Können Crowdfunding-Plattformen das Pre-IPO Geschäft demokratisieren?

crowdcube-baldertonDie wichtigsten News der vergangenen Woche waren die Kapitalerhöhungen von Seedrs und Crowdcube im UK. Während die deutschen Plattformen weiter ein vergleichsweise mittelständisches Süppchen kochen, wird im UK im anglo-amerikanischen Style zur Attacke geblasen. Wichtiger vielleicht als die Millionen britischer Pfunde, die eingesammelt wurden, ist, wer sich da bei Crowdcube eingekauft hat.

Crowdcube hat nun einen Broker und Corporate Advisor im Rücken

Neuer Aktionär mit einem Anteil von 8,9 Prozent an der Gesellschaft ist Numis. Die Firma sieht sich selbst folgendermaßen:

Listed on AIM and with offices in London and New York, Numis has grown to become one of the UK’s most respected institutional stockbrokers and corporate advisors. We employ circa 200 staff, and the group is listed on AIM.

Die Gesellschaft ist also eine Hausnummer im Börsengeschäft. Mit der Beteiligung an Crowdcube will man seine Aktivitäten offenbar sinnvoll ergänzen, ohne dabei die eigenen Kernkompetenz aus den Augen zu verlieren. Numis hat also keine Angst vor Disruption, vielmehr dient der Schachzug auch der eigenen Schlagkraft im Kerngeschäft. In der Financial Times lässt sich der der Numis CEO Oliver Hemsley so zitieren:

We think Crowdcube will have the opportunity to democratise IPOs [initial public offerings] in the future, and we’ll work with them to do that so that individuals can get access to IPOs that in the past they haven’t been able to,” said Oliver Hemsley, Numis chief executive.

Erste zarte Pre-IPO wurden bereits von Crowdfunding-Plattformen umgesetzt bzw. angebahnt. Via SyndicateRoom wurde die Aktionärsbasis des Immobilien Reits Mill Residential verbreitert. Seedrs tat selbiges mit dem Weingut Domaine Chanzy im Hinblick auf eine Listing an der London Stock Exchange. Und auch Invesdor in Finnland war schon in dieser Richtung aktiv. Aus diesen zarten Wildpflänzchen dürfte Crowdcube mit dem Aktionär Numis im Rücken nun systematisch eine aussichtsreiche Agrapflanze heranzüchten.

Pre-IPO Business wird auch Crowdfunding populärer machen

Otto-Normalverbraucher hatten bis dato so gut wie keinen Zugang zum Pre-IPO-Geschäft. Das ist umso bedauerlicher, als kurz vor dem Börsengang oft noch einmal strategische Investoren zu vergleichsweise günstigen Konditionen zum Zuge kommen. Man denke nur an die Kapitalerhöhungen, die Rocket Internet noch kurz vor dem Börsengang durchgezogen hat. Gelingt es Crowdcube den Crowdinvestoren so solchen Deals einen Zugang zu verschaffen, dann wird sich das Interesse am Crowdfunding noch einmal beschleunigen. Das Risiko ist im Pre-IPO-Bereich sehr viel geringer als Beteiligungen im Start-up Umfeld. Zudem ist die Möglichkeit eines Exits in Schlagdistanz. Sollten dann noch Zeichnungsgewinne im nennenswertem Umfang realisiert werden, wird das Presseecho in Bezug auf das Crowdfunding noch einmal eine ganz neue Dynamik gewinnen und neue Zielgruppen für das Crowdfunding erschließen.

VC Draper Esprit und Balderton Capital könnten für den Dealflow sorgen

Zusammen mit dem Lead Investor investierten in der Kapitalrunde auch der VC Draper Esprit (Timothy C. Draper wird hier und da als “iconic Silicon Valley investor” bezeichnet) und der Altaktionär Balderton Capital – ebenfalls ein VC. Beide Firmen haben große Portfolios mit Firmen, die eines Tages an die Börse streben werden oder auch aus Marketinggründen vielleicht noch einmal ein Crowdfunding brauchen, bevor man sie an einen strategischen Investor vertickt. Die VCs haben durch ihre Beteiligung an Crowdcube den Anreiz, zu einem attraktiven Dealflow beizutragen.

Fazit: Man darf gespannt sein, ob der Dreiklang aus Crowdfunding-Plattform, Börsenbroker und Venture Capital-Companys die Dynamik beim equity based Crowdfunding auf ein ganz neues Niveau heben werden. Zugleich ist es sehr zu begrüßen, dass nun die Chance besteht, ein weiteres Segment des Kapitalmarktes breiten Massen zu erschließen.

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