„Wir bieten nicht nur Lückenfinanzierung für Produktionen an, sondern auch eine Vollfinanzierung.“ – Interview mit Tim Menapace zum Start der Crowdfunding-Plattform Filmkraut

filmkrautKlaus-Martin Meyer: Tim, Du bist Geschäftsführer der Firma Filmkraut GmbH. Könntest Du dich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Tim Menapace: Ich selbst habe Medienwissenschaften & Informatik in Bayreuth studiert, habe bei einigen Filmproduktionen mitgewirkt und war als freier Journalist tätig. Bei Filmkraut bin ich für Marketing & PR zuständig. Wir bieten eine Online-Plattform zur Filmfinanzierung, welche Produzenten auf der Suche nach Finanzierung und Investoren, auf der Suche nach spannenden Investments verbindet. Als Filmfan bin ich mit meinem Investment an den späteren Erlösen der Produktion beteiligt, wir nennen das Crowdinvesting.

Klaus-Martin Meyer: Ihr seit der zweite Player im Markt zudem dürften Kickstarter, Indiegogo, startnext etc. eine gewisse Konkurrenz darstellen. Warum kommen zukünftig Filmemacher und Crowdinvestoren auf Eure Plattform?

Tim Menapace: Wir bieten nicht nur Lückenfinanzierung für Produktionen an, sondern auch eine Vollfinanzierung. Zudem sind wir keine „Gatekeeper“, d.h. bei uns entscheidet die Crowd welche Filme sie zukünftig sehen will, indem sie investiert. Falls die Fundingschwelle nicht zustande kommt geht das Geld zu 100% zurück an die Investoren. Nicht nur Kinofilme sondern jegliches Format und Genre sind bei uns möglich.

Klaus-Martin Meyer: Dieser Tage wurden den Stromberg-Investoren die erste Rendite ausgezahlt. Diese war – angesichts des Risikos – ziemlich dürftig. Sind Filme überhaupt ein gutes Investment?

Tim Menapace: Wir sehen zwei Investorengruppen. Zum einen der klassische Fan, welcher überwiegend aus emotionalen Gründen investiert. Als kleiner Co-Produzent kann er hinter die Kulissen blicken und er kann von sich behaupten, dass er den Film erst möglich gemacht hat. Der renditeorientierte Investor nutzt (übrigens nicht erst seit Crowdinvesting) Medienproduktionen und andere Hochrisikoinvestments zur Diversifizierung seines Portfolios. Denn auch im deutschen Filmmarkt gibt es Produktionen welche exorbitante Margen vorweisen.

Klaus-Martin Meyer: Bis dato ist mir keine spezialisierte Crowdfunding-Plattform bekannt, die ausreichend Volumen realisiert, dass der jeweilige Marktplatz für sich auch als Geschäftsmodell funktioniert? Was sind da Eure Pläne?

Tim Menapace: Zunächst sind wir auf rein deutsche und deutsche Koproduktionen ausgerichtet. Eine Internationalisierung ist angedacht, sobald wir merken, dass der Filmmarkt die Crowd als Finanzierungsinstrument akzeptiert.

Klaus-Martin Meyer: Welche Form des Beteiligungsvehikels habt Ihr gewählt und warum?

Tim Menapace: Filmkraut bietet ein partiarisches Nachrangdarlehen. Somit steht der Mikroinvestor auf Höhe des Produzenten bei den Rückflüssen, im sogenannten 1. Rang. Der Produzent kann die Gelder der Crowd als Eigenmittel geltend machen. Ein vertragliches Mitspracherecht der Crowd besteht nicht, dies war uns wichtig, da es gerade beim Film bereits genug Geldgeber gibt, welche in die Drehbücher/Produktion reinreden. Zudem können wir mit dem Nachrangdarlehen die Prospektpflicht umgehen und die 100.000€ Grenze überzeichnen, so dass auch größere Produktionen finanziert werden können.

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