Was sollte Rocket Internet mit den 600 Millionen Euro tun? Einen p2p-Marktplatz im UK kaufen!

Rocket InternetRocket Internet war nach dem Kraftakt in Sachen Lieferheld und anderer Onlinelieferdienste sofort wieder auf dem Kapitalmarkt aktiv und sammelte bemerkenswerte 600 Millionen Euro ein. Crowdstreet hat natürlich einen Vorschlag, wie zumindest ein Teil der Summe sinnvoll angelegt werden sollte. Rocket Internet hat Kreditmarktplätze als neuen Zukunftsmarkt entdeckt und doktert seit Ende 2013 mit Lendico aktiv in diesem Segment herum. Kurz darauf wurde Zencap aus der Taufe gehoben. Besonders aus der Richtung Zencap hört man regelmäßig sehr ambitionierte Ziele, die sich anhören, als strebe man förmlich die Weltherrschaft an. Dafür sind die kommunizierten Volumina bis dato noch (noch) überschaubar. Gleichwohl werden diverse internationale Märkte zielstrebig angegangen, weitere sind vermutlich zeitnah in der Pipe.

Warum ist der UK-Markt so wichtig?

Der UK ist aus diversen Gründen von zentraler Bedeutung. London ist der zweitwichtigste Kapitalmarkt der Welt und der erste in Europa. Vielleicht noch wichtiger ist, dass der alternative Finanzmarkt im UK die globale Pole-Position inne hat. Von noch zentralerer Bedeutung ist aber, dass Regulierung und Politik in Großbritannien Sorge tragen, dass das Marketplace Lending sich viel besser entwickelt kann als in Kontinentaleuropa. In Kürze müssen Banken ihre abgewiesene Kreditkunden über die Möglichkeiten von p2p-Marktplätze informieren. Zudem werden Investments für ISA (individual saving accounts) zugelassen und steuerlich begünstigt. Hierdurch werden die Angebots- und die Nachfrageseite auf den Marktplätzen stimuliert. Darüber hinaus ist die Anzahl von Family Offices und Investmentfirmen viel größer im UK, so dass die Volumina auf den Plattformen viel schneller ansteigen. Aufgrund dieser Vorteile dürften die Player im UK langfristig viel schneller und profitabler wachsen können als Wettbewerber in anderen europäischen Ländern. Aus diesem Gründen sollte man sich im UK engagieren, bevor es zu spät ist bzw. zu teuer wird. Damit sind substanzielle Engagements gemeint, auf jeden Fall größere als im Fall von Borro.

Lieferheld könnte die Blaupause sein

Für Lieferheld musste Rocket tief in die Tasche greifen. Den 30%-Anteil hätte man vor zwei, drei Jahren günstiger haben können. Auf dem p2p-Markt sollte man früher dabei sein mit sinnvollen Übernahmen, um noch mehr Traktion noch schneller auf die Straße zu bekommen. Mit der jüngsten Kapitalerhöhung sind hinreichende Mittel vorhanden, um richtungweisende Fußabdrücke im UK zu hinterlassen.

Mögliche Übernahme-Kandidaten sollten exitieren

Im UK gibt es eine kaum noch überschaubare Anzahl von p2p-Marktplätzen. Da sollte Rocket Internet schon fündig werden. Zopa ist sicherlich ein zu dicker Fisch. Aber warum nicht nach Hechten wie Funding Circle, ThinCat, Funding Knight oder assetz Capital angeln? (Dr. Christian Grobe hat sich im Podcast von Startup-Radio ja als Fan von Funding Circle geoutet )

Alle genannten Kandidaten sollten in überschaubaren Zeiträumen in Milliarden Größenordnungen hineinwachsen können. Mit Hilfe von Raktentreibstoff aus Berlin vermutlich noch schneller. Mit einer Heimatdependance im UK wird man langfristig auch international viel aggressiver wachsen können. Zudem hat man das Ohr intensiver am Puls der Zeit, was auch als Wettbewerbsvorteil begriffen werden kann. Auch die Übernahmeziele werden von Rockets Ansatz profitieren, weil den Insulanern die internationale Expansion nicht liegt.

Auf dem Markt der Pizza-Plattformen hat Rocket Internet die richtigen Schlüsse gezogen. Man darf aber ungleich mehr gespannt sein, ob die gleichen Schlussfolgerungen auf dem ungleich spannenderen FinTech-Markt gleichermaßen aggressiv gezogen werden!

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