Crowdfunding Trends: Liquider, kooperativer, internationaler, Fond orientierter und femininer…

Crowdstreet ResearchTrendfoscher sehen sich gern “schwache Signale” an, um daraus mögliche strategische Entwicklungen abzuleiten. Diverse Signale werden auch im Crowdfunding Umfeld immer offensichtlicher. Vermutlich sind die meisten der an dieser Stelle aufgeführten (vermeintlich) schwachen Signale hier auf Crowdstreet schon erwähnt worden. Das Folgende sollte in diesem Falle als erneute Bestätigung existierender Trends interpretiert werden.

Sekundärmärkte werden immer mehr zum Thema …

Zwei bekanntere CF-Plattformen haben die Einführung von Zweimärkten für die von ihnen begebenen Assets angekündigt bzw. beschäftigen sich mit dem Gedanken. Snowball Effect aus Neuseeland bereitet sich auf die Einführung eines Sekundärmarktes vor, sofern die User dafür abstimmen. PeerRealty – eine real estate Crowdfunding Plattform – aus den USA zeigt sich in einer Pressemitteilung ebenfalls “stolz” einen Handel von Anteilen anzukündigen. Das Angebot von Handelsplattformen wird zukünftig ein strategischer Wettbewerbsvorteil sein. Am leichtesten sollte eine Einführung solchen Marktplätzen fallen, die Pooling-Modelle anbieten wie es Companisto oder Seedrs tun. Mit Hilfe von APIs wäre es auch denkbar, dass diese Player an andere Handelsplätze andocken, wenn man den Handel z.B. aus regulatorischen Gründen nicht selber organisieren möchte oder kann. Es wird keine große technische Hürde darstellen, wenn z.B. Bergfürst den Handel solcher Anteile für Companisto abwickeln würde. Das wäre vergleichbar mit der Kooperation zwischen Invesdor und Privanet. Anbieter von Handelplätzen nicht börsennotierter Assets könnten die Crowdfunding-Plattformen als neue Kunden gewinnen.

Auch internationale Kooperationen können Vorteile mit sich bringen …

In einem dynamischen Umfeld gibt es immer wieder Ansätze für Kooperationen, die Richtungweisend sein könnten. Eine interessante Zusammenarbeit haben drei Player in Singapur angekündigt. Dort wollen CoAssets, FundedByMe und New Union gemeinschaftlich die lokalen und regionalen Märkte aufrollen. Die drei Player kommen aus den Bereichen real estate, equity based und debt-based Crowdfunding. Die Plattformen können sich also inhaltlich und auch in Sachen Reichweite gegenseitig unterstützen.

Invesdor und Seedrs werden internationaler…

Invesdor aus Finnland gab Ende April bekannt, dass man eine MiFID-Lizenz erhalten habe und man zukünftig debt und equity based Crowdfunding in allen 31 Ländern des europäischen Wirtschaftsraums anbieten wolle. Auf Seedrs nehmen Pitches von Firmen zu, die nicht aus dem UK kommen. Aktuell suchen z.B. eine spanische und eine portugiesische Firma Kapital. Erst kürzlich finanzierten sich eine irische und eine portugiesische Gesellschaft erfolgreich. Selbst die britische Plattform bnktothefuture (eher die zweite Garde der equity Plattformen) unternimmt gerade ein großes Funding für ein spanisches Startup. Fazit: Immer mehr Plattformen und Kapital suchenden Firmen schauen über die eigenen nationalen Grenzen hinweg. Bei den deutschen Firmen spielt sich diesbezüglich aber noch nicht so viel ab. Weder bei den Plattformen noch bei den Startups.

Fonds finanzieren sich auf Crowdfunding-Plattformen…

Aktuell laufen im UK zwei inhaltlich und volumenmäßig interessante Crowdfundings für Investment-Fonds. Auf Seedrs sucht der Serial Entrepreneur Mark Pearson 500.000 GBP als Teil einer beabsichtigen Kapitalakquisition von 30 Millionen GBP. Die Mittel des Funds sollen in den europäischen eCommerce-Sektor investiert werden.
Auf der oben bereits erwähnten Plattform bnktothefuture haben der Gründer des Marktplatzes Simon Dixon und Max Keiser (bekannter Publizist und Investor) bereits fast 900.000 Euro für einen Bitcoin-Fond, den beide managen werden, eingesammelt. Derartige Fonds ermöglichen es Crowdinvestoren mit einer besseren Risikostreuung in spannende Themen zu investieren, verglichen mit Einzelinvestments in Startups. Insbesondere auf Seedrs gibt es immer wieder derartige Offerten. Der Mindestinvest liegt in der Regel bei 100 GBP. Wer sich für den Bitcoin-Fond auf bnktothefuture interessiert, muss allerdings schon 1000 GBP auf den Tisch legen.

Möglicherweise sollten Frauen lieber per Crowdfunding Kapital akquirieren als von VCs

Eine Auswertung der US-Plattform CircleUp ergab, dass das so genannte Gender Gap auf Crowdfunding-Plattformen mit einem Anteil von 34% Finanzierungen durch weiblichen Unternehmer kleiner ist als bei anderen Formen der Kapitalakquisition. Bei VC-Investments bestreitet die Damenwelt lediglich sieben Prozent der Fundings. Bei Small Business Loans sind es sogar nicht einmal fünf Prozent. Damit hat CircleUp für die eigene Plattform empirisch bestätigt, was zuvor zumindest anekdotisch kolportiert wurde.

Fazit: Crowdfunding-Plattformen sollten sich mit den Themen Sekundärmarkt, Internationalisierung und möglichen sinnhaften Kooperationen befassen. Zudem sollten sie die Initiatoren von Fonds und Entrepreneurinnen als interessante Zielgruppen wahrnehmen. Richtet man den Blick dagegen von Außen auf das Crowdfunding-Universum, dann sollten Handelsplätze sich die Frage stellen, ob man Crowdfunding-Plattformen die eigene Dienstleistung des Handels nicht notierter Assets anbieten könnte. Ferner sind Crowdfunding-Plattformen eine Option für Fond-Intitiatoren an Kapital zu kommen. Frauen müssen sich ernsthaft Fragen, ob man VC-Gesellschaften überhaupt noch ernst nehmen kann, wenn diese nur sieben Prozent ihrer Mittel an weibliche Entrepreneure vergeben.

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