Crowdfinanzierungen als Bankalternative – oder: Wer braucht noch Banken?

Gastbeitrag von Prof. Dr. Ralf Beck

Beim Crowdlending werden Kredite von Privat an Privat oder von Privat an Unternehmen heraus-gereicht. Wer macht so etwas und warum? Geht der Bank das entsprechende Geschäft verloren? Gehört das Crowdinvesting zu den bankenfreien Geldanlagen und Finanzierungen? Was ist mit Crowdfunding? Diese und ähnliche Fragestellungen waren der Ausgangspunkt meines Buchprojektes zum Thema „Wer braucht noch Banken?: Wie Start-Ups die Finanzwelt verändern und was uns das nutzt“. Die Recherchen zu diesem Buch förderten noch zahlreiche weitere Bankalternativen zutage. Wird es irgendwann eine Welt geben, in der zwar Bänke gebraucht werden, aber keine Banken mehr? Momentan sieht es danach sicherlich nicht aus. Jedoch gibt es Anzeichen dafür, dass sich vermehrt neue Finanzanbieter am Markt durchsetzen, sogenannte FinTech-Unternehmen. Weit mehr als zweihundert FinTechs gibt es in Deutschland inzwischen und einige haben bereits nennenswerte Geschäftsvolumina erreichen können.

Die Banken dachten, dass der Spuk schnell wieder verschwinden würde. Aber dem ist nicht so. Die neuen Anbieter punkten mit kundennahen Produkten, mit effizienten Abläufen und mit Transparenz, nutzen also genau die Schwachpunkte des Bankensektors aus. Werden die Banken darauf reagieren können? Ich denke: nein. Zu verfestigt sind die Strukturen in den Banken, um etwas grundsätzlich verändern zu können. Die Banken sind allerdings viel zu groß und zu mächtig, um in absehbarer Zeit zu verschwinden oder sehr viel kleiner zu werden. Den FinTechs wird es gelingen, den Banken einen Teil des Geschäftes streitig zu machen, sie werden vor allem aber auch ganz neue Geschäftsfelder erschließen, die jenseits dessen liegen, was die Banken leisten.

Beim Crowdlending ist es so, dass viele der darüber herausgegebenen Kredite Fälle betreffen, in denen Personen oder Unternehmen von Banken keinen Kredit erhielten. Hinzu kommt, dass bei Crowdlending im Hintergrund doch wiederum eine Bank ist, durch die die Kredite geleitet werden. In gewisser Weise ist das sogar ein Geschäft für Banken, an dem sie ohne Anbieter wie auxmoney gar nicht beteiligt wären. Oft werden die Fintechs das „Front end“ zum Kunden hin sein und die Banken nur (noch) ein nachgelagerter Teil der Wertschöpfungskette. Wie sieht es beim Crowdinvesting aus? Die Finanzierung von Startups ist kein Bankengeschäft, weil zu risikobehaftet. An dieser Stelle bleibt das Tun der Banken unbeeinträchtigt. Aber auf der Anlegerseite wird es durchaus so sein, dass sich über das Crowdinvesting einen bankenfreie Möglichkeit der Geldanlage aufbaut.

Unser Rechtssystem stellt allerdings sicher, dass es Banken gibt und weiterhin geben wird, denn viele Finanzgeschäfte sind Unternehmen vorbehalten, die über eine (teure) Banklizenz verfügen. Um diese Geschäfte herum werden sich neue bankenfreie Finanzanbieter aufbauen, die manche Geschäfte komplett, andere wiederum in Teilen ausführen. Ja, der FinTech-Sektor wird in den nächsten Jahren einer der wichtigsten Wachstumsbereiche sein und die Crowdfinanzierungen werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie ermöglichen innovative Projekte, die ansonsten nicht zustande kämen und sie bieten Anlegern die Chance auf eine renditestarke Geldanlage. Letztere ist zwar risikobehaftet, aber auch chancenreich. Die Erfahrungen mit Crowdfinanzierungen sind allerdings noch zu kurz, um beurteilen zu können, ob es sich tatsächlich um nachhaltig lohnende Investments handelt. Mit all solchen Dingen und Zusammenhängen befasst sich mein Bankenbuch. Und: Daraus entwickelte sich die im Oktober 2015 startende Crowdinvesting-Plattform Geldwerk1.

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