„5gegen2 versteht sich aber nicht als Gegenmodell zu einem Getränkekonzern, sondern als Initiative für Amateurvereine und Fans.“ – Interview mit Tobias Meyer (5gegen2)

5gegen2Klaus-Martin Meyer: Dieser Tage wurde der Wechsel von Davie Selke zu RB Leipzig bekannt gegeben. Zunächst dachte ich an einen Aprilscherz. Doch es scheint, als würde Red Bull dazu beitragen, den Fußball – wie wir ihn kennen – im Geld aus dem Vertrieb einer gesättigten Zuckerlösung zu ertränken. Inwiefern ist 5gegen2 ein Gegenmodell zum Ansatz von Herrn Mateschitz?

Tobias Meyer: Die Transferpolitik ist schon sehr spannend und sicher auch kritisch zu hinterfragen, wie das gesamte Konstrukt. 5gegen2 versteht sich aber nicht als Gegenmodell zu einem Getränkekonzern, sondern als Initiative für Amateurvereine und Fans. Wir spielen in den Ligen, in denen die von uns unterstützten Vereine spielen und sind uns darüber bewusst kein ernsthafter Gegner zu sein. Wenn wir aber durch unser Getränk auf die Entwicklungen im Fußball aufmerksam machen können und zudem Amateurvereine die eine oder andere Mark für ihre Jugendarbeit einnehmen, ist das aus unserer Sicht schon ein großer Erfolg.

Klaus-Martin Meyer: Wie entstand das Konzept und wie kam es zu der Idee ein Crowdfunding zu starten?

Tobias Meyer: Die Idee entstand im Prinzip aus einer Bierlaune heraus. Mein Mitbewohner Dirk und ich gaben uns dann noch am selben Abend die Hand darauf ein Energiegetränk zum Erhalt der Fußballkultur ins Leben zu rufen. Im Vordergrund dabei stand von Anfang an die Unterstützung von Amateurvereinen und Fans. Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt, ich würde heute ehrenamtlich einen Energy Drink vertreiben – ich hätte gelacht. Unter anderem deshalb weil ich eigentlich solche Getränke gar nicht konsumiere. Das Konzept hat sich dann von Mai bis August letzten Jahres geschärft, sodass es im August Zeit war damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Klaus-Martin Meyer: Welche Vorbereitungen habt Ihr getroffen? Wie wurden die 100 Unterstützer zusammengetrommelt und welche Anstrengungen unternommen, das Fundingziel zu erreichen?

Tobias Meyer: Um das Interesse an dem Getränk auszuloten haben wir eine Facebook Seite und eine Landing Page gebastelt. Wir wollten sicher gehen, dass das Projekt den Zeitgeist trifft und sich Gleichgesinnte finden. Nach gut zwei Wochen hatten wir etwa 500 E-Mail Adressen und mehrere Tausend „Gefällt-mir“ Angaben. Da war uns klar, dass unser Projekt den Nerv vieler Fußballfans trifft. Daraufhin ging es dann im November ins Funding auf Startnext. Die ersten 100 Unterstützer akquirierten sich aus der vorher aufgebauten Community. Nach einigen Stunden hatten wir bereits 400 und der Sprung in die Finanzierungsphase konnte relativ zügig realisiert werden. Die Anstrengungen die unsererseits unternommen wurden bestehen im Grunde aus zwei Blöcken: Zum einen einer enorm hohen Präsenz auf Facebook und dann auch einer regen Öffentlichkeitsarbeit.

Klaus-Martin Meyer: Wie kam es zu dem Interview mit 11Freunde? Konnte man den Einfluß der Medienpräsenz am startnext-Zähler ablesen?

Tobias Meyer: Die 11 Freunde haben ein Interview bei uns angefragt und das haben wir natürlich gerne gemacht. Da viele Artikel vor dem eigentlichen Crowdfunding veröffentlicht wurden, haben wir damit vor allem die Community in sozialen Netzwerken aufgebaut. Dennoch haben im weiteren Verlauf vor allem Webartikel mit einer hohen Reichweite viele Besucher auf unsere Website gelockt. Artikel in Printmedien verpufften jedoch nahezu wirkungslos und dienen aus meiner Sicht eher dem allgemeinen Bekanntmachen eines Projektes. Der Weg von der Zeitung ins Web scheint einfach zu lang.

Klaus-Martin Meyer: Wie gut adaptieren aktuell die Fußballvereine die Idee und steigen in den Vertrieb von 5gegen2 ein? Gibt es motivierende Erfolgsmeldungen, die andere Vereine anstecken könnten mitzumachen?

Tobias Meyer: Wir treffen in den Vereinen sehr häufig auf komplizierte Strukturen: Der erste Vorsitzende möchte nicht alleine entscheiden, die nächste Vorstandssitzung findet aber erst in einem Monat statt. Zum Glück gibt es aber schon eine gute Hand voll Vereine die das Konzept verstehen und mit einer Hands-On Mentalität umsetzen. Der VfR Horst beispielsweise verkauft das Getränk nicht nur selber sondern fragt zudem bei anderen Vereinen im Umfeld nach, ob auch diese Interesse haben. So entstehen Sammelbestellungen, die es für alle Beteiligten erleichtern.

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