Besicherung von p2p-Krediten könnte Marktplätzen zu mehr Popularität und emotionaler Bindung verhelfen

Crowdstreet ResearchInnerhalb der Crowdfunding-Welt scheinen aktuell besonders viele neue Plattformen aus dem Boden zu sprießen, die besondere Sicherheiten für die Anleger bereithalten. Hier sind vor alle die Themenfelder Immobilien und Hypotheken zu nennen. Landbay im UK erhöht gerade das Kapital. iFunding in den USA will auf Crowdfunder aktuell zwei Millionen US-Dollar akquirieren. Bergfürst in Deutschland setzt auf Immobilien-Anlagen mit Hilfe von Genussscheinen. Companisto sammelt emsig Geld für die touristische Destination Weissenhaus. In Estland hat mit Estateguru eine p2p-Plattform mit Immobilienbesicherung den Geschäftsbetrieb aufgenommen und im UK werden auf ablrate.com die Kredite mit Flugzeugen, in die man investiert, besichert. Bereits seit 2010 kann man auf auxmoney in Kredite mit KFZ-Besicherung investieren.

Die Plattformen reagieren auf Sicherheitsbedürfnisse der Anleger

Egal ob es sich bei den genannten Plattformen um p2p-Kreditmärkte oder Crowdfunding-Plattformen handelt, bei beiden Modellen reagieren die Betreiber auch auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger. Zwar bringen konventionelle p2p-Plattformen und auch verwandte Crowdfunding-Modelle wie bankless24 oder Bettervest höhere Zinsen. Die damit verbundenen Risiken erfordern aber vom Anleger eine konsequente Umsetzung eines Portfolioansatzes, was sicherlich große Bevölkerungsschichten noch von den Plattformen fernhält. Sicherheiten wie Autos bei auxmoney sollen das wahrgenommene Risiko vermindern und neue Anlegerschichten erschließen.

Besicherung: Chance für neue Geschäftsmodelle und Plattformen

Während eine Besicherung durch die Immobilie im Immobilienkreditbereich auch mental eine Selbstverständlichkeit ist, dürften für Kleinanleger Besicherungen wie bei auxmoney eher ein innovativer Ansatz sein. Die Absicherung eines p2p-Kredites durch ein extrem standardisiertes Massenprodukt ist aber ein wenig emotionaler Sachverhalt. Spektakulärer ist da sicher das Geschäftsmodell von ablrate.com, wo man hohe Zinsen mit einer Besicherung durch echte Flugzeuge verbinden kann. Das ist emotional, macht Spaß und kann auch über die Presse als Geschäftsmodell oder im Freundeskreis als Anlageansatz toll kommuniziert werden.

Besicherung: Symbol für den eigenen Beitrag beim Crowdfunding

Sofern man in ein Wirtschaftsgut investiert, bei dem der Kredit durch selbiges abgesichert wird, hat man eigentlich die ideale Form des Investments und der Absicherung. Dies ist der Fall, wenn man durch den p2p-Kredit eine Immobilie oder wie bei ablrate.com ein Flugzeug mitfinanziert. Dies ist ein idealer Investment Case, da man potentiell die maximale Form der Identifikation mit dem Investment erreichen kann. Wenn man als Crowdinvestor bzw. als p2p-Kreditgeber ein Flugzeug für eine kleine Fluggesellschaft finanziert, ist das eine ganz andere Form des Commitments als wenn man sein Geld einfach nur bei einer Onlinebank abliefert, um einen Zinssatz x für sein Tagesgeld zu bekommen. Offeriert man als Plattform Investments in Flugzeuge (the toys of the boys), bietet das für die Plattform sehr viel mehr Möglichkeiten der Identifikation, als wenn man einfach nur konventionelle p2p-Kredite vermittelt.

Wie wäre es mit einer p2p-Plattform zur Finanzierung von Landmaschinen?

Eine sehr aussichtsreiche Idee könnte aus Sicht der Crowdstreet-Redaktion eine Adaption der ablrate.com-Plattform im Hinblick auf den Landmaschinen-Markt sein. Das Marktvolumen für Landtechnik betrug im Jahr 2013 in der EU 24,8 Milliarden Euro. Der Markt ist riesig und weitgehend lokal und mittelständig strukturiert. Warum also nicht mit Hilfe einer p2p-Plattform den traditionellen Banken in diesem Bereich Konkurrenz machen? Aus der Anlegerperspektive dürfte es ebenfalls sehr attraktiv sein, auf einer solchen Plattform in eine Melkmaschine, einen Mähdrescher oder auch einen Traktor zu investieren, wenn selbige Wirtschaftsgüter als Sicherheit für den Kredit dienen. Das ist viel weniger abstrakt, als einfach nur auf einem konventionellen p2p-Marktplatz zu agieren. Wenn der Landwirt dann noch im gleichen Dorf seinen Hof bewirtschaftet, bleibt das Geld auch noch in der Region und vermutlich könnte man “seinen” Traktor auch live in Augenschein nehmen. Zudem sollte es hinreichend viele Landwirte geben, die kompetent genug sind, ihr liquides Vermögen in den Maschinenpark der Kollegen in anderen Regionen zu investieren.

Idealer Initiator einer solchen p2p-Plattform könnten die Genossenschaftsbanken sein, die im Bereich der Landwirtschaft traditionell recht aktiv sind. Die Volksbanken sollten solche Themen aufgreifen, bevor es branchenfremde Akteure tun…

Konventionelle p2p-Plattformen sollten überlegen, ob es möglich ist, emotionell aufgeladene Formen der Besicherung zu entwickeln. Crowdfunding-Plattformen wie Bettervest, die ohnehin ein emotionelles Produkt vermitteln (Energieeffizienz zum Klimaschutz) sollten ebenfalls prüfen, ob eine entsprechende Form der Besicherung nicht umsetzbar wäre.

Geeignete Besicherungsvehikel sollten hilfreich sein, um neue Zielgruppen für das Thema Crowdfunding zu erwärmen.

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