Interview mit Patrick Mijnals und Torsten Schreiber zum aktuellen Eigenfunding von Bettervest

bettervest-fundingKlaus-Martin Meyer: Patrick & Torsten, ihr seid die Gesichter von bettervest und sicher den meisten bekannt. Könnt ihr euch und bettervest dennoch bitte kurz vorstellen?

Patrick: Mein Name ist Patrick Mijnals. Nachdem ich die Idee, Crowdfunding für Energieeffizienz einzusetzen, beim Startup Weekend 2012 in Frankfurt gepitcht habe, gründete ich mit vier Mitstreitern einige Monate später die bettervest GmbH.

Torsten: Mein Name ist Torsten Schreiber, ich gehöre zum ursprünglichen Gründerteam und kümmere mich um alles rund um die Community/ Crowd (Investoren), die Kommunikation, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Klaus-Martin Meyer: Heute startete auf bettervest ein Crowdfunding in eigener Sache. In nur drei Stunden war schon die Fundingschwelle von 100.000 € erreicht. Welche Argumente sprechen für das Eigenfunding? Habt ihr andere Optionen geprüft? Wenn ja, welche?

Torsten: Wir haben sowohl mit Companisto, als auch mit seedrs über eine Zusammenarbeit gesprochen, die auch für die Zukunft als Option bei größeren Runden noch zur Verfügung steht. Wir halten es in unserem Fall aber für am authentischsten, das Funding mit unserer Community auf der eigenen Plattform durchzuführen, die wir dazu auch komplett relauncht haben. Es ist also ein Proof in mehrerer Hinsicht, auch weil unsere Anleger stärker auf Nachhaltigkeit Wert legen, als das auf einer reinen equity getriebenen Plattform der Fall ist. Wer in bettervest investiert, sollte kein “Zocker” sein, sondern uns ganz bewusst unterstützen wollen. Wir wollen unsere Anleger in unsere Community und in unsere zukünftigen Schritte mit integrieren, also auch wieder hin zum ursprünglichen “Crowd-Feeling”, das können wir auf der eigenen Plattform am besten steuern. Zudem haben wir uns entschlossen, statt einer anderen Plattform die Provision zu bezahlen, diese lieber in unsere treuesten Anleger zu investieren.

Klaus-Martin Meyer: Ein gutes Stichwort. Für die ersten 100 Investoren, die mehr als 1.000 € in bettervest anlegen, gibt es einen besonderen Reward?

Torsten: Ja. Wir wollen zum einen unsere treuen Anleger belohnen, dass sie uns in den letzten Monaten ihr Vertrauen geschenkt haben, aber natürlich auch bei künftigen Projekten Anleger motivieren, stärker zu diversifizieren. Deshalb haben wir den 100 ersten Investoren bei bettervest, die über 1.000 Euro investieren, für ihr Portfolio einen Bonuszins von 1 % auf ihre Projekte versprochen, und zwar für die letzten 12 Monate und die künftigen 12 Monate.

Klaus-Martin Meyer: Investoren schielen immer auch auf die Bewertung. Wie seid ihr zu der Bewertung gekommen?

Patrick: Im Unterschied zu vielen anderen Startups, die ein Crowdfunding machen, sind wir ja bereits in einer weiter fortgeschrittenen Unternehmensphase. Dadurch liegt uns schon eine erste Bewertung vor, denn wir haben Ende 2013 eine Seedinvestition von drei Business Angels und Kennern der Effizienzbranche erhalten. Dies führte zu einer Post-Money-Bewertung von 2,16 Mio. Euro – wohlgemerkt in der Pilotphase, als wir gerade mal zwei kleine Projekte finanziert hatten, aufgrund der Gesetzeslage noch von einem maximalen Projektvolumen von 100 TEUR ausgingen und nicht so genau wussten, wohin die Reise gehen würde. Inzwischen haben wir das Geschäftsmodell bewiesen, eine gut gefüllte Pipeline und enormen Zuspruch aus der Fachwelt.

Klaus-Martin Meyer: Welches Fundingvolumen müsst ihr nach euren eigenen Ansprüchen in den kommenden zwei, drei Jahren erreichen, damit sowohl Ihr ihr als auch die Crowd sich über die Entwicklung freut?

Patrick: Wir gehen erst mal konservativ von einer ungefähren jährlichen Verdopplung des Fundingvolumens bis zum Break-Even im Jahr 2017 aus, auf dann 12 Mio. Euro. In der Planung bis 2019 halten wir kumulierte 63 Mio. für realistisch.

Klaus-Martin Meyer: Auch wenn viele Investoren vorgeben, an einer nachhaltigen langfristigen Entwicklung interessiert zu sein, sind Exit-Szenarien immer ein zentraler Punkt in der Projektvorstellung. Wie könnten Exit-Szenarien bei bettervest aussehen?

Patrick: Ich kann für uns, unsere Business Angels und unsere Stamminvestoren sagen, dass Nachhaltigkeit der wichtigste Wert ist. Für uns kommt daher ein Exit auch nur in Frage, wenn dieser Wert langfristig gewahrt bleibt. Denkbar sind verschiedene Szenarien, allen voran zu nennen sind natürlich nachhaltige Finanzdienstleister und die unterschiedlichen Akteure der Energieeffizienzbranche. Da Crowdfunding, nachhaltige Geldanlage und Energieeffizienz extrem stark wachsende und zukunftsträchtige, bisher aber in Relation noch immer kleine Märkte sind, werden wir in Zukunft auch noch einige überraschende neue Player sehen.

Klaus-Martin Meyer: Torsten, du bist neben bettervest auch bei einer weiteren Plattform (aescuvest) eingebunden. Die Investoren werden nach ihrem Engagement natürlich weiterhin vollen Einsatz für bettervest erwarten. Ist dieser hinreichend sichergestellt?

Torsten: Ich denke die Investoren schätzen mein Engagement für die Crowdfunding-Szene als Ganzes. Als Mitgründer des German-Crowdfunding-Networks ging es in den letzten Monaten um den Erhalt der ganzen Industrie und die Änderungen im Gesetz zugunsten von Crowdinvesting. Es hat sich gezeigt, dass sich unser Einsatz hier sehr gelohnt hat! Insofern bin ich schon immer auch plattformübergreifend aktiv, das erste Treffen der deutschen Plattformgründer habe ich bereits im Juli 2012 veranstaltet, das war noch vor der Gründung von bettervest. Sowohl bettervest als auch aescuvest als Konzept sind in dieser Zeit aus meiner Tätigkeit als Gründungsberater entstanden. Aber um deine Frage konkret zu beantworten, meine persönliche Zukunft ist ganz klar bei nachhaltiger, öko-sozialen Energie- & Klimaschutzthemen, insbesondere in Afrika.

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