Liebe Plattform-Betreiber: Wir brauchen Gamification-Elemente

KommentarAusgangsbeobachtung dieser Forderung ist der Sachverhalt, dass man als Investor in der Regel nur durch neue Crowdfundings oder sporadische Infos seitens der Beteiligungen auf die Plattformen gelockt wird. Dies passiert bei den britischen Plattformen Crowdcube und Seedrs aufgrund der höheren Frequenz sicher häufiger als auf den hiesigen Plattformen. Aber auch dort müssen zusätzliche “Gamification-Elemente” das Wiederkommen auf die Plattformen verstärken.

Nuztungsdauer kein Selbstzweck

Nun ist die reine Nutzungsdauer kein Selbstzweck, das ist klar. Dennoch gibt es gute Gründe, warum es sinnvoll ist, Anreize für eine stärkere Nutzung der Plattformen zu setzen. Viele Crowdinvestoren wollen sich einbringen, und auch mental an der Entwicklung eines Startups und der Schwarmfinanzierung an sich teilhaben. Aus diesem Grunde sollten die Plattformbetreiber alles tun, damit im Investorenbereich eine lebhafte Diskussion auf der Ebene der Seiten der Startups entsteht. Bisher ist das in den meisten Fällen ziemlich dürftig. Und das liegt nicht unbedingt nur an den Startups. Auch die Investoren sind zuweilen recht lethargisch. Bisher hat auch noch keine Plattform die Chance gesucht, ein lebendiges Forum zu etablieren, wo über die Entwicklung der Plattform selber und über das Crowdfunding an sich diskutiert wird. Companisto zeigt zwar richtige Ansätze mit seinem Business Club. Es darf aber bezweifelt werden, ob der “gemeine” Companist die Existenz des Clubs überhaupt schon wahrgenommen hat.

Tools müssen Kommunikations-Prozesse unterstützen und stimulieren

Um den Kommunikationsprozess zu unterstützen müssen Tools her, wie z.B. ein Brainstorming-Werkzeug, wie es die Internet-Plattform Bonspin aus Osnabrück bietet. Hier können die Startups dann regelmäßig die Crowd zu Themen befragen und Meinungen einholen. Es gibt in jeder Firma laufend Fragestellungen, die kreativen Input erfordern. In dieser Richtung kommt in systematischer Form von den Startups zu wenig. Solche Prozesse sollten zu einer regelmäßig praktizierten Übung werden, dann fühlen sich die Investoren auch ernst genommen, freuen sich, dass sie sich einbringen können und schauen regelmäßiger vorbei. Wenn das Startup, dann noch die Möglichkeit hat, besonders engagierten Usern Punkte zu geben, die den Status in der Community erhöhen, motiviert dies zusätzlich. Hier sollte langfristig gedacht werden. Sind erst einmal hinreichend Daten gesammelt, können Fundings an besonders engagierte Investoren bevorzugt zugeteilt werden, gesteuert von den Bedürfnissen der Kapital suchenden Firmen.

Skills der Investoren sollten erfasst werden

Analog sollte die Crowd die Möglichkeit erhalten, relevante Informationen wie Fähigkeiten, Job-Titel und Branchen-Zubehörigkeiten preiszugeben, um sich auch inhaltlich interessant für das Netzwerk eines Startups zu machen. Wer weiß, wie populär Crowdfunding in der Zukunft noch wird. Eines Tages könnten ja die Fähigkeiten der Crowd noch wichtiger werden als das Kapital. Wenn dann die Finanzcrowd groß genug ist, sind die Startups in der Lage diese zu selektieren und können entscheiden, dass man beispielsweise bevorzugt Investoren mit Marketing oder PR-Kennnissen akquirieren will. Hier sollen die Plattformen schon einmal auf Vorrat entsprechende Optionen integrieren. Sieht man teilweise auf den Team-Seiten der Crowdfunding-Plattformen die vielen Entwickler, fragt man sich ohnehin, was die bisher den ganzen Tag so tun. Im besten Fall werden die angesprochenen Vorschläge bereits vorbereitet?

Auch ein Sekundärmarkt hat Gamification-Aspekte

Ein Sekundärmarkt hat auch gewisse Parallelen zu einer Gamification. Liest man in p2p-Lending-Foren nach, wie sich hier der ein oder andere Kreditinvestor diebisch freut, dass er einen Kreditanteil zu einem Schnäppchenkurs bei einer Plattform mit existierendem Zweitmarkt erstanden hat, dann hat das – angesichts der vergleichsweise kleinen Summen, um die es geht – durchaus auch einen spielerischen Charakter. Wenn Crowdfunding erst einmal ein Massenphänomen ist, dann wird sich diesbezüglich doch einiger Unterhaltungswert entwickeln, über den man sich auf Plattform internen Foren auch kräftig austauschen kann. Ich hatte auf jeden Fall Spaß dabei, wenn es gelang zu stets zweistelligen Summen Anteile zu verkaufen oder auch zu kaufen.

Fazit: Tools allein reichen nicht, das ist klar. Diese müssen intelligent und anreiz-kompatibel konstruiert sein und sollen auch Spaß machen, so dass durch die beiderseitige Nutzung (Startup und Investoren) noch mehr Fun und Dynamik erzeugt wird. Mit Hilfe solcher Elemente werden Plattformen Wettbewerbsvorteile erzielen können.

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