Werden Kickstarter & Co. für Markenartikler zu einem Premium-Gegenentwurf zu Groupon?

Marketing NewsGroupon ist der Resteverwerter im Internet. Hier können Firmen ihre Posten im Rahmen einer Aktion verklappen, wenn die Läger frei werden oder Quartalsumsätze auf Teufel komm raus erreicht werden müssen. Hotels verkaufen freie Kapazitäten, damit diese nicht ungenutzt bleiben. Groupon pflückt die low hinging fuits, indem man die Angebote zu Schleuderpreise offeriert. Natürlich ist der Service alles andere als umsonst. Für die Kunden von Groupon ergibt sich ein klassisches Sandwich-Problem: Schlechte Preise bei signifikanten Kosten. Dann muss man vermutlich noch wochenlang auf sein Geld warten und möglicherweise bleibt Groupon auch noch auf dem Geld der nicht eingelösten Gutscheine sitzen. Fazit: Groupon ist eher das Schmuddelkind unter den Onlinemarketing-Maschinerien, die das Web zu bieten hat. Insbesondere Markenartikler müssen sich möglicher Imageschäden bewusst sein, so man sich auf eine Kampagne bei Groupon einlässt.

Kampagnen auf Crowdfunding-Plattformen haben da ein ganz anderes Potential

Bisher waren reward based Plattformen wie Kickstarter & Indiegogo eher der “dernier cri” der Maker-Bewegung, die durch Preselling tolle Produkte überhaupt erst möglich machten. In den letzten Wochen und Monaten mehrten sich aber die Anzeichen, dass auch etablierte Brands die Crowdfunding-Karte spielen. Sony hat es getan, Sonim Technology hat es getan. Cryptozoic Entertainment bringt gerade ein Brettspiel unter dem Label Ghostbusters™ (bekannter Kinofilm aus den 80ern) mit Hilfe von Kickstarter auf den Markt. Die Süddeutsche Zeitung lanciert über startnext ein neues Presseprodukt. Der Marketing-Ansatz auf einer Crowdfunding-Plattform ist verglichen mit Groupon ein ganz anderer. Hier geht es nicht um Resteverwertung und billig billig. Vielmehr spricht man loyale Kunden an, denen eher eine Fanattitüde inne wohnt oder bei denen es sich um early adopter handelt. Solche Leute haben in der Regel ganz andere Zahlungsbereitschaften als die Groupon-Klientel. Da macht es gar keinen Sinn, Ramsch zu platzieren. Hier geht es um das Premiumsegment des eigenen Marktes. Wie beim Crowdfunding üblich, fließt erst das Geld und dann muss das Produkt ausgeliefert werden. Da Markenartikler auf den reward based-Marktplätzen eher die Image stiftende Sondereditionen auflegen als die eigenen Massenwaren, legt man sich auch nicht im gleichen Maße mit dem eigenen Absatzkanal an, wie bei einem Groupon. Dazu kommt, dass ein Crowdfunding ein Markttest ist. Man produziert nicht am Markt vorbei und kommt gar nicht erst in die Verlegenheit, dass man die Überproduktion bei einem Couponer offerieren muss.

Crowdfunding: Unendliche Weiten für Markenartikler mit Reichweite

Echten Markenartiklern mit großer Reichweite wird sich in den kommenden Jahren ein ganz neues Onlinemarketing-Universum eröffnen. Noch steht auch das Crowdfunding-Phänomen – allem Hype-Gerede zum Trotz – erst ganz am Anfang. Aber sobald Kickstarter oder Indiegogo eine internationale Präsenz erreichen, wie man diese von eBay und Amazon kennt, dann werden gerade große Brands die Crowdfunding-Marktplätze als Marketing-Maschinerien entdecken. Natürlich kommt es dann auf eine eigene Zielgruppenansprache und ein geeignetes Storytelling an. Auch die Plattformen werden sich gut überlegen müssen, ob man alles annimmt, was auf die Marktplätze strebt.

Auf jeden Fall sollten sich die großen Brands dieser Welt langsam aber sicher auf den interessanten und potentiell margenstarken Absatzkanal “Crowdfunding-Plattform” einstellen.

 

Vergleich zweier ungleicher Marketing-Ansätze:

Groupon Crowdfunding-Plattform
Storytelling trivial komplex
Geldfluss nach Absatz vor Absatz
Zielgruppenansprache undifferenziert eigene Crowd
Aufwand gering hoch
Branding-Effekt zweifelhaft hoch
Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.