Disrupting Disruptors – Schlägt das Imperium zurück?

Crowdstreet ResearchBill Gates Statement „We Need Banking, no Banks“ ist zu einem Klassiker in Einleitungen zum Thema Fintech geworden. Ob ein Softwaremogul nun zwangläufig ein Experte für die Bankenwelt ist, sei einmal dahingestellt. Auf Crowdstreet wurde – in die gleiche Kerbe schlagend – oft genug die Arie gesungen, dass sich das Bankenestablishment mit dem Thema Marketplace-Lending auseinandersetzen müsse, sofern man zukünftig nicht “urplötzlich” auf dem falschen Fuß erwischt werden will. Andersherum sollten Fintech-Innovatoren darüber nachdenken, welche Vorteile Banken bieten könnten …

Goldman Sachs tritt auf den Plan…

In den letzten Wochen mehren sich die Signale, dass das Crowdfunding in der Crowdlending-Ausprägung nachhaltig auf dem Radarschirm der Old Economy also der traditionellen Banken angekommen ist. Von schwachen Signalen – wie es Trendforscher tun – kann man da schon nicht mehr sprechen.
Die nachhaltigste Nachricht lieferte in diesem Zusammenhang Goldman Sachs. Goldman Sachs gehört zu den führenden global aktiven Investmentbanken. Die Investmentbank hat Harit Talwar von Discover abgeworben, damit dieser den Marketplace-Lending-Geschäftsbereich aufbaut. Über den Marktplatz sollen Kredite an Privatpersonen und kleine Unternehmen vergeben werden. In diesem Bereich war die Investmentbank, die von Kritikern auch schon einmal als “Vampirkrake” bezeichnet wird, bis dato noch nicht unterwegs. Die dreistelligen Wachstumsraten von Lending Club, Funding Circle, RateSetter etc. sind aber offenbar für die New Yorker so interessant, dass man das Segment nun selbst beackern möchte. Ziel dürfte es sein, der eigenen Kundenklientel höhere Zinseinnahmen zu ermöglichen. Das Modell, dass Goldman Sachs wählen wird, dürfte eher der Ansatz von OnDeck sein. Man wird also keinen klassischen p2p-Marktplatz aufsetzen, sondern das Kapital einer limitierten Anzahl von Investoren an die Crowd der Kreditnehmer verteilen.

Bank Leumi laucht p2p-Plattform

Einen Schritt weiter als Goldman Sachs geht die israelische Bank Leumi. Diese will einen eigenen p2p-Marktplatz etablieren. Damit wird die Bank in ein Geschäftsfeld eindringen, was gemeinhin als Bedrohung für die Banken gesehen wird. Man könnte den Schritt also als eine Art Flucht nach vorn interpretieren. Die Bank steht augenscheinlich auf dem Standpunkt, dass p2p-Kredite ein Phänomen sind, das man nicht mehr aufhalten könne. Daher sei es besser, sich selber zu engagieren, um an dem Trend zu partizipieren. Wahrscheinlich wird Bank Leumi auch international agieren, um den Nutzen der technologischen Plattform über den relativ kleinen nationalen Markt hinaus zu hebeln. Nach Angaben von Globes.co.il hatte Bank Leumi in der jüngeren Vergangenheit bereits versucht, den israelischen Crowdlending-Marktplatz Blender zu akquirieren.

Lendme verschiebt Start wegen Verhandlungen mit einer Bank

In Australien hat Lendme – ein neuer Player im Markt für p2p-Kredite – seinen Start verschoben. Der Grund hierfür sind Verhandlungen mit einer traditionellen Bank über eine Partnerschaft. Die Initiative für die Verhandlungen gingen dabei augenscheinlich von der Bank aus. Sollten die Verhandlungen von einem Erfolg gekrönt werden, dann wird die neue Plattform nach Angaben des Gründers Mark Kirkland in rund drei Monaten an den Start gehen.

Auch Banken haben Kostenvorteile…

Die Fintech-Player gefallen sich oft darin, über die behäbigen Banken zu lästern, bei denen noch Kreditanträge in Papierform ausgefüllt werden müssen. Aber auch die Banken haben strategische Wettbewerbsvorteile, die man beim Start von p2p-Plattformen nutzen bzw. die man in strategische Allianzen mit einbringen kann. Hierzu gehört vor allem die existierende Kundenbasis, denn die Akquisitionskosten für neue Kunden sind keineswegs zu vernachlässigen. Gleiches gilt für Scoringmodelle. Die Bankenwelt hat Jahrhunderte lange Erfahrungen Kreditrisiken einzuschätzen. Auch diese Modelle fallen nicht vom Himmel. Deshalb wird es zukünftig zweifelsohne immer größere Schnittmengen zwischen der alten Bankenwelt und der schönen bunten Fintech-Welt geben – schon allein aus Kostengründen.

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