RBS kooperiert mit p2p-Marktplätzen

funding-circleDie Royal Bank of Scotland wird ab der kommenden Woche Kreditkunden aus dem Bereich SMEs (small and medium enterprises), die durch das Bonitätsraster der führenden britischen Bank gefallen sind, die beiden p2p-Marktplätze Funding Circle und Assetz Capital als Alternative empfehlen. Diese Form der Kooperation ist substanziell, da RBS bis dato rund ein Drittel des Zielmarktes bedient.

p2p-Marktplätze erhalten neue Kunden, RBS erhöht Servicelevel

Der Vorteil für die p2p-Marktplätze durch die Kooperation liegt auf der Hand. Sie bekommen systematisch neue Kunden auf der Nachfrageseite zugeschanzt. Aber auch für RBS dürften sich Vorteile ergeben. Einerseits steigert man seinen Servicelevel, weil die Kunden nicht einfach nur abgelehnt werden, sondern ihnen eine konstruktive Alternative bietet. Zudem dürften Provisionen in Richtung RBS fließen. Wenn man noch etwas Geld mit Kunden verdienen kann, die man in der Vergangenheit gar nicht bedient hat, ist man in einer komfortableren Situation als vor der Kooperation. Diesem Beispiel werden weitere Banken folgen wollen.

Und auch die Politik freut sich…

Neben den beteiligten Firmen zeigt sich auch die Politik hoch erfreut. Der britische Schatzmeister George Osborne lässt sich wie folgt zitieren: “A key part of our long term economic plan is to ensure that British businesses are able to access the finance they need to grow and succeed. And it’s only through harnessing innovations in finance, alongside our existing world class knowledge and skills in financial services, that we’ll ensure Britain’s financial sector continues to meet the diverse needs of businesses here.
“That is why I announced a further package of measures to support peer-to-peer platforms at last month’s Autumn Statement, including a new bad debt relief to create a level-playing field for the industry. It is great to see companies like Funding Circle forging a new partnership with RBS to ensure that small British companies have the best access to funding.”

Auch wenn die Crowdstreet-Analyse dem regelmäßigen Leser vermutlich langsam langweilen wird. Aber diese Kooperation belegt einmal mehr, welchen Vorsprung der britischen Markt gegenüber dem Rest von Europa hat. Es wird der Zeitpunkt kommen, und dann wird dieser Vorsprung umgemünzt werden in Übernahmen auf dem Festland. Gerade die hiesige Politik sollte endlich erkennen, dass p2p-Marktplätze eine Schlüsselindustrie für einen führenden Finanzplatz sind. Aktuell erkennen diesen Sachverhalt leider nur die Briten inklusive ihrer politischen Eliten.

Auch sollten noch Szenarien in andere Richtungen durchgespielt werden. Nachdem im UK die ersten Kooperationen umgesetzt sind bzw. werden, darf natürlich die Frage gestellt werden, wann es die erste Übernahme eines Marktplatzes durch eine Bank geben wird. Angesichts der Dynamik, mit der sich die p2p-Player entwickeln, ist es auch denkbar, dass diese auch mit Hilfe tiefer Taschen aus den gewiss kommenden Börsengängen mal eine kleine Bank übernehmen, um an eine möglicherweise nützliche Bank-Lizenz zu kommen oder aber auch um ins traditionelle Bankgeschäft zu diversifizieren. Wer weiß…

[Update: 23.01. RBS bekommt im Gegensatz zu der oben getätigten Aussage keine Provisionen. Vielmehr kommt man einer staatlichen Verpflichtung zuvor, die später im Jahr in Kraft tritt, nach der Banken, die einen Kunden ablehnen, Empfehlungen in Richtung von „alternative financial providers“ aussprechen müssen. Dies ist eine sehr sinnvolle Form der Regulierung, wenn man das Thema p2p-Kredite als strategische Zukunftsindustrie erkennt.]

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