„EXPORO hat sich zu 100% auf Immobilienprojekte spezialisiert.“ Interview mit Julian Oertzen (EXPORO AG)

exporoKlaus-Martin Meyer: Herr Oertzen, Sie sind Teil des Teams, dass in Kürze EXPORO starten wird. Könnten Sie sich und die neue Plattform bitte kurz vorstellen?

Julian Oertzen: Als einer von vier Vorständen und Co-Gründer der EXPORO AG bin ich neben PR für den Bereich Operations und Unternehmensentwicklung verantwortlich. In den Jahren vor EXPORO habe ich als Unternehmensberater gearbeitet, unter anderem bei BCG, und war technischer Geschäftsführer eines CleanTech Startups.

EXPORO (Exporo.de) öffnet den attraktiven Markt für Immobilienprojektfinanzierung für Jeden (dieser war bisher vorwiegend nur für Großinvestoren ab ca. 1 Mio. € und Beteiligungsgesellschaften zugänglich) und ermöglicht direkte, transparente Investments in Immobilien bereits ab 500€. Dazu vermittelt EXPORO Mezzaninekapital an Projektträger zur Finanzierung eines konkreten Immobilienprojekts. Dieses Projekt wird auf EXPORO.de präsentiert und für die Crowd zum Investieren freigegeben. Die Crowd investiert und nach Ablauf der vereinbarten Zeit (meist 2 – 3 Jahre) bekommt der Crowd-Investor sein Geld samt Zinsen zurück. Es gibt kein Agio oder andere versteckte Abschlusskosten.

Klaus-Martin Meyer: Immobilien-Crowdfunding könnte soetwas wie „the next big thing“ in Sachen Crowdfunding werden. Companisto und Bergfürst kamen aus einer anderen Ecke des Marktes, sind jetzt aber auch mit Immobilien-Projekten präsent. Eine amerikanische Plattform kommt offenbar in Kürze nach Deutschland. Wie schätzen Sie den Gesamt-Markt ein.

Julian Oertzen: Der Markt beginnt gerade sich zu entwickeln. Sowohl in den USA als auch in Deutschland gibt es seit ca. 2 Jahren einzelne Plattformen, die sich mit dem Crowdinvesting in Immobilien beschäftigen. In Deutschland verlief die Entwicklung jedoch sehr schleppend im Gegensatz zu der Entwicklung in den USA, was man sowohl an der Anzahl der Immobilienprojekte auf den Plattformen als auch an der Höhe der Fundings der Startup ablesen kann. Dass die USA Deutschland in innovativen Onlinelösungen etwas voraus sind, ist normalerweise nichts ungewöhnliches, jedoch verwundert es schon in Anbetracht der gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Crowdinvesting in Immobilien. Denn hier haben die USA wesentlich strengere Auflagen, da nur akkreditierte Investoren mit einem sehr hohen Einkommen oder großem Vermögen als Investoren zugelassen werden. In Deutschland bestehen heute Crowdinvesting-freundliche Bedingungen. Wahrscheinlich wird sich dies jedoch nächstes Jahr umkehren, da die USA ihre Gesetze erheblich lockern werden und wir in Deutschland wohl das Kleinanlegerschutzgesetz bekommen.

In Zukunft erwarten wir vor allem neue deutsche Plattformen auf dem deutschen Markt. Neben denen von Ihnen genannten Plattformen wissen wir noch von zwei Weiteren die in den nächsten Monaten Launchen werden. Und das ist nicht verwunderlich, da der Markt sowohl auf der Crowd-Seite als auch auf der Projektträger-Seite gute Rahmenbedingungen bietet: Die Privatinvestoren sehen sich mit immer niedrigeren Zinsen bei nahezu allen Anlageformen konfrontiert, so dass es bei der momentanen Niedrigzinspolitk kaum attraktive Investitionsmöglichkeiten gibt. Auf der anderen Seite sorgen Basel II und III dafür, dass die Banken immer zurückhaltender bei der Kreditvergabe werden und somit die Projektträger alternative Finanzierungsquellen erschließen müssen. Schaut man dann noch auf das Umsatzwachstum von Crowdinvesting und Crowdlending in 2012 bis 2014 von ungefähr 100% pro Jahr, so bin ich der Meinung, dass wir in den nächsten Jahren ein sehr starkes Wachstum auch im Bereich des Crowdinvesting für Immobilienprojekte sehen werden.

Klaus-Martin Meyer: Wie wird innerhalb dieses noch jungen Marktes die Positionierung von EXPORO erfolgen?

Julian Oertzen: EXPORO hat sich zu 100% auf Immobilienprojekte spezialisiert. Sie werden bei uns weder Crowdfunding für andere Startups noch Projekte im Bereich Erneuerbare Energien oder ähnliches finden. Wir sind der Meinung, dass jedes Themengebiet viel spezifisches Wissen erfordert, um eingehende Projekte bewerten zu können, damit nur solide und nachhaltig wirtschaftende Projekte zum Crowdinvesting zugelassen werden. Hierzu haben wir einen Immobilienexperten und einen Immobiliengutachter mit zusammen über 33 Jahren Berufserfahrung im Team.

Klaus-Martin Meyer: Das Mindestinvestment liegt bei 500€. Von welchen Überlegungen haben Sie sich da leiten lassen?

Julian Oertzen: Wir wollen Jedem die Chance geben in Immobilien zu investieren und so an diesem Markt mit einem sehr guten Rendite/Risiko-Verhältnis zu partizipieren. Konsequenterweise würde das zu einem Mindestinvestment von 1€ führen. Gleichzeitig sehen wir jedoch gewisse Fixkosten pro getätigter Investition, so dass wir momentan nicht unter 500€ gehen können. Ich will jedoch nicht ausschließen, dass wir diese Schwelle in Zukunft nach unten anpassen.

Klaus-Martin Meyer: Die Etablierung eines funktionierenden Internet-Marktplatzes ist die hohe Kunst im Online-Marketing. Wie werden Sie Angebot und Nachfrage auf die Plattform ziehen?

Julian Oertzen: Mit EXPORO bauen wir eine Brücke zwischen Privatinvestoren und Immobilienprojektträgern, und haben es hier mit sehr unterschiedlichen Marktteilnehmern zu tun. Durch einen Mix aus Pressearbeit und spitz-ausgerichtetem Online-Marketing versuchen wir Privatinvestoren für unsere Projekte zu gewinnen. Mit klassischem Keywort Marketing ist es in unserem Segment nicht leicht zu skalieren. Auf der einen Seite ist das Suchvolumen im Bereich „Crowdfunding“ noch eher gering, auf der anderen Seite sind im Bereich der traditionellen Immobilieninvestments (Fonds, etc) die Klick-Preise sehr hoch. Neben aktiver PR wollen wir durch sinnvollen Content punkten. Wir haben die Mission unabhängig von unserem Produkt User für den Bereich Immobilien zu begeistern (Content-Marketing). In der Verbreitung werden wir hierbei auf Social-Media aber auch gezieltes Banner Advertisement setzten.

Für Immobilienprojekte gehen wir Deutschlandweit persönlich auf ausgesuchte Projektträger zu und setzen zusätzlich auf einen steigenden Bekanntheitsgrad unserer Plattform um passiv Projekte zu akquirieren.

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