Zeit für lokale (equity crowdfunding) Plattformen noch nicht reif

Crowdfunding-PlattformenVia t3n ist zu lesen, dass Seedmatch im Jahr 2014 900.000 Euro Umsatz gemacht hat. Berücksichtig man, dass Seedmatch eine zweistellige Anzahl an Mitarbeitern hat, Büros bezahlt werden müssen, das Onlinemarketing zur Bewerbung der Pitches nicht gratis ist und sicher auch noch Ausgaben für Rechtsberatung, Reisekosten oder was auch immer anfallen, dann wird man feststellen, dass selbst für einen Branchenführer, die Bäume (noch) nicht in den Himmel wachsen. Die Entwicklung ist ganz sicher als sehr positiv zu betrachten. Bleibt das Wachstum weiter dynamisch, wächst man in vernünftige mittelständische Größenordnungen hinein. Da man durch die Schwesterplattform Econeers den Invest in die technische Plattform noch besser verzinsen kann, sollte das Geschäftsmodell “Crowdfunding-Plattform” nachhaltig tragfähig zu betreiben sein. Diesen Proof of Concept hat Seedmatch mit seinen Zahlen geliefert. Es ist davon auszugehen, dass dies in analoger Weise für Companisto gilt. Dies kann aus dem Sachverhalt abgeleitetet werden, dass dort ein existierender Investor den Companisten Ende letzten Jahres ein Übernahmeangebot für deren Anteile unterbreitet hat.

Was bedeuten Markterfolge der etablierten Player für lokale Plattformen?

Was aber kann man aus den Zahlen für das Geschäftsmodell Crowdfunding-Plattform ableiten? Betrachtet man die Fundingsummen und den Aufwand, der zur Erreichung nötig ist, sowie die Anzahl der Investoren, die man bei der Stange halten muss, dann kann man sich durchaus die Frage stellen, wie viele Plattformen erfolgreich betrieben werden können.

Eine genaue Prognose der Anzahl der Plattformen wäre natürlich vollkommen sinnlos und unseriös. Die aktiven Plattformen befassen sich mit verschiedenen Segmenten und Themen. Sicherlich werden weitere Plattformen auftauchen und sich Zielmärkte suchen, auf denen bereits konventionelle Vermittler aktiv sind, die noch nicht mit modernen technischen Internet-Plattformen agieren. In diesen Bereichen existieren durchaus größere und auch nicht unbedingt wenige Firmen. Man denke nur an den Immobilienmarkt, aber auch an den Markt für Windkraft- und Solarbeteiligungen. Da ist Platz für aktive und neue disruptive Player aus der Crowdfunding-Szene, zumal der Gesamtmarkt weiter wachsen sollte.

Lokale Plattformen funktionieren bis auf weiteres nicht!

Eines aber ist aus Sicht der Redaktion offensichtlich. Wenn die marktführenden Plattformen wie Seedmatch und Companisto mit dem Zielmarkt Deutschland bisher zwar respektable aber noch überschaubare Umsatzgrößenordnungen erreichen, dann sollten sich lokale Plattformen dringend überlegen, ob das Geschäftsmodell Crowdfunding-Plattform auf lokaler Ebene überhaupt valide zu betreiben ist.

Von den diversen lokalen Playern war eigentlich nur Mashup Finance überhaupt richtig aufgefallen. Nach dem Zusammengehen mit Conda.at wurde der lokale Focus aber offensichtlich auf ganz Deutschland ausgeweitet. Bei Crowd Nine passiert nach langer Zeit mal wieder etwas. Ob das Modell von Regio Invest Nord aufgeht, muss sich erst noch erweisen. Am sinnigsten dürfte das Kooperationsmodell von crowdfunding-suedbaden.de mit Fundsters sein. Aber auch dort sind bisher erst zwei Fundings gelaufen, zwei weitere sind in Vorbereitung.

Selbst im UK, wo die Crowdfunding-Plattformen nach allen Parametern größer sind als hier, gibt es noch kein überzeugendes Beispiel einer lokalen Plattform. Auf Growdfunders.com hat bisher nur ein Funding überzeugt. Dieses war zwar mit 249.500 GBP zwar recht groß und auch sehr schnell platziert. Aber es war das Eigenfunding der Plattform. Alles andere dümpelt vor sich hin oder erreichte das Ziel nicht.

Fazit: Ob das Geschäftsmodell Crowdfunding-Plattform auf lokaler Ebene funktionieren kann, darf durchaus mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Aus Sicht der Crowdstreet-Redaktion ist auf jeden Fall die Zeit noch nicht gekommen. Keine regionale Plattform hat bisher ein vernünftiges Mengen- geschweige denn Wertgerüst aufzuweisen. Es ist zu befürchten, dass es hier zu Geschäftsaufgaben kommen wird. Anstatt eigenen Plattformen aufzubauen, sollten die lokalen Akteure die Kooperation mit den Branchengrößen suchen, für die sich hieraus möglicherweise auch Reichweitenvorteile ergeben könnten.

Markiert mit , , , , .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.