer Software geplant.

Klaus-Martin Meyer: Habt ihr neben der Crowdfunding-Kampagne noch weitere konkrete Ziele oder Pläne für die nächste Zeit?

Martin Seißler: Die Crowdfunding-Kampagne hat momentan Priorität. Generell ist jedoch unser erklärtes Ziel ab der Mitte nächsten Jahres sechs Elektro-Lastenräder in Betrieb zu haben und mit dem erwirtschafteten Geld wenigstens drei, bestenfalls vier fest angestellte, nach Mindestlohn bezahlte Mitarbeiter*innen bezahlen können. Um dieses Ziel zu erreichen ist einerseits natürlich eine Anstoßfinanzierung nötig, andererseits natürlich auch die Weiterentwicklung unserer Kerndienstleistung und die kontinuierliche Kundenakquise und -pflege. Eine der Hauptaufgaben und Schwierigkeiten ist natürlich, Weiterentwicklung auf der einen und Kontinuität auf der anderen Seite mit unentgeltlich arbeitenden und hin und wieder wechselnden Mitstreiter*innen zu organisieren. In diesem Punkt entscheiden wir uns nicht wirklich von anderen Startups. Es gilt, Velogista von einer Initiative hin zu einem Unternehmen zu entwickeln und auf diese Weise zu lebenswerteren Städten und einer entspannteren Verkehrssituation beizutragen.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.