Der Crowdfunding-Ansatz könnte Museen helfen, ihre Kunstbestände zu monetarisieren

Crowdinvestor Relations ManagerRegelmäßig ist zu lesen, dass Museen unter ihrer unzureichenden finanziellen Lage zu leiden haben. Anfang November war im Kölner Stadtanzeiger z.B. zu lesen, dass dem Ludwig Museum regelmäßig die Pleite drohe. Andererseits sitzen vielen Museum auf großen Vermögen, nämlich auf ihren Kunstbeständen. Natürlich wird sich der Louvre – so er denn finanzielle Schwierigkeiten hätte – niemals von seiner Mona Lisa trennen wollen, um z.B. eine neue Sammlung mit zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Dies würde sicherlich das Kerngeschäft gefährden.

Abgesehen vom Verkauf digitaler Bildrechte haben Museen kaum zusätzliche Monetarisierungsmöglichkeiten für ihre Kunstbestände

Eine Zentralbank kann ihre Goldbestände an Spekulanten verleihen, um aus diesem physischen Vermögen wenigstens ansatzweise eine Rendite zu erzielen, um die Kosten der Lagerhaltung zu decken. Museen können digitale Bildrechte an Agenturen wie Corbis veräußern. Weitere Formen der Monetarisierung der Kunst sind abgesehen vom Ausstellen, also dem Kerngeschäft eines Museums und dem Sammeln von Spenden kaum möglich.
Mit Hilfe des Crowdfundings könnte man die Einnahmeoptionen von Kunsthallen, Gemäldesammlungen und Pinakotheken um eine interessante Variante erweitern.

Museen als Betreiber eigener Crowdfunding-Plattformen?

In den Wirtschaftswissenschaften sind Verfügungsrechte wichtiger als Eigentum. Sofern ein Museum weiter uneingeschränkt über ein Kunstwerk verfügen kann, braucht es die ausgestellte Kunst eigentlich nicht mehr zwingend (vollständig) zu besitzen. Warum also nicht ein Kunstwerk am besten an eine große Anzahl von Crowdinvestoren verkaufen? Eine Crowd ist dabei sehr viel besser als ein reicher Einzelbesitzer, der irgendwann Ansprüche geltend machen könnte. Im Rahmen einer Crowd wären solche Ansprüche kaum zu organisieren. Zudem könnte die maximale Anzahl von Anteilen, die ein Investor besitzen darf, begrenzt werden. Der Investor erhält für seine Einlage im Gegenzug einen Anteil an einem Kunstwerk. Die Investition wäre anders als beim reward based Crowdfunding also mit anteiligen Besitzrechten untermauert, die echten Sicherheiten gleichkommen. Das Museum würde weiterhin das Bild ausstellen und natürlich für Versicherungen und Erhaltung aufkommen. Ausgaben, die ohnehin anfallen würden. Mit den Einnahmen könnte dann das Kerngeschäft des Museums vorangetrieben werden. Wenn auf Auktionen Millionen und Abermillionen für Kunstwerke von Picasso zusammen kommen, warum sollten nicht auch viele Kunstenthusiasten Anteile an Bilder kaufen? Der Kunstmarkt würde ein ganz neues Handelsgut erhalten, nämlich Bilder von Museen, die eigentlich gar nicht auf dem Markt sind. Anleger könnten an Einnahmen aus digitalen Bildrechten beteiligt werden. Dies wäre ein zusätzlicher Anreiz für ein Investment.

Kunstliebhaber könnten sich Portfolio von Kunstanteilen zusammenstellen

Die Zielgruppe der “Kunstaufkäufer” könnten echte Liebhaber der Kunst sein. Anteile am Lieblingsbild wären eine sehr emotionale Form der Kapitalanlage und auch als Geschenk ideal geeignet. In Zeiten, wo der Rubel kollabiert und viele Russen ihr Geld in U-Bahn-Münzen oder sogar Bitcoins füchten, warum sollte es da nicht auch möglich werden, Anteile an hochwertigen Kunstwerken als Fluchtwährung bzw. sicheren Hafen zu etablieren? Ambitionierte Anleger könnten sich ganze Portfolios aufbauen, um ihr Vermögen auch auf dem Crowd-Kunstmarkt zu diversifizieren.

Sekundärmärkte würden das Konzept rund machen

Denkt man den Crowdfunding-Ansatz konsequent zu Ende, wäre natürlich ein Sekundärmarkt perfekt. Wenn die Kunstmärkte explodieren, könnte man sich von Anteilen trennen oder nach einer Baisse günstig einsteigen. Natürlich könnte man sich von “seinen Kunstwerken” auch einfach deshalb wieder trennen, weil sich der eigene Kunstgeschmack geändert hat. Emotionalere Formen von Märkten sind kaum denkbar. Sofern die Museen die Crowdfunding-Marktplätze selber betreiben, könnte man auf einem Sekundärmarkt weitere Einnahmen erzielen.

Plattform hätte vermutlich auch Marketing-Effekte

Wenn man mit Hilfe von Crowdfunding-Plattformen bereits “Anteilseigner” von interessanten Bildern ist, könnte dies ggf. auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man sich die Kunst später auch persönlich im Original ansehen will. Durch den über das Miteigentum hergestellten Bezug würden die Kunsthäuser also im Idealfall sogar neue Besucherströme anziehen.

Fazit: Das vorgestellte Modell sollte Museen in die Lage versetzen, zusätzliche Finanzströme aus ihren Kunstbeständen zu erzielen. Sofern ein liquider Crowd-Kunstmarkt etabliert werden könnte, wären mit Hilfe von Sekundärmärkten weitere Gebühren zu generieren. Miteigentümer könnten zudem eifrigere Museumsbesucher sein.

[Exkurs: Eine perverse Übertreibung dieses Vorschlages wäre es freilich, wenn z.B. der Vatikan anfinge, mit Hilfe des beschriebenen Modells auch noch seine Kirchenkunst aus den Jahrhunderten an die abhängigen Gläubigen zu veräußern…]

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

One Response to Der Crowdfunding-Ansatz könnte Museen helfen, ihre Kunstbestände zu monetarisieren

  1. spannender Gedankengang und ich denke auf jeden Fall ein Ansatz, den es allerdings in den doch noch sehr verkrusteten administrativen Museumsstrukturen auch für 2015 zu aktivieren gilt….