Wie sollten/könnten Plattformen adäquat auf Pleiterisiken reagieren?

Crowdstreet Research Das Geschäftsmodell von Crowdfunding-Plattformen hat das grundsätzliche Risiko, dass auch alle Formen von Kapitalanlagen gewissen Zyklen unterliegen. Zyklustiefpunkte können durch “exogene Schocks” wie z.B. einem Crash an den Kapitalmärkten oder durch Wirtschaftskrisen ausgelöst werden. Aktuell profitiert die noch junge Crowdfunding-Szene vom billigen Geld auf den Märkten kombiniert mit der “Modeerscheinung” neuer Anlagemöglichkeiten, die das Crowdfunding mit sich bringt. Wenn die Märkte temporär einmal austrocknen, hat man ein Problem. Wer schon einmal Aktien von Wertpapierhandelshäusern oder Emissionsbanken besessen hat, weiß nur zu gut, was gemeint ist.

Auch “hausgemachte” Pleiten können Dealflow behindern

Die ersten (equity based) Crowdfunding-Plattformen haben in Europa im Wesentlichen auf das Thema “Startup”-Finanzierung gesetzt. Treten signifikante Pleiten ein – wie auch zuletzt – kann ein Risiko sein, dass sich viele Anleger – wenn gleichzeitig Erfolgserlebnisse ausbleiben – enttäusch abwenden. Setzen diese Anleger zudem Crowdfunding mit Startup-Finanzierung und deren Risiken gleich, könnte dies für das ganze Thema nachteilig sein. Die Plattformen tun also gut daran, wenn sie ein unausgewogenes Verhältnis zwischen Erfolgen und Abschreibungen für die Anleger und sich selbst vermeiden. Dies ist an sich trivial, will man den Dealflow auf der eigenen Plattform nicht unnötig erschweren.

Auch Plattformen tun gut daran, Risiken zu diversifizieren

So wie die Crowdinvestoren nicht alles auf eine Karte setzen sollten, sind auch die Plattformen gut beraten, Risiken zu diversifizieren. Ansätze sind durchaus erkennbar:

– Companisto setzt neben stärker Risiko behafteten Startups auch auf Immobilienfinanzierungen
– gleiches gilt für Bergfürst
– Seedmatch hat mit Econeers einen Ableger für grüne Investments ins Rennen geschickt, wo im Mittel, die Risiken ebenfalls überschaubarer sein sollten.
– Innovestment setzt auf innovative Beteiligungsoptionen – wie aktuell bei Immanitas Entertainment, wo man sich an einem Mobile Games Portfolio beteiligen kann.

Alle genannten Strategie zielen sicher auch darauf ab, neben der inhaltlichen Angebotserweiterung auch Einzelinvestments mit (tatsächlich oder vermeintlich) geringeren Risiken zu offerieren.

Weitere Anstrengungen sind notwendig!

Die Insolvenzen und Geschäftsaufgaben des laufenden Jahres bei Startups, ohne dass spektakuläre Exits die Verluste der Crowd überkompensieren konnten, sollten die Plattformen motivieren, neue Produkte zu initiieren, die die Risikowahrnehmung und das tatsächliche Risiko auch von Einzelinvestments minimieren. Keine Frage. Die Plattformen tun aus meiner Sicht genug, um auf den Riskokapital-Charakter der Crowdinvestments in Startups hinzuweisen. Wenn aber z.B. “Friends & Family”-Investoren etwas tiefer in die Tasche greifen, um dynamischen Nichten und Neffen zu unterstützen, dann werden diese nicht gleich ein Portfolio aufbauen wollen, um dem Risiko adäquat zu begegnen. Tritt der Ernstfall aber ein, wird sich dieser Anleger sicherlich in Zukunft ganz vom Thema fernhalten…

Innovative Produkte notwendig

Insbesondere die Startup-Finanzierer unter den Plattformen sollten darüber nachdenken, ob sie nicht z.B. in Kooperation mit existierenden Venture Kapital-Firmen, Fondangebote für die Crowd entwickeln. Warum sollte sich nicht auch die Crowd beteiligen können, wenn der High Tech-Gründerfonds einen neuen Fond auflegt? So überwältigend groß sind die Investments der beteiligten Firmen im Durchschnitt auch nicht (laut Wikipedia kommen 87% der Gesamtsumme von Bund und KfW). Diese Summen könnte auch die Crowd stemmen. Die Crowdinvestoren würden ihr Risiko auf mehrere Startups streuen und würden zudem noch gemeinsam mit erfahrenen “Co-Investoren” agieren. Auch Ansätze mit Fond-Konstruktionen wie bei Crowdcube und dem Crowdcube Venture-Fond, der von einer externen Fondgesellschaft aufgelegt wurde, sind sicherlich zielführend und im Interesse der Plattformen. Darüber sollte man intensiv nachdenken.

Fazit: Die Plattformen müssen sich Gedanken machen, wie sie die genannten Risiken vernünftig managen, damit auch in der Flaute oder nach größeren Pleiten, der Dealflow nicht abreißt.

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