„Wir bleiben bei Mezzany dem Crowdfunding auf jeden Fall treu“ – Interview mit Jens-Uwe Sauer (CEO)

mezzanyKlaus-Martin Meyer: Jens-Uwe, die meisten Crowdstreet-Leser werden wissen, wer Du bist. Dennoch die Fragen. Wer bist Du, was machst Du?

Jens-Uwe Sauer: Ich bin Geschäftsführer von Seedmatch und Econeers, den deutschen Marktführern für Crowdfunding für Startups sowie grüner und nachhaltiger Projekte. 2011 sind wir mit Seedmatch als First Mover für Equity based Crowdfunding in Deutschland an den Markt gegangen und konnten auf beiden Plattformen in den letzten Jahren viel bewegen. Unter anderem hat die Crowd auf Seedmatch und Econeers zusammen über 25 Millionen Euro investiert und damit einen wichtigen Grundstein für eine wachsenden Crowdfundingbranche in Deutschland gelegt. Mit Mezzany setzen wir diese Arbeit fort und möchten Crowdfunding auf ein neues Level heben.

Klaus-Martin Meyer: Immobilien-Crowdfunding ist vor allem in den USA für akkreditierte Investoren aktuell eine Riesengeschichte. Bei Mezzany kann die Crowd zusammen mit professionellen und institutionellen Investoren investieren. Warum hat bisher in Deutschland niemand so offensiv einen Ko-Investment-Ansatz verfolgt? Warum setzt Mezzany diesen Ansatz nun konsequent um?

Jens-Uwe Sauer: Schon seit mehreren Jahren kommen professionelle Investoren wie Family Offices und Vermögensverwalter regelmäßig auf uns zu und signalisieren ein sehr konkretes Interesse an Investitionen. Ihnen können wir jetzt mit Mezzany und verbrieften Wertpapieren endlich das Richtige bieten.
Gleichzeitig haben wir bei Seedmatch und Econeers mittlerweile eine enorm große und starke Crowd. Ihr wollen wir mit Mezzany eine neue Userexperience ermöglichen. Dazu gehören aus unserer Sicht Unternehmen und Projekte mit einem höheren Reifegrad sowie attraktive Investmentkonditionen in Form von verbrieften, handelbaren Wertpapieren – aber eben auch das Investieren an der Seite mit professionellen Investoren.

Klaus-Martin Meyer: Mezzany wurde am Tage der Abstimmung über das Kleinanlegerschutzgesetz verkündet. Wie wurde die Arbeit an dem Projekt durch das laufende Gesetzgebungsverfahren beeinflusst?

Jens-Uwe Sauer: Die Gesetzgebung hat uns für Mezzany insofern nicht beeinflusst, als dass wir uns hier ohnehin in einen sehr stark regulierten Markt reinbegeben. Alle Prospekte der auf Mezzany angebotenen Wertpapiere unterliegen dem Wertpapierhandelsgesetz und sind entsprechend auch WpHG-konform. Auch wir als gebundener Vermittler unterstehen mit unserem Haftungsdach der BaFin.

Nicht das Kleinanlegerschutzgesetz hat unseren Gedanken an Mezzany vorangetrieben, sondern der Wunsch, unserer Crowd einen wirklichen Mehrwert bieten zu können – und das wollen wir mit den verbrieften und handelbaren Wertpapieren nun ermöglichen.

Klaus-Martin Meyer: Auf der Webseite ist von einem Bafin-konformen Wertpapierprospekt die Rede. Was hat es damit auf sich? War es schwer, diesen Prospekt zu entwickeln und welche Kostenrelevanz hat dieser bezogen auf ein einzelnes Crowdfunding?

Jens-Uwe Sauer: Den Prospekt entwickeln nicht wir, sondern der Prospektanwalt des einzelnen Emittenten. Der Inhalt des Wertpapierprospektes bestimmt sich jedoch nach der Prospektverordnung der Europäischen Kommission und ist entsprechend vorgegeben. Es ist auf die konkrete Emission zugeschnitten und gibt sehr genau das Chancen- Risikoverhältnis wider. Hier quasi einen Master zu entwickelt wäre also gar nicht zielführend gewesen. Die Prüfung und Billigung erfolgt aber von einer Aufsichtsbehörde, die recht hohe Billigungsgrenzen haben.

Die Kosten sind abhängig vom Volumen, das der Emittent einsammeln möchte. Aber auf Mezzany wird es keine Startups geben, die ein Wertpapierprospekt erstellen müssen. Wir haben ja im Rahmen des Kleinanlegerschutzgesetzes schon immer gesagt, dass dieses kostenintensive Mittel nicht das richtige für junge Startups ist. Die Emittenten, die auf Mezzany ihre Wertpapiere anbieten werden, sind in einer anderen, viel reiferen Unternehmensphase. Wir sprechen hier von ganz anderen Summen und entsprechend auch von ganz anderen Möglichkeiten kostenseitig. Ein Wertpapierprospekt ergibt erst ab dieser Größe wirklich Sinn, aber bietet den Anlegern auch dann in Form der konkreten Anleihe enorme Vorteile.

Klaus-Martin Meyer: Ferner fällt die Vokabel Crowdbond auf. Was unterscheidet einen solchen Bond von Euren bisherigen Beteiligungen, die über Seedmatch bzw. Econeers vermittelt werden?

Jens-Uwe Sauer: Auf Seedmatch und Econeers können die Investoren bekanntermaßen per partiarischem Nachrangdarlehen investieren. Auf Mezzany werden ausschließlich depotfähige Wertpapiere in Form von Anleihen angeboten. Die Emittenten haben grundsätzlich die Möglichkeit, diese Anleihen auch an deutschen Börsen im Freiverkehr zu listen. Die Crowd kann hier durch ihre Partizipation für Liquidität sorgen, was natürlich für die professionellen Investoren auf der anderen Seite wie auch für die Emittenten sehr interessant ist. Gemeinsam können Crowd und professionelle Investoren so auch größere Emissionsvolumina realisieren. Das ist unser Verständnis der Crowdbonds.

Wertpapiere, die bislang durchaus unter der Hand an vermögende Privatinvestoren, Family Offices oder institutionelle Investoren gegangen sind, werden bei Mezzany auch der Crowd zugänglich gemacht. Wir bleiben bei Mezzany dem Crowdfunding auf jeden Fall treu: Auch wenn professionelle Investoren mitzeichnen, werden wir einen Teil der zu zeichnenden Anteile exklusiv für die Crowd reservieren.

Klaus-Martin Meyer: Abschließend die Frage nach der Roadmap. Was kann die Crowd in den kommenden Monaten erwarten?

Jens-Uwe Sauer: Wir starten mit einem sehr spannenden Immobilienprojekt und einem sehr erfahrenen Projektbetreiber. Jürgen Kelber hat in seiner Laufzeit schon mehr als 50.000 Eigenwohnungen verkauft und bringt ein enormes Know-how für solche Projekte mit. Das ist eine tolle erste Emission für die Plattform, weil hier mehrere Dinge zusammenkommen: ein verbrieftes Wertpapier mit kurzer Laufzeit und der doppelten Renditechance durch Festzins und Überschussbeteiligung. Zusätzlich steigt der Investor zu einem sehr fortgeschrittenen Projektstatus ein – die Baugenehmigung liegt beispielsweise bereits vor.
Zeichnungsstart ist der 18. Mai. Wir sind sehr gespannt.
Registrieren können sich die User allerdings jetzt schon. Aufgrund von einigen regulatorischen Vorgaben, ist der Registrierungsprozess bei Mezzany etwas umfangreicher und u. a. mit einem Identifizierungsprozess versehen – dafür sollte man etwas Zeit mitbringen.

Immobilienprojekte werden einen Teil unseres Portfolios ausmachen. Wir möchten aber langfristig auch auf das Marktversagen antworten, das junge stark wachsende Unternehmen in Deutschland vorfinden: Wer in einer finanzstarken Phase nach einer Serie-B Finanzierung sucht, wird sich eher ins Ausland wenden müssen, um sie zu finden. Diesem Defizit wollen wir begegnen und diese Unternehmen mit der Crowd und den professionellen Investoren zusammenbringen.

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