„Wir haben also mit diesem Projekt einen Triple-Impact: Interessante Konditionen, Aktiver Klimaschutz und enormer Sozialer Impact.“ – Interview mit Torsten Schreiber (bettervest) zum ersten Afrika-Crowdfunding

Klaus-Martin Meyer: Torsten, auf bettervest hat man ab dem 19.03.2015 die Möglichkeit, in ein Energieprojekt in Afrika zu investieren. In meiner Wahrnehmung ist das in Europa erst das zweite oder dritte Mal und erstmalig in Deutschland, dass man als Crowdinvestor die Möglichkeit bekommt, auf dem schwarzen Kontinent zu investieren. Was hat es mit dem Projekt auf sich?

 

Torsten Schreiber: Wir verstehen uns bei bettervest ja als Social Entrepreneurs. Das Kernziel der Plattform ist es, Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz, insbesondere im Energiesektor zu schaffen. Das Element des „Investierens“ schafft die entsprechende Neugierde zu verstehen, wie sehr es sich lohnt, in Ressourceneffizienz zu investieren.

Seit unserer Gründung 2012 haben wir uns in Deutschland etliche Querschnittstechnologien angesehen. Obwohl auch hierzulande noch über 50 Milliarden Euro Einsparpotential pro Jahr identifiziert werden kann, muss ich doch zugeben, dass wir bereits sehr effizient mit Energie umgehen. In Afrika dagegen sehen wir häufig Technologien aus den 50er, 60er und 70er Jahren. Zum Beispiel Dieselkraftwerke, die wie in Bamako (Mali) täglich 170.000 Liter Heizöl verbrennen, z.T. ungefiltert und mit einstelligen Wirkungsgraden.

13 - 8 MW-Generatoren

20 Megawatt – Grundlastkraftwerk in Bamako/ Mali

Eine Menge Aufwand, um Strom zu erzeugen. Auch ist die Verteilung des Stroms auf die Großstädte beschränkt. In ländlichen Regionen haben zum Teil weniger als 20% der Menschen Zugang zu einem Stromnetz.

Mit unserem Pilotprojekt finanzieren wir ein mobiles Solarkraftwerk auf Basis eines Containers, der ausklappbare Flügel mit vormontierten Solarmodulen besitzt. Weiterhin sind in dem Container über das Internet fernwartbare Wechselrichter, Batteriespeicher und zwei Kleinwindkraftanlagen verbaut. Auf diese Weise kann das Solarkraftwerk Dieselgeneratoren ersetzen und rund um die Uhr Strom liefern.

Das Solarkraftwerk wird in einem Mietkaufmodell an eine Dorfgemeinschaft verkauft. Nach der erwarteten Amortisationszeit von 7-9 Jahren kann die Dorfgemeinschaft das Kraftwerk noch 10-15 Jahre kostenfrei weiter nutzen. 

Klaus-Martin Meyer: Laut Pricewaterhouse-Coopers (PWC) wird Nigeria im Jahr 2050 in die Top10 der weltweit größten Wirtschaftsmächte aufsteigen. Wie entwickelt sich die Ökonomie in Westafrika?

 

AGT27 - Container ausgeklappt

Torsten Schreiber: Der afrikanische Kontinent wird oft als Einheit wahrgenommen, dabei gibt es 52 völlig unterschiedliche Staaten mit riesigen Unterschieden. Der FAZ-Wirtschaftsjournalist und Afrika-Experte Christian Hiller von Gärtringen, hat in seinem Buch Afrika als das neue Asien bezeichnet. Leider wurde Afrika erst durch die Europäer und dann nochmal durch die Chinesen ausgebeutet. Diejenigen Staaten in Afrika, die politische Stabilität und Korruptionsbekämpfung vorantreiben, haben gigantische Wachstumspotentiale. Zur Verwirklichung dieser Potentiale brauchen Sie in erster Linie Energie – je effizienter hergestellt und genutzt, je besser. Dazu sind natürlich zunächst einmal Investitionen erforderlich, und hier hilft bettervest.

Klaus-Martin Meyer: Welche Art von Investoren wünscht Ihr Euch vor allem für das bevorstehende Projekt mit den Solarcontainern? Eher den renditebewussten Anleger oder stehen auch Aspekte wie sozialer Impact oder der Umweltschutz im Vordergrund?

 

Torsten Schreiber: Mit 9% Zins und einer Laufzeit von sieben Jahren macht das Projekt den Anlegern ein interessantes Angebot, dass auch das Risiko entsprechend widerspiegelt. Neben dem ökologischen Aspekt dass wir Dieselgeneratoren nachhaltig ersetzen entsteht mit dem Projekt auch ein direkter sozialer Impact, der die Menschen und die Crowd ganz sicher „berühren“ wird. Insbesondere wenn man bedenkt, dass viele Menschen dort, die vorher keinen Strom hatten, nun wirtschaftlich tätig werden und bis zu 350 Euro Umsatz pro Jahr erzielen können, zum Beispiel durch Small Business, Kioske, Handyläden, kleine Boutiquen usw.

Wir haben also mit diesem Projekt einen Triple-Impact: Interessante Konditionen, Aktiver Klimaschutz und enormer Sozialer Impact.

mpfang des Projektteams in Mourdiah

Empfang des Projektteams von 2.000 Menschen als diese erfahren haben, dass bettervest Strom bringt

Klaus-Martin Meyer: Die Wirtschaft in Afrika entwickelt sich aktuell recht dynamisch. Selbst der Economist ist vom ewigen Pessimisten zum Optimisten für den Kontinent mutiert. Wird es auf bettervest weitere Projekte dieser Art geben?

 

Torsten Schreiber: Ja, aktuell haben wir mehrere Projektgesellschaften, die Projekte in Afrika nicht als Entwicklungshilfe, sondern bewusst aus wirtschaftlichen Beweggründen machen. Die Leute müssen in Afrika Zinsen von bis zu 25-30% bezahlen, gleichzeitig ist Energie in manchen Regionen bis zu dreimal teurer als in Deutschland. Im Bereich Energie amortisieren sich daher Investitionen oft schon unterjährig. Das sind ideale Voraussetzungen für das bettervest – Modell. Wir sind hier bereits sehr weit und haben Zugriff auf Projekte im zweistelligen Millionenbereich, die wir umsetzen könnten. Nennen kann ich hier neben Solarkraftwerken auch die Bereiche Müllverwertung, Mobilität, Kühlung und Solarthermie. Zusätzlich sind wir auch im engen Kontakt mit Organisationen wie Ingenieure ohne Grenzen. Aber um große Projekte umzusetzen, müssen wir die Crowd mitnehmen auf diese Reise.

Deshalb testen wir mit den nächsten beiden Projekten, also dem mobilen Solarcontainer (Fundingsumme 107.700 Euro) und unserem Hotel am Strand von Grand-Bassam (Fundingsumme ca. 500.000 Euro), das voraussichtlich im Sommer online geht, wie die Crowd reagiert, welche Fragen und Themen auf uns zukommen und welchen Impact wir damit nachhaltig erzielen können. Danach ist das Potential für weitere spannende Projekte mit bettervest und Crowdfunding schier unerschöpflich. Den Mut dazu hat aber aktuell nur unser Team.

Klaus-Martin Meyer: Investment in Westafrika, da wird manch einer sagen – Afrika das ist doch Terror, Armut und Ebola ?

 

Torsten Schreiber: Wir haben seit Jahrzehnten die Bilder und Spendengalas vor Augen und die tödliche Seuche, die wir gerne weit ausblenden wollen. Armut, die uns scheinbar nichts angeht, Terrorismus, dessen Zusammenhang wir nur schwer verstehen, wenngleich der auch in Paris, London, Boston, Ottawa und Sydney angekommen ist.

Es gibt darauf keine einfache Antwort. Wir dürfen uns davon nicht einschüchtern lassen. Bezogen auf das kommende Projekt ist die Geschäftsidee sehr spannend und bietet auch einige Lösungen. Das Projekt, das bettervest finanziert, basiert auf einem mobilen Stromerzeugungskonzept, welches es ermöglicht das Solarkraftwerk in weniger als einer Stunde komplett „einzufahren“ und abzutransportieren. Kommt es also zu Zahlungsschwierigkeiten oder politischen Veränderungen, können die Kraftwerke wie Schiffe den Hafen wechseln. Dazu haben wir auch ein eigenes, patentiertes Verladesystem für die Container entwickelt, die wir ohne Kran aufladen können.

Unabhängig davon sehe ich aber mit Projekten in Afrika und der enormen Reichweite unserer Plattform viel mehr Chancen, Menschen ein anderes Bild von Afrika und der Kultur, dem Stolz, dem Respekt zu zeigen, als es der stereotypische Medienkonsument kennt. Mit unserer modernen Technologie und den für afrikanische Verhältnisse extrem günstigen Konditionen des Crowdfunding können wir viel bewegen.

Zu Chancen gehören auch Risiken, die wir von Seiten bettervest durch verschiedene Mechanismen versuchen zu minimieren, aber keinesfalls verschweigen. Wie bei den deutschen Projekten gibt es hier auch ein Totalverlust-Risiko des Investments. Deshalb lieber in viele bettervest-Projekte investieren mit kleineren Beträgen.

Und was Ebola angeht, so würde ich mich freuen, wenn wir die nächsten mobilen Solarcontainer mit Ingenieure, oder Ärzte ohne Grenzen oder anderen Partnern in Sierra Leone, Guinea und Liberia aufbauen. Dort liegen aktuell zum Teil Schweröl-Schiffe in den Häfen, die Öl zu Strom verbrennen und zum Preis von einem Euro pro kWh an die Krankenhäuser und die Regierung liefern, während über 2.000 Sonnenstunden kostenfrei und ohne Emission pro Jahr vom Himmel scheinen.

Deshalb freue ich mich, wenn wir gemeinsam mit diesem Projekt ein Zeichen setzen, dass wir etwas „bewegen“ können und auch wollen. Deshalb seit dabei am kommenden Donnerstag um 12 Uhr. Wir zählen auf die deutsche Crowd-Szene.

Fundingteaser_bettervest-1

Torsten SchreiberTorsten Schreiber ist Serial Social Entrepreneur und Co-Gründer der grünen Crowdfundingplattform bettervest, sowie des Medienportals social-startups.de, dem größten Informationsportal für Social Entrepreneurs in Deutschland.

Torsten Schreiber lebt in Frankfurt am Main und ist Vater von 2 Kindern

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