„Für EBS ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrades unserer Therapiemöglichkeit in der Kommerzialisierungsphase von größter Wichtigkeit.“ – Interview mit Ulf Pommerening zum aktuellen Companisto-Funding der EBS Technologies GmbH

ebs-technlogiesKlaus-Martin Meyer: Herr Pommerening, Sie sind Geschäftsführer der Firma EBS Technologies GmbH. Könnten Sie sich und ihre Firma bitte kurz vorstellen?

Ulf Pommerening: Gerne. Mein persönlicher Background ist schnell erzählt, mein Ausbildungshintergrund ist betriebswirtschaftlich, mein Tätigkeitsfeld ist von Anfang an in der Medizintechnik gewesen, so habe ich lange beim amerikanischen Gesundheitskonzern Johnson & Johnson in verschiedenen leitende Marketing- und Vertriebsrollen im In- und Ausland gearbeitet. Seit knapp fünf Jahren bin ich nun mit Aufbau von EBS Technologies beschäftigt. EBS hat eine völlig neuartige Therapiemöglichkeit entwickelt, Patienten mit neurologisch bedingten Sehstörungen zu helfen. Das Verfahren kommt ohne chirurgischen Eingriff aus und nach insgesamt bisher ca. 1.100 therapierten Patienten sind keine relevanten Nebenwirkungen bekannt. Besonders spannend für Investoren ist, dass die Technologie gleich in zwei der wahrscheinlich interessantesten Wachstumsfelder angesiedelt ist, nämlich in der Augenheilkunde und der Neurologie. Gegenwärtig kommen 80% der therapierten Patienten aus der Augenheilkunde, aber die EBS NEXT WAVE™ Technologie hat großes Potential in der Neurologie, z.B. ganz konkret im Bereich Schlaganfall-Rehabilitation. Heute steht das zertifizierte Unternehmen mit einer zuverlässigen, innovativen Technik in der Kommerzialisierungsphase, die 2014 bereits erfolgreich begonnen wurde.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell wollen Sie per Crowdfunding Kapital akquirieren. Haben Sie dies angesichts der renommierten Wagniskapitalgeber (Earlybird, der High-Tech-Gründerfonds und die Investitionsbank des Landes Brandenburg) überhaupt nötig? Wie stehen diese zu dieser immer noch unkonventionellen Form der Kapitalakquise?

Ulf Pommerening: Diese Diskussion wurde im Gesellschafterkreis ausführlich geführt. Ein Grund ist ganz sicher das aktuell sehr schleppende MedTech Investitionsverhalten vieler klassischer VCs. Der viel wichtigere Grund ist aber aus unserer Sicht die große mediale Reichweite eines Crowdfundings. Für EBS ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrades unserer Therapiemöglichkeit in der Kommerzialisierungsphase von größter Wichtigkeit. Viele der sonst bei MedTech Start-Ups üblichen Hindernisse haben wir längst überwunden. So verfügen wir beispielsweise durch unsere randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie, die unter anderem in der Universität Göttingen und der Charité in Berlin durchgeführt wurde, über eine sehr gut Datenlage. Insgesamt würde ich die Stimmung der Gesellschafter als eine Art neugierige Erwartungshaltung gegenüber unserem Crowdfunding beschreiben.

Klaus-Martin Meyer: Warum haben Sie sich für eine Finanzierung über Companisto entschieden? Companisto hat bis dato im Bereich MedTech noch keine Expertise. Wurden weitere Optionen geprüft?

Ulf Pommerening: Ja, wir haben eine recht ausführliche Analyse der Bedingungen der verschiedenen Unternehmen vorgenommen. Für Companisto haben wir uns entschieden, weil keine Änderungen der Gesellschaftsform des Unternehmens nötig waren und die Upfront-Kosten von Anfang an transparent und fair waren. Wir glauben, dass es generell eine Herausforderung ist, ein MedTech Unternehmen mit meist stark erklärungsbedürftigen Produkten über eine solche Plattform zu promoten. Wir glauben aber auch, dass EBS mit seiner so klaren Technologie und deutlichen Problemstellung der Patienten eine sehr gute Ausgangslage hat. Wir erleben in Deutschland eine starke Zunahme von gut informierten Patienten und parallel immer mehr Mediziner, die gemeinsam mit ihren Patienten an der bestmöglichen Therapie arbeiten. Wir sind fest überzeugt, dass EBS in diesen Trend sehr gut hineinpasst.

Klaus-Martin Meyer: Welche Risiken birgt das Investment für die Companisten und welche Chancen stehen den Risiken gegenüber?

Ulf Pommerening: MedTech Investments sind keine Schnellschüsse. Bevor ein MedTech-Unternehmen soweit entwickelt ist, dass es reif für den Verkauf an einen großen Gesundheitskonzern ist, müssen viele Hindernisse überwunden, Schritte gegangen sein. Von der Gründung bis zum Exit vergehen oftmals 10 Jahre, da muss jeder prüfen, ob er diese Geduld mitbringt. EBS wurde im Dezember 2007 gegründet, steht jetzt in der Kommerzialisierung, da sind schon eine Menge Hindernisse genommen, nicht zuletzt dank der Ausdauer und vor allem aktiven Mithilfe der bestehenden Gesellschafter. Auch wenn schon viele Risiken eines jungen Unternehmens überwunden sind, es bleibt Wagniskapital mit dem typischen Risiko, aber es bietet eben auch das typisch sehr hohe Exit-Potential.

Klaus-Martin Meyer: Erfahrungsgemäß nutzt kaum ein Startup die mögliche Marketing-Unterstützung aus der Crowd. Gibt es überhaupt Möglichkeiten, wie die Companisten in einem so speziellen und sensiblen Bereich unterstützen können? Gibt es diesbezüglich eine Erwartungshaltung?

Ulf Pommerening: Ja, die gibt es. Stellen Sie sich vor, es gibt eine Therapie, die Ihnen helfen könnte, Ihr tägliches Leben nach einem Sehverlust wieder einfacher zu gestalten, aber Sie wissen einfach nichts davon. Und Ihr Arzt weiß auch nichts davon, denn es hat bisher einfach keine solche Therapiemöglichkeit gegeben. Genau um diesen Punkt geht es. Jeder Companist kann helfen, indem er über EBS berichtet. Wir selbst sind dabei, sowohl durch weitere klinische Aktivitäten, durch Ausstellungen auf medizinischen Fachkongressen sowie PR- und Zusammenarbeit mit Patientengruppen unseren Bekanntheit zu erhöhen, aber genau hier kann die Crowd dem Unternehmen den entscheidenden Schub geben!

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