„Wir sind der festen Überzeugung, dass jedes Projekt durch Crowdfunding finanziert werden kann.“ – Interview mit Dennis Schenkel (CrowdXperts)

crowdxpertsKlaus-Martin Meyer: Dennis, viele Leute in der Szene werden Dich bereits kennen, kannst Du dich dennoch kurz vorstellen?

Dennis Schenkel: Mein Name ist Dennis Schenkel und ich bin Gründer von CrowdXperts. Wir verdienen unser Geld als Berater für Crowdfunding und führen für unsere Kunden unter anderem auch komplette Crowdfunding-Kampagnen durch. Zudem bin ich Vorstandsmitglied des German Crowdfunding Networks und Initiator des CrowdDays, der am 26. März 2015 zum zweiten Mal in Köln und insgesamt zum dritten Mal stattfinden wird. Unser Ziel ist es mit bis zu 800 Teilnehmern in Deutschland die größte Konferenz rund um Crowdfunding und Crowdinvesting auszurichten.

Klaus-Martin Meyer: Mit den CrowdXperts und der Crowd University bearbeitest Du ein interessantes Feld. Ist das Ganze auch schon ein Markt oder ensteht die Nachfrage erst?

Dennis Schenkel: Wir sind der festen Überzeugung, dass jedes Projekt durch Crowdfunding finanziert werden kann. Es kommt nur auf die richtige Strategie und den richtigen Einsatz an. Auch Privatpersonen können so beispielsweise eine Reise, oder die eigene Hochzeit finanzieren. Die Möglichkeiten sind jedoch noch sehr wenigen Menschen bekannt. Die Crowdfunding-Bewegung befindet sich eben noch sehr am Anfang und es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Mit der Crowd University und unseren anderen Produkten möchten wir Menschen die Möglichkeiten des Crowdfundings aufzeigen und einer breiten Masse zeigen, wie man eine erfolgreiche Kampagne aufbaut und durchführt. Mit unserem kostenlosen Workshop der Crowd University möchten wir möglichst viele Menschen ansprechen und ihnen von den Möglichkeiten erzählen. Das Wissen, welches dort vermittelt wird, haben wir über lange Zeit gesammelt und mussten wir uns teilweise durch ausprobieren selber aneignen. Um Crowdfunding im allgemeinen weiter zu bringen, möchten wir es aber kostenlos teilen, auch wenn anderorts viel Geld für entsprechende Workshops verlangt wird.

Klaus-Martin Meyer: Mit Sonim und EnBW tauchen in meiner Wahrnehmung erstmals große Firmen auf Crowdfunding-Plattformen auf. Hinter einer ePaper-Uhr auf einer japanischen Plattform soll angeblich Sony stecken. Rufen solchen „Blue Chip“-Konzerne auch schon bei Dir an? Wenn nicht: Welche Entwicklungen siehtst Du in diesem Bereich?

Dennis Schenkel: Es verwundert mich nicht, dass auch große Unternehmen die Möglichkeiten des Crowdfundings für sich entdecken. Mit einem solchen Schritt kann ein Produkt sehr einfach in das Herz der Masse gepflanzt werden und ein gigantischer Marketing-Effekt kann erreicht werden. Gleichzeitig wird das Risiko für ein neues Produkt reduziert und da die Crowd einen Teil der Finanzierung trägt, ist das benötigte Investment nochmal geringer.

Ich nehme an, dass immer mehr Konzerne diesen Schritt gehen. Zunächst verdeckt durch „Scheinfirmen“, aber in Zukunft wird es zum guten Ton gehören die Crowd an einem neuen Produkt teilhaben zulassen.

Klaus-Martin Meyer: Was werden aus Deiner Sicht im kommenden Jahr die spannendsten Entwicklungen im Crowdfunding im Allgemeinen sein?

Dennis Schenkel: Es werden immer mehr Nischen entstehen und für immer mehr Projekte wird es einfacher Crowdfunding zu nutzen. Besonders der Mittelstand wird sich immer mehr trauen das Thema zu bearbeiten. In meinen Augen ist das nur der logische nächste Schritt. Bis jetzt bewegten wir uns am Markt für Early-Adopter, also die Startup-Szene. Nun da Crowdfunding immer massentauglicher wird, schaut auch der Mittelstand immer interessierter.

Bis jetzt war per Crowdinvesting investiertes Geld immer mit einem sehr hohen Risiko verbunden, da es sich primär um Startups handelte, die dann mit dem Geld arbeiteten. In Zukunft wird aber der Mittelstand große Teile dieses Geldes erhalten und ein 70 Jahre altes Unternehmen weiss einfach, wie es zu haushalten hat. Eine überraschende Insolvenz ist dann kein so wahrscheinliches Risiko mehr. Folglich wird das Gesamtrisiko runter gehen und (Equity-)Crowdfunding wird auch für kapitalstärkere Investorengruppen interessant.

Vielleicht sind wir sogar irgendwann an dem Punkt angelangt, an dem Crowdinvesting durchaus eine alternative zur herkömmlichen Altersvorsorge geworden ist. Das wird allerdings mit Sicherheit nicht im kommenden Jahr geschehen.

Klaus-Martin Meyer: … und was wird bei Dir im kommenden Jahr im Fokus stehen?

Dennis Schenkel: Im ersten Quartal wird natürlich der CrowdDay einen Großteil unserer Aufmerksamkeit beanspruchen, aber wir wollen dennoch auch weiter für unsere Kunden arbeiten. Wir freuen uns sehr über das wachsendes Interesse an unserer Arbeit und wollen wenn möglich weiter wachsen. Zudem möchten wir an Lösungen arbeiten, die allen Projekt-Initiatoren dabei helfen soll, die eigene Kampagne zu einem Erfolg zu machen. Hierzu kann ich noch nichts genaueres sagen, aber wir sehen viele Möglichkeiten rund um das Crowdfunding herum.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.