Interview zum Seedmatch-Crowdfunding für Rotorvox mit Ronald Schoppe

rotorvoxKlaus-Martin Meyer: Ronald, du bist Gründer und Visionär von Rotorvox. Könntest du dich und die Rotorvox (GGC GmbH) bitte kurz vorstellen?

Ronald Schoppe: Gerne, Klaus-Martin. Die letzten vier Jahre meines Lebens habe ich den Großteil meiner Zeit Rotorvox gewidmet. Beruflich war und ist Rotorvox die wohl größte Herausforderung in meinem bisherigen Leben. Zuvor habe ich 13 Jahre bei Volkswagen in der Prototypen-Motorsportentwicklung gearbeitet. Die Faszination des Fliegens hat mich vor 16 Jahren beim Gleitschirmfliegen gepackt und nicht mehr losgelassen. Verknüpft wurden meine Vorliebe für Technik und Fliegen letztlich während der Rallye Dakar. Wir waren auf der Suche nach geeigneten Gyrocoptern, die uns bei Testfahrten begleiten können. Da wir als Volkswagen bei den damaligen Herstellern aber nicht fündig wurden, musste VW Unsummen für die Helikoptereinsätze ausgeben. Seitdem treibt mich die Idee, dem genialen Konzept eines Gyrocopters endlich mit modernsten Entwicklungsmethoden zum Durchbruch zu verhelfen. Das Rotorvox-Team hat in den Jahren seit der Gründung 2011 enorm effektiv und effizient an der Umsetzung meiner und unserer Vision gearbeitet. Das Ergebnis ist der Rotorvox C2A.

Klaus-Martin Meyer: Heute kostet die Entwicklung eines neuen Automodells hunderte von Millionen Euro. Wie kann eine kleine Firma die Entwicklung eines Gyrocopters stemmen?

Ronald Schoppe: Das kann ich aus eigener Erfahrung bei VW bestätigen. Wir haben das Glück gehabt und haben es immer noch, dass wir auf ein enorm motiviertes Team zurückgreifen können. Ohne das Team und den ständigen Willen und Glauben an unser Produkt, wäre eine so schnelle und kosteneffiziente Lösung nicht möglich gewesen. Das gesamte Team hat unheimlich wertvolle Kontakte in den professionellen Motorsport mitgebracht. Egal ob Rallye Dakar, DTM oder Formel 1 – wir konnten aus allen Erfahrungen profitieren. Auch unsere Partner und Lieferanten bewegen sich in diesem professionellen Metier und lassen sich für neue Ideen begeistern. Ohne das Brennen für unsere Vision hätten wir sicherlich mehr Zeit und somit mehr Kapital benötigt. Dank einiger Privatinvestoren, die von der ersten Minute an, die Rotorvox Idee weitergetragen haben, konnten wir auch einen institutionellen Investor begeistern. Die landeseigene Beteiligungsgesellschaft des Freistaats Thüringen hat uns ebenfalls bereits in einer sehr frühen Phase unterstützt. Weitere Unterstützung haben wir von Gemeinde und Landkreis erhalten. Es ist schön, wenn man sieht, wie viele Leute mit der gleichen Begeisterung für eine Vision etwas schaffen können, was sonst nur mit einem exorbitanten Budget umsetzbar wäre.

Klaus-Martin Meyer: Welche Vorteile seht ihr darin, Kapital im Rahmen eines Crowdfundings zu akquirieren?

Ronald Schoppe: Crowdfunding bietet unseres Erachtens gleich mehrere Vorteile. Natürlich ist das primäre Ziel, Kapital für weitere spannende aber vor allem profitable Weiterentwicklungen einzusammeln. Allerdings wollen wir ja auch – wie schon erwähnt – die Thematik Gyrocopter einem breiteren Publikum vorstellen. Wir möchten nicht ausschließlich bestehende Piloten und Pilotinnen begeistern, wir wollen auch Menschen ansprechen, die bisher kaum für dieses Thema sensibilisiert waren. Und das gelingt uns mit einer Crowdfunding-Kampagne besser als mit „normalen“ Werbemaßnahmen. Darüber hinaus haben wir bereits in der Vorbereitung auf die Kampagne gemerkt, dass allein die Planung ein unheimlich hoher Motivationsfaktor im gesamten Team von Rotorvox war. Jeder musste mit jedem kommunizieren. Somit kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Kapitalakquise sicherlich der Hauptgrund für die Durchführung von Crowdfunding ist – aber dieser Hauptgrund durch so viele weitere positive Effekte begleitet wird.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht es bis dato mit dem Kontakt mit den Investoren aus? Welches Feedback gibt es und was sind das für Leute, die in Rotorvox investieren?

Ronald Schoppe: Ich gehe einmal davon aus, dass du die Crowdinvestoren meinst und nicht die bisherigen Privatinvestoren. Ein direktes Feedback konnten wir uns bei unseren beiden Veranstaltungen am Unternehmenssitz in Obermehler/Thüringen und vor allem während unserer Roadshow durch München und Berlin abholen. Bei den Investoren, zu denen wir Kontakt hatten, konnten wir keine Alterseinschränkung feststellen. Es waren Mittzwanziger dabei aber auch Menschen ab 50 Jahren aufwärts. Sie waren begeistert als sie das erste Mal im Flieger saßen – Väter mit ihren Kindern, Männer mit ihren Frauen oder Freundinnen. Allesamt hätten den Flieger nicht als so groß eingeschätzt. Es ist halt doch etwas anderes den Flieger live zu erleben oder „nur“ auf Bildern. Das Feedback, das ich vor Ort bei Gesprächen mit Investoren erhalten habe, war bisher ausschließlich positiv. Und das Beste ist, dass die Crowd auch Ideen mitbringt, wie man den Rotorvox C2A noch einsetzen könnte. Wer hier aufmerksam zuhört, kann weitere Visionen und Ideen für die Zukunft entwickeln.

Klaus-Martin Meyer: Zum Abschluss die Frage nach den Risiken der Investoren. Welche besonderen Herausforderungen gibt es aus Eurer Sicht. Worüber müssen sich Investoren klar sein, wenn sie investieren?

Ronald Schoppe: Wir haben absichtlich die Crowdkampagne erst nach Erteilung der endgültigen Verkehrszulassung – die wird in Fachkreisen auch Musterzulassung genannt – begonnen. Ziel war es, das Risiko für die Investoren überschaubar zu gestalten. Und das technische Risiko ist sicherlich eines der höchsten im gesamten bisherigen Prozess gewesen. Das Risiko, keine Zulassung zu erhalten, fällt somit für die Crowd weg. Dennoch haben wir natürlich immer – wie in jedem Unternehmen – Risiken, die sogar die Existenz gefährden können. Das können wir natürlich auch nicht ausschließen und das muss jedem Investor klar vor Augen geführt werden. Dennoch setzen wir intern bei Rotorvox alles daran, die Risiken beherrschbar zu gestalten und frühzeitig Maßnahmen einzuleiten, um den Risiken entgegenzuwirken. Das derzeit größte Risiko ist sicherlich auf der Vertriebsseite zu sehen. Den Vertrieb haben wir in groben Strukturen im ersten Halbjahr aufgebaut und seit dem Frühsommer kommt dieser richtig zum Tragen. Deshalb möchten wir auch die erste Tranche des Crowdfundings für den Ausbau des nationalen und internationalen Vertriebs nutzen. Auf diese Weise wirken wir dem derzeit größten Risiko frühzeitig entgegen.

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