Es ist an der Zeit, die Idee der Crowdfunding-Marktplätze auf neue Anwendungsgebiete zu übertragen! – z.b. das Ticketing

Crowdinvestor Relations Manager Bergfürst hat zwar nach wie vor erst zwei Crowdfinanzierungen realisiert. Dennoch repräsentiert die Plattform so etwas wie die Idealform eines Marktplatzes für Emissionen und den anschließenden Handel der Wertpapiere. Dieser Idealtyp sollte bestens geeignet sein, um diesen auch auf andere Anwendungsgebiete zu übertragen. Darin könnte einerseits für die Plattformbetreiber die Chance liegen, ihre Marktplätze zu lizenzieren. Andererseits könnten die Anwender aus anderen Bereichen, neue Geschäftsfelder erschließen, bestimmte Märkte besser bedienen und auch neue Einnahmeströme generieren, während die Crowd ebenfalls Vorteile genießt.

Idealer Anwendungsbereich: Ticketing für Fußballvereine und Rockbands…

Ein idealtypischer Ansatz für die Übertragung der Idee einer Crowdfunding-Plattform ist das Ticketing von Vereinen und Rockbands. Die Fanbase von Clubs und Musikern kann durchaus als Crowd interpretiert werden. Die Eintrittskarten sind die Assets oder besser gesagt, die Optionen, die das Recht auf Eintritt zu einem Event verbriefen. Das Ticketing – wie es aktuell praktiziert wird – verhindert leider nicht die Existenz von Schwarzmärkten, zum Ärgernis von Fans, Vereinen und Steuerbehörden. Auch Ticketbörsen wie Viagogo, die zumindest so etwas wie Sicherheit in den Handel des knappen Gutes “Tickets” bringen, sind keine Lösung und sorgen regelmäßig für Ärger, weil dort Tickets zu überhöhten Preise offeriert werden, die nur die Taschen der “Schwarzhändler” und der Ticketbörse voll machen. Viagogo nimmt 15 Prozent Gebühren vom Käufer und noch mal 10 Prozent vom Verkäufer. Die Süddeutsche Zeitung rechnet vor, dass der Preis einer Stehplatzkarte schon einmal von 18 Euro auf 79,83 Euro hochschnellen kann. Die zusätzliche Wertschöpfung geht zum einen am Verein vorbei und schadet aufgrund überzogener Preise sogar noch der eigenen Kundschaft. Dabei ließe sich das Problem vergleichsweise leicht beheben, nämlich durch die Ausgabe von personalisierten Tickets (“Namensaktien”), die nur auf Vereins- oder Band-eigenen Plattformen von ihrer Crowd – also den Fans – handelbar sind.

Dann braucht es auch kein Viagogo mehr…

Die Ausgestaltung des Handels auf den Plattformen kann der jeweilige Verein selber bestimmen. Es wäre möglich – wie auf Bergfürst – einen wirklichen Markt für die Tickets zu organisieren, der Kurssteigerungen und -verluste ermöglicht. Auch kann man sich überlegen, will man Kursgewinne zulassen, ob diese Handelsgewinne und in welchem Umfang diese mit dem Verein geteilt werden müssen. Wählte man einen solchen Ansatz, dann könnten die Veranstalter aus Sport und Rockbiz ihren Anteil an der Produzentenrente zuungunsten der Tickethändler vergrößern. Natürlich könnten die Vereine auch diese Anteile an den Handelsgewinnen nutzen, um mögliche Verluste von Fans auszugleichen, die Tickets aufgrund von Krankheit oder anderen Gründen nicht wahrnehmen können, wo aber ein Verkauf nur mit Verlusten möglich ist. Ein dritter Weg wäre der Ansatz von Bergfürst, wo die Gewinne und Verluste von den Besitzern der Assets getragen werden, wie es auf einem Marktplatz üblich ist, und nur eine fixe Gebühr von fünf Euro verlangt wird. Das ist allemal fairer als die 10 Prozent die Viagogo vom Verkäufer nimmt. Kann man die 15 Prozent vom Käufer noch moralisch rechtfertigen, weil eine Versicherung durch Viagogo übernommen wird, dass Karten rechtzeitig ankommen und nicht gefälscht sind etc. pp. Dass man aber am Ticketpreis eines Fans, der sich einen Lebenstraum erfüllt und vielleicht mehrere Tausend Euro für ein Champions League Finale ausgibt, weil er dort einmal seinen Verein siegen sehen will, noch einmal zehn Prozent mitkassiert, ist einfach asozial. Und es ist dumm, dass die Vereine diese Zahlungsströme an sich vorbei ziehen lassen. Ein Verein sollte mit einer Handelsgebühr von fünf Euro auskommen, da er die Eintrittskarten ja selbst garantieren kann und nicht wie Viagogo eine Versicherungsleistung offerieren und finanzieren muss.

Mobile Plattform würde Handel bis vor das Stadiontor ermöglichen

Bieten ein Verein oder auch eine Rockband eine vernünftige mobile Plattform inkl. mobilen Ticketing an, dann würde ein Ticketmarktplatz auch wie gewohnt den Handel bis vor die Stadiontor ermöglichen. Sind alle Marktteilnehmer auf der Plattform in vernünftiger Form identifiziert, kann man durch ebay-mäßige Bewertungssysteme
auch Zahlungen an der Plattform vorbei verhindern bzw. nachträglich sanktionieren.

Fazit:
Sofern Rockbands wie Pink Floyd oder Vereine wie Bayern München am den Margen der Ticketspekulanten partizipieren, sinkt gleichzeitig – je nach Ausmaß – der Anreiz, überhaupt in die reine Ticketspekulation einzusteigen. Ein positiver Nebeneffekt. Faktisch würden die Veranstalter, die regelmäßig ausverkauft sind, ganz nebenbei mehr Geld aus dem Sitzplatzangebot in ihren Stadien herausholen.

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