„Die Begeisterung unserer Nutzer ist riesig.“ – Interview mit Christoph Gärtner (iCrowd)

icrowdKlaus-Martin Meyer: Christoph, Du bist Geschäftsführer der Firma Funky Business (haftungsbeschränkt). Könntest Du dich und die Plattform iCrowd bitte kurz vorstellen?

Christoph Gärtner: Hallo Klaus-Martin! Wie du schon gesagt hat: Ich bin Christoph. Ich habe schon sehr früh angefangen Berufserfahrungen zu sammeln und mich direkt an meinem 16. Geburtstag auf meinen ersten Job beworben und ihn auch an diesem Tag bekommen. Nach dem Gymnasium habe ich freiwillig ein Jahr in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet. Anschließend in Gießen Philosophie, Soziologie und Pädagogik studiert, mit 1.7 abgeschlossen und danach nach Kassel für das Masterstudium gezogen. Funky Business habe ich schon während des Bachelorstudiums in Gießen gegründet. Das war jedoch anders als erwartet.

Klaus-Martin Meyer: Ach ja, wie denn?

Christoph Gärtner: Zwei Dinge aufeinmal zu tun ist nicht besonders gut. Entweder Studium oder Arbeit. Ich konnte nur halbherzig am Unternehmen arbeiten und hab mich dann erstmal auf das Studium konzentriert. Allerdings hatte ich so viel Zeit die Grundidee gründlich und in Ruhe immer wieder zur durchdenken.

Klaus-Martin Meyer: Willst du uns die Grundidee von iCrowd verraten?

Christoph Gärtner: Ja klar! iCrowd beruht auf einer einfachen Grundüberlegung. Ich habe mich ewig gefragt, was ich meinen Kunden verkaufen kann und kam zu der Überzeugung, dass ich nicht die Person bin, die diese Frage beantworten sollte.

Klaus-Martin Meyer: Sondern?

Christoph Gärtner: Der Kunde. Er ist Experte für seine Bedürfnisse und kennt seinen Customer Pain am besten. Die meisten Startups entwickeln jahrelang im stillen Kämmerchen ihr Produkt. Anschließend gehen sie auf den Markt und versuchen es zu verkaufen. Allerdings scheitern an diesem Punkt die Meisten, weil es für ihr Produkt gar keinen Markt gibt. So ist es auch bei Crowdfundings. Das ist die ehrlichste Finanzierungsform die es gibt. Allerdings gilt dort die Maxime: Friss-oder-Stirb! Kunden haben nur die Wahl zwischen kaufen oder nicht kaufen.

Klaus-Martin Meyer: Und ihr macht es anders?

Christoph Gärtner: Ja, weil wir den Markt mit einer ganz anderen Perspektive betrachten. Eigentlich sind alle Startups, die anders als wir handeln, ziemlich egoistisch. Sie wollen nur ihr Produkt rausbringen. Ob es den Leuten, die es später nutzen sollen, auch gefällt, beachten sie meistens viel zu wenig. Ich behaupte, dass es mehr erfolgreiche Startups und Crowdfundings gäbe, wenn Kunden schon vorher, bei der Entwicklung selbst, mitbeteiligt wären und ihre Wünsche in die Produktentwicklung mit einbringen könnten.

Klaus-Martin Meyer: Wenn ich das richtig verstehe, habt Ihr also gewissermaßen das Geschäftsmodell Crowdfunding-Plattform nach hinten um eine „Werkbank“ verlängert. Gibt es schon erste Praxisbeispiele?

Christoph Gärtner: Ja genau. Unsere aktuellste Entwicklung wird ein T-Shirt mit diebstahlsicherer Tasche. Wir haben aber bereits über 17 Ideen eingereicht bekommen und sind auch gerade an drei Entwicklungen dran. Die Begeisterung unserer Nutzer ist riesig. Gerade viele Erfinder, Tüftler und Bastler freuen sich, dass es eine Möglichkeit gibt, dass ihr Produkt Realität werden kann, ohne dass sie dabei ein ganzes Unternehmen aufbauen müssen…mit all dem Stress etc.

Klaus-Martin Meyer: Also mehr Kundenorientierung als zentrales Merkmal? Beteiligt ihr eure Nutzer auch am Erfolg der Produkte?

Christoph Gärtner: Ich würde es vielleicht eher von kundenorientiert zu kundenbasiert bezeichnen. Kundenbasierte Produktentwicklung mit Crowdinnovation. Meine Standard-Pitch Antwort. Und ja, unsere Kunden werden nicht nur am Gewinn jedes verkauften Produktes beteiligt, der Ideengeber bekommt zusätzlich die Anerkennung für seine Leistung und wird für immer als Erfinder gennant. Wir beteiligen unsere Nutzer insgesamt mit 50 % des Gewinnes.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht es bisher im Bereich Community-Building aus? Das ist ein Bereich, den aus meiner Sicht alle Crowdfunding-Plattformen vernachlässigen. Ihr seid darauf angewiesen. Wie geht es voran?

Christoph Gärtner: Das ist eines der wichtigsten Bereiche auf den wir uns gerade fokussieren. Bisher läuft es sehr gut. Wir haben bereits über 350 Nutzer gewonnen und täglich registrieren sich im Durchschnitt 2 bis 3 neue. Das sind natürlich noch nicht die riesigen Zahlen und wir müssen die kritische Masse noch überschreiten. Wenn man unsere Erfolge allerdings im Verhältnis zu den verwendeten Ressourcen sieht, sind unsere Ergebnisse phänomenal. Ich kann ja mal verraten, dass wir bisher insgesamt nur ca. 70 € für Marketing ausgegeben haben. Da wir alles bootstrappen bzw. aus Eigenkapital finanzieren, haben wir gelernt extrem effizient zu sein.

Klaus-Martin Meyer: Habt ihr dann auch eure Website selbst programmiert?

Christoph Gärtner: Ja. Bootstrapping bedeutet leider auch oft viele Dinge zutun auf die man selbst keine Lust hat. Wir mussten von Grund auf lernen, wie so etwas geht. Ich hatte mein Leben lang ja noch nie etwas mit Webdevelopment zutun. Sich alles anzueignen war
sehr hart. Aber wir haben zum Glück eine hohe Frustrationsgrenze. Gerade wird übrigens unsere neue Website programmiert um mehr Usability zu bekommen und den Speed zu erhöhen. Ich hoffe, dass wir als Deadline, den 20.12.14, halten können.

Klaus-Martin Meyer: Sie wird programmiert? Macht ihr es diesmal wieder selbst?

Christoph Gärtner: Nein, wir haben uns entschieden, sie diesmal programmieren zu lassen. Unternehmen sollten sich auf ihre Kernbereiche konzentrieren und alles andere, in dem Sie keine Experten sind, an Experten abgeben. Allerdings braucht man dazu auch das nötige Kleingeld. Unsere kreative Lösung dafür ist offshore Outsourcing.

Klaus-Martin Meyer: Wer bzw. wo wird sie denn jetzt programmiert?

Christoph Gärtner: Bitte jetzt nicht lachen. Es ist ganz klischeemässig in Indien. Es hat lange gedauert ein kompetentes Programmierteam zu finden und das Projekt muss sehr stark gemanaged werden. Das ist über die Entfernung und mit Sprachbarriere eine echte Herausforderung. Allerdings lernen wir dadurch auch ungemein dazu und Spaß macht es auch noch.

Klaus-Martin Meyer: Klingt wirklich interessant. Sicher braucht ihr aber selber einmal auch neue finanzielle Mittel. Ist ein Crowdfunding über die eigene Plattform denkbar oder auch über eine andere Plattform?

Christoph Gärtner: Das stimmt. Ein leidiges Thema bei allen Startups: Geld. Da wir uns komplett aus Eigenkapital finanzieren, und das ist bei Studenten oft nicht sehr groß, würde uns eine Finanzspritze wirklich gut tun. Aber Crowdfunding kommt glaube im aktuellen
Status nicht in Frage.

Klaus-Martin Meyer: Woran liegt das?

Christoph Gärtner: Ich denke aber, dass Crowdinvesting für uns später interessant wird, weil es einen nicht zu verachtenden Marketingeffekt hat. Allerdings wollen wir dafür noch mehr erreicht haben. Aktuell sind wir erstmal mit mehreren Business Angels in Gesprächen und hoffen, dass wir demnächst mit einem strategischen Partner zusammen kommen.

Klaus-Martin Meyer: Habt ihr denn schon andere Partner gewonnen?

Christoph Gärtner: Nachdem wir das Crowdranking und die Jurybewertung für den CrowdDialog14 gewonnen haben, waren wir auf dem Event. Es waren natürlich alle Gründer und Unternehmen vertreten, die sich mit Crowdsourcing, Crowdinnovation und Crowdfunding beschäftigen. Wir konnten auf dem Event wirklich richtig gute Kontakte knüpfen. Und vor zwei Tagen hat sich Microsoft entschlossen unser Unternehmen zu unterstützen. Wir bekommen jetzt Leistungen im Wert von einmalig 60.000 USD und zusätzlich für 3 Jahre im Wert von 150 USD.

Klaus-Martin Meyer: Das hört sich ja schonmal sehr gut an. Dann drücken wir euch die Daumen, dass es vorwärts geht! Vielen Dank für das interessante Interview.

Christoph Gärtner: Ich habe zu danken Klaus. War sehr nett dich kennenzulernen. Und besuch doch bei Gelegenheit unsere Website www.iCrowd.de. Aber bitte erst ab dem 20.12.14, wenn sie fertig ist!

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